Zentralbanken, Ölpreise und Zölle: Was Anleger erwartet
Die kommende Woche bringt Fed, Bank of Japan und Bank of England zusammen – während Ölpreise über 100 Dollar klettern.

Die Finanzmärkte stehen vor einer außergewöhnlich ereignisreichen Woche. Zentralbanken in Tokio, Washington und London tagen gleichzeitig, während der Ölpreis durch die Eskalation im Nahen Osten erstmals seit Mai wieder die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten hat. Hinzu kommen neue US-Zölle und eine Flut von Quartalsberichten großer Unternehmen – eine Kombination, die Anleger weltweit in Atem hält.
Brent-Rohöl stieg am Donnerstag auf über 100 Dollar pro Barrel. Gleichzeitig erreichten die europäischen Gaspreise den höchsten Stand seit März. Auslöser ist die Eskalation im Nahen Osten: Angriffe der Huthi-Miliz bedrohen gleich zwei kritische Engpässe im globalen Energietransport – die Meerenge Bab el-Mandeb, die den Indischen Ozean mit dem Roten Meer verbindet, sowie die strategisch bedeutsame Straße von Hormus. Ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran scheint derzeit in weiter Ferne.
Neue US-Zölle erhöhen den Druck
Als wäre das nicht genug, haben die USA am Freitag neue Zölle von 10 % und 12,5 % auf Waren von 60 Handelspartnern erhoben – darunter die Europäische Union und China. Diese Maßnahme erhöht die Unsicherheit an den Märkten weiter und schürt Sorgen vor einer kriegs- und zollbedingten Inflationswelle, die das globale Wachstum belasten könnte.
Die US-Notenbank Federal Reserve tagt am Mittwoch – es ist die zweite Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Es wird allgemein erwartet, dass die Fed die Zinsen unverändert lässt. Warsh hat bislang keine konkreten Prognosen abgegeben, aber versprochen, die Inflation auf den Zielwert zu senken. Jüngste Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten fielen kühler aus als erwartet und dämpften Wetten auf Zinserhöhungen – doch der erneute Anstieg der Ölpreise lässt Händler ihre Positionen wieder überdenken.
Parallel dazu stehen die Quartalsberichte von Apple, Microsoft und Amazon an. Anleger setzen auf ein starkes Quartal für US-Unternehmensgewinne und beobachten die Investitionstrends im Bereich Künstliche Intelligenz genau. Die Aufmerksamkeit dürfte besonders hoch sein, nachdem die Aktien des Technologiekonzerns Alphabet in dieser Woche eingebrochen sind – Investoren hatten kritische Fragen zu Cashflow und steigenden Investitionsausgaben gestellt.
Bank of Japan: Yen auf Vier-Jahrzehnt-Tief
Die Bank of Japan (BOJ) trifft sich am Freitag. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Entscheidungsträger eine restriktive Botschaft senden, die den Yen stützen könnte. Der japanische Yen hat kürzlich erstmals seit 1986 die Marke von 163 pro US-Dollar überschritten – ein Vier-Jahrzehnt-Tief. Weder eine Zinserhöhung im letzten Monat noch Deviseninterventionen im Wert von 73 Milliarden US-Dollar konnten den Yen nachhaltig stützen.
Laut Reuters-Quellen sehen einige BOJ-Mitglieder Spielraum für Zinserhöhungen in einem schnelleren Tempo als die vorherrschende Marktmeinung von zweimal pro Jahr – falls der Preisdruck durch den schwachen Yen und steigende Energiekosten anhält. Vor der Entscheidung werden auch die Tokioter Inflationsdaten für Juli veröffentlicht, obwohl Marktteilnehmer nicht erwarten, dass diese das BOJ-Ergebnis direkt beeinflussen.
Bank of England unter neuem politischen Umfeld
Die Bank of England (BoE) tagt am Donnerstag. Es wird erwartet, dass sie die Zinsen erneut unverändert lässt – anders als etwa die EZB, die im Juni bereits erhöht hatte. Die Märkte rechnen mit mindestens einer Zinserhöhung in diesem Jahr, da die Inflation wieder anzieht. Anzeichen für eine Schwäche am Arbeitsmarkt könnten jedoch dazu führen, dass die BoE einen vorsichtigeren Ton anschlägt.
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Zur AktienanalyseDie Sitzung findet nur wenige Tage nach dem Einzug von Premierminister Andy Burnham in die Downing Street statt. BoE-Chef Andrew Bailey dürfte in der Pressekonferenz zu den geldpolitischen Implikationen von Burnhams Agenda befragt werden. Ökonomen schätzen, dass eine frühzeitige Entscheidung zur Senkung der Stromsteuer die Inflation um 0,1 Prozentpunkte bremsen würde. Auch der neue Finanzminister John Healey wird von den Anleihemärkten genau beobachtet.
Europäische Unternehmensberichte im Fokus
Laut Barclays ist die kommende Woche die geschäftigste dieser Berichtssaison in Europa: 40 % der Marktkapitalisierung des STOXX 600 legen ihre Ergebnisse vor. Auf der Agenda stehen unter anderem LVMH, AstraZeneca, Shell, Airbus und UBS.
Der Gewinn im zweiten Quartal in Europa wird voraussichtlich um 17,3 % steigen – die schnellste Wachstumsrate seit dem vierten Quartal 2022. Allerdings ist dieses Wachstum hauptsächlich auf den Energiesektor zurückzuführen. Ohne diesen erwartet LSEG I/B/E/S ein bescheideneres Plus von 7,2 %. Vorläufige Inflations- und Wachstumsdaten aus der Eurozone könnten zudem Hinweise darauf geben, ob die EZB die Zinsen in diesem Jahr erneut anheben wird.


