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Zehn Kennzahlen die jeder für die Ruhestandsplanung kennen sollte

Experten warnen: Die meisten Menschen planen ihren Urlaub sorgfältiger als ihren Ruhestand – dabei sind die finanziellen Risiken enorm.

Zehn Kennzahlen die jeder für die Ruhestandsplanung kennen sollte

„Die meisten Menschen verbringen mehr Zeit mit der Planung ihres Urlaubs als mit der Planung ihres Ruhestands", sagt Ben Kumar, Experte für Behavioral Finance beim Vermögensverwalter 7IM. Das Ziel klingt simpel: im Ruhestand über genügend Geld verfügen, um komfortabel leben zu können. Doch die Planung ist komplex – und die Unwägbarkeiten sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewachsen.

Früher gingen die meisten Briten mit einer privaten Altersvorsorge in den Ruhestand, die ein festes Einkommen garantierte – entweder durch ein leistungsorientiertes System (Defined Benefit) oder durch eine Leibrente. In der Privatwirtschaft dominieren heute beitragsorientierte Systeme (Defined Contribution), wodurch das Anlagerisiko vollständig auf den Einzelnen verlagert wird. Zudem sind Rentner heute nicht mehr verpflichtet, eine Leibrente zu kaufen – sie können investiert bleiben und sich Einkommen auszahlen lassen, bis sie sterben, sofern ihnen nicht vorher das Geld ausgeht.

Sir Steve Webb, Partner beim Beratungsunternehmen Lane Clark & Peacock und ehemaliger britischer Rentenminister, vergleicht das Rentensparen mit einer Expedition durch eine unbekannte Landschaft, in der die Route durch „dichten Nebel und Wanderdünen" verdeckt ist. Zahlen und Daten können dabei helfen, das Denken zu strukturieren. Die FT hat zehn zentrale Kennzahlen zusammengestellt, die bei der Ruhestandsplanung als Orientierung dienen sollen.

Lebenserwartung: Planen Sie für mehr als den Durchschnitt

Die durchschnittliche Lebenserwartung in England und Wales liegt für einen 65-Jährigen derzeit bei 85 Jahren. Frauen übertreffen diesen Wert um etwas mehr als ein Jahr, Männer unterschreiten ihn leicht. Entscheidend ist jedoch: Die Lebenserwartung steigt mit zunehmendem Alter weiter an. Eine 81-jährige Frau hat eine realistische Chance, 90 Jahre alt zu werden. Chris Curry, Direktor des Pensions Policy Institute, warnt: „Die Menschen unterschätzen systematisch, wie lange sie leben werden. Sie unterschätzen auch, wie viel private Altersvorsorge sie benötigen werden."

Die Empfehlung lautet daher, für einen Ruhestand zu planen, in dem man den Durchschnitt übertrifft – und dabei über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügt, um komfortabel zu leben.

Entnahmerate: Die 4-Prozent-Regel als Orientierung

Wer über einen beitragsorientierten Rentenfonds verfügt, steht vor der Frage: Wie schnell sollte das Kapital im Ruhestand entnommen werden? Daten der britischen Finanzaufsicht FCA zeigen, dass Menschen mit großen Fonds dazu neigen, diese am langsamsten aufzubrauchen. Aus den Daten lässt sich eine mediane jährliche Entnahmerate von 3,8 Prozent ableiten. Eine gängige Faustregel empfiehlt, im ersten Jahr der Entnahme 4 Prozent des Kapitals zu entnehmen und den Betrag jährlich um die Inflation zu erhöhen. Diese Rate gilt über einen längeren Zeitraum als tragfähig – wenn überhaupt, wäre sie eher zu niedrig angesetzt.

Zielersatzquote: Wie viel Einkommen braucht man im Ruhestand?

Die sogenannte Target Replacement Rate (TRR) beschreibt, wie viel Prozent des Arbeitseinkommens ein Rentner benötigt, um einen vergleichbaren Lebensstil aufrechtzuerhalten. Am oberen Ende der Einkommenskurve sollte die TRR unter 50 Prozent liegen. Das Leben ist im Ruhestand im Allgemeinen günstiger: Pendelkosten entfallen, Sozialversicherungsbeiträge werden nicht mehr fällig, und mit zunehmendem Alter sinken die Ausgaben tendenziell. Viele Briten erreichen bei Renteneintritt jedoch nicht einmal die für ihre Einkommensgruppe empfohlene TRR.

Staatliche Rente: 12.548 Pfund pro Jahr als Basis

Die staatliche Rente im Vereinigten Königreich beträgt derzeit 12.548 Britische Pfund pro Jahr – eine beachtliche Summe, die auch für wohlhabendere Rentner relevant ist. Innerhalb des obersten Einkommensquintils der Rentner liefert sie laut offiziellen Daten etwa 30 Prozent der verfügbaren Mittel für eine Einzelperson und 16 Prozent für ein Paar. Wichtig: Die staatliche Rente ist oberhalb des persönlichen Freibetrags steuerpflichtiges Einkommen. Zudem sollte man sich nicht auf den sogenannten „Triple Lock" verlassen, der die Rente jährlich um die Inflation, das Durchschnittseinkommen oder 2,5 Prozent anhebt – je nachdem, welcher Wert am höchsten ist. Experten halten diesen Mechanismus langfristig für fiskalisch nicht tragbar.

Gender Gap: Frauen haben deutlich weniger Rentenvermögen

Im Alter von 43 Jahren beträgt das mediane Rentenvermögen einer Frau laut Untersuchungen des Pensions Policy Institute 46.000 Britische Pfund – sofern sie überhaupt eines hat. Bei einem gleichaltrigen Mann sind es über 77.000 Britische Pfund. Diese Diskrepanz resultiert laut Heidi Karjalainen vom Institute for Fiscal Studies in erster Linie aus Karriereunterbrechungen, meist zur Betreuung kleiner Kinder. Nach einer Scheidung Anfang fünfzig verfügt die Frau im Median über rund 65.000 Pfund Rentenvermögen, der Mann über 150.000 Pfund.

Sarah Coles von der Investmentplattform AJ Bell empfiehlt Paaren, ihre Ruhestandsfinanzen gemeinsam zu planen und zu überprüfen. Karjalainen warnt eindringlich: „Es gibt herzzerreißende Geschichten von älteren Frauen, deren Ehemänner ihnen sagten, finanziell sei alles unter Kontrolle. Als der Mann starb, blieb der Witwe nur die staatliche Basisrente."

Auto-Enrolment: 8 Prozent reichen oft nicht aus

Der gesetzliche Mindestbeitrag in ein betriebliches beitragsorientiertes Rentensystem im Rahmen der britischen „Auto-Enrolment"-Regelung beträgt 8 Prozent des anrechenbaren Einkommens – aufgeteilt in 5 Prozent vom Arbeitnehmer und 3 Prozent vom Arbeitgeber. Für ein Drittel der Mitglieder solcher Systeme ist dies die einzige Altersvorsorge. Das reicht in vielen Fällen nicht aus.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das Problem: Ein 30-Jähriger mit einem Bruttojahresgehalt von 40.000 Pfund zahlt bei der 8-Prozent-Mindestrate jährlich 2.700 Pfund ein. Bei Renteneintritt mit 65 Jahren ergäbe das unter konservativen Annahmen eine private Rente von knapp unter 10.000 Pfund pro Jahr in heutiger Kaufkraft. Um zwei Drittel des Endgehalts als Rente zu erzielen, müssten die Gesamtbeiträge auf 5.700 Pfund pro Jahr steigen – das entspricht 17 Prozent des anrechenbaren Einkommens. Sir Steve Webb rät: „Nutzen Sie Gehaltserhöhungen optimal aus. Dies ist der am wenigsten schmerzhafte Zeitpunkt, um den Betrag, den Sie beiseitelegen, zu erhöhen."

Für die Ruhestandsplanung gilt grundsätzlich: Wer seinen Ruhestand plant, sollte zunächst seine Ziele in Worten definieren – nicht in starren Zahlen. Die Verankerung an unflexible Kennzahlen kann das Verhalten verzerren und zu Enttäuschungen führen. Der beste Ausgangspunkt ist laut Coles, sich den angenehmen Lebensstil vorzustellen, den man sich für den Ruhestand erhofft – und erst danach zu überlegen, wie man diesen finanzieren kann.

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