Zentralbanken und Big Tech dominieren die kommende Börsenwoche
Vier Notenbanken tagen, fünf Tech-Giganten berichten – und der Ölpreis über 100 Dollar hält die Märkte in Atem.

Die kommende Woche verspricht, eine der ereignisreichsten des Börsenjahres zu werden. Vier der weltweit bedeutendsten Zentralbanken halten ihre Sitzungen ab, während fünf der sogenannten „Magnificent Seven" – die mächtigsten US-Technologiekonzerne – ihre Quartalszahlen vorlegen. Im Hintergrund bleibt die Blockade der Straße von Hormus das bestimmende geopolitische Thema, das Öl-, Aktien- und Devisenmärkte gleichermaßen bewegt.
Wie bereits in den acht Wochen zuvor dreht sich an den Finanzmärkten vieles um die Frage, ob im Iran-Krieg Fortschritte erzielt werden können. Die Straße von Hormus – das maritime Nadelöhr zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer – ist zum zentralen Machtfaktor des Konflikts geworden. Der Iran hat seinen verschärften Zugriff auf den Schifffahrtskorridor demonstriert. Zwar wurden die Waffenruhen zwischen Washington und Teheran sowie zwischen Israel und dem Libanon verlängert, doch der Ölpreis liegt bereits wieder deutlich über 100 Dollar pro Barrel – ein klares Signal, was die Märkte wirklich denken.
US-Präsident Donald Trump hat erklärt, er lasse sich nicht zu einem schnellen Abkommen drängen, da er eine „dauerhafte" Lösung anstrebe. Die Social-Media-Posts Trumps und des iranischen Obersten Führers Ajatollah Mojtaba Khamenei sowie jegliche Anzeichen von Geheimverhandlungen werden weiterhin für erhebliche Volatilität sorgen. Der anhaltende Konflikt vertieft zudem die Kluft zwischen den USA und der NATO: Trump kritisiert Bündnispartner für ihre fehlende Unterstützung seiner Angriffe auf den Iran, und Washington erwägt laut Beamten, „schwierige" Länder wie Spanien zu bestrafen.
Federal Reserve: Powells wohl letzte Sitzung als Vorsitzender
Im Mittelpunkt des Zentralbankgeschehens steht die US-Notenbank Federal Reserve, die am Mittwoch tagt. Eine Änderung der US-Zinsen wird nicht erwartet – die meisten Ökonomen halten Zinssenkungen vorerst für ausgeschlossen. Entscheidend werden daher die Signale der Fed für die kommenden Monate sein.
Ein besonderes Augenmerk gilt Fed-Chef Jerome Powell: Seine Amtszeit als Vorsitzender endet planmäßig im nächsten Monat, weshalb dies seine letzte Sitzung in dieser Funktion sein dürfte. Sogar seine weitergehende Amtszeit als Fed-Gouverneur bis 2028 steht unter Beschuss. Bemerkenswert: Das US-Justizministerium stellte am Freitag seine Ermittlungen gegen Powell wegen der Renovierungskosten des Fed-Hauptquartiers ein – womit ein Hindernis für Trumps Wunschnachfolger Kevin Warsh aus dem Weg geräumt ist. Zusätzlich werden am Donnerstag wichtige US-Konjunkturdaten veröffentlicht: das BIP für das erste Quartal sowie der PCE-Preisindex für März, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed.
Magnificent Seven: Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Apple im Fokus
Die Berichtssaison erreicht in der kommenden Woche ihren vorläufigen Höhepunkt. Allein am Mittwoch legen vier der sogenannten „Hyperscaler" ihre Quartalszahlen vor: Alphabet (Google), Microsoft, Amazon und Meta. Alle vier Konzerne investieren derzeit Milliarden in Rechenzentren und andere High-Tech-Infrastruktur. Der fast unerschütterliche Optimismus der Anleger hinsichtlich KI-getriebener Gewinne gilt als wichtige Stütze für die Aktienindizes nahe ihrer Rekordhochstände.
Apple berichtet am Donnerstag – kurz nach der Meldung, dass langjähriger Hardware-Chef John Ternus die Nachfolge von CEO Tim Cook antreten wird. Cook hatte das Amt vor 15 Jahren vom Apple-Mitbegründer Steve Jobs übernommen. Insgesamt legt mehr als ein Drittel der S&P-500-Unternehmen nächste Woche Zahlen vor, darunter der Pharmariese Eli Lilly, der Ölkonzern Exxon Mobil und der Kreditkartenkonzern Visa.
EZB und Bank of England: Abwarten trotz Inflationsdruck
Auch in Europa stehen Zinsentscheidungen an. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Bank of England (BoE) werden am Donnerstag ihre Leitzinsen voraussichtlich unverändert lassen – bei 2,0 bzw. 3,75 Prozent. Beide Notenbanken haben in den vergangenen zwei Wochen bewusst Wetten auf vorzeitige Zinserhöhungen gedämpft.
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Zur AktienanalyseDie Geldmärkte rechnen dennoch damit, dass beide Banken die Zinsen noch vor Jahresende zweimal anheben werden. EZB-Chefin Christine Lagarde dürfte unter Druck geraten zu erklären, wie wahrscheinlich eine Erhöhung vor dem Sommer ist. Beobachter erinnern dabei an den Fehler ihres Vorgängers Jean-Claude Trichet, der kurz vor dem Ausbruch der Eurozonen-Krise die Zinsen zu früh anhob. BoE-Gouverneur Andrew Bailey hat die Märkte bereits gewarnt, den Ereignissen nicht vorzugreifen – auch er vollführt angesichts der Nervosität an den britischen Gilt-Märkten eine Gratwanderung.
Bank of Japan: Yen unter Druck, Zinserhöhung vertagt
Den Auftakt der Zentralbankwoche macht die Bank of Japan (BoJ) mit ihrer Sitzung am Dienstag. Was zuvor wie ein Zeitfenster für eine Zinserhöhung wirkte, scheint sich in eine weitere Phase des Abwartens zu verwandeln. Insider berichteten Reuters, dass BoJ-Chef Kazuo Ueda und seine Kollegen mehr Zeit benötigen, um die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten zu bewerten. Beobachter erwarten jedoch, dass die Notenbank die Tür für eine Zinserhöhung im Juni offen hält.
Der japanische Yen verharrt derweil bei knapp 160 zum US-Dollar – ein Niveau, das Anleger seit Langem als potenziellen Auslöser für Devisenmarktinterventionen betrachten. Sogar der Chef der Asiatischen Entwicklungsbank warnte, der Yen könnte weiter unter Druck geraten, wenn die Märkte glauben, dass die BoJ angesichts der Inflationsrisiken zu langsam agiert. Auf eine Intervention warten die Marktteilnehmer bislang vergeblich.


