Zealand Pharma bricht 25% ein nach Sicherheitsdaten zu Survodutid
Hohe Abbruchrate in Spätphasenstudie schürt Zweifel am kommerziellen Potenzial des Abnehmmedikaments Survodutid.

Die Aktie des dänischen Pharmaunternehmens Zealand Pharma hat am Montag massiv an Wert verloren. Ein Kurseinbruch von bis zu 25% machte das Papier zum Schlusslicht im europaweiten Stoxx 600-Index. Auslöser waren neue klinische Daten zu dem experimentellen Abnehmmedikament Survodutid, die bei Anlegern erhebliche Bedenken hinsichtlich der Verträglichkeit des Präparats auslösten.
Konkret zeigten die Daten aus einer Spätphasenstudie, dass 19% der Patienten die Studie aufgrund von Magen-Darm-Beschwerden abbrachen – verglichen mit lediglich 2,9% in der Placebogruppe. Mehr als 40% der Patienten berichteten zudem über Erbrechen. Obwohl Survodutid seine Hauptziele in der Studie erreichte, werfen diese Nebenwirkungsraten ernsthafte Fragen über die Marktfähigkeit des Medikaments auf.
Analysten sehen kommerzielle Lebensfähigkeit in Gefahr
Die Analysten der Citi kommentierten die Ergebnisse unmissverständlich: „Eine Behandlungsabbruchrate von 19% aufgrund von unerwünschten Ereignissen ist kein Rundungsfehler, und die Inzidenz von Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung auf dem hier gemeldeten Niveau liegt deutlich über dem, was wir im Vergleich zu Tirzepatid und Semaglutid als kommerziell lebensfähig erachten." Damit stellen die Experten das Präparat direkt in den Vergleich mit den Marktführern Wegovy und Zepbound.
Survodutid wurde über 76 Wochen an Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht ohne Typ-2-Diabetes getestet. Im April veröffentlichte Topline-Daten hatten noch Hoffnung geweckt: Sie zeigten einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von bis zu 16,6% gegenüber 3,2% in der Placebogruppe. Das Medikament ist an das Privatunternehmen Boehringer Ingelheim lizenziert. Die vollständigen Studiendaten sollen in etwa drei Monaten veröffentlicht werden.
Der aktuelle Kurseinbruch summiert sich zu einem Rückgang von fast 50% seit Jahresbeginn. Bereits zuvor hatte Zealand Pharma einen seiner schlechtesten Börsentage erlebt, als eine Studie zu einem anderen experimentellen Anti-Adipositas-Medikament namens Petrelintid Anleger mit niedriger als erwarteten Gewichtsverlust-Statistiken enttäuschte.
Petrelintid: Verträglichkeit gut, Wirksamkeit fraglich
Auch zu Petrelintid, das Zealand gemeinsam mit Roche entwickelt, wurden am Freitag weitere Daten veröffentlicht. Barclays-Analysten kommentierten, diese lieferten „zusätzliche Details zum klinischen Profil, änderten jedoch wenig an unserer Einschätzung seit den Topline-Ergebnissen im März". Das Präparat erscheine zwar in Bezug auf die Verträglichkeit attraktiv, die Wirksamkeit scheine jedoch nicht so stark zu sein wie die von Eli Lillys Amylin-Präparat Eloralintid oder anderen bereits verfügbaren Inkretinbasierten Adipositas-Behandlungen.
Der Markt für Abnehmmedikamente wird derzeit klar von zwei Schwergewichten dominiert: Novo Nordisk mit Semaglutid unter den Markennamen Wegovy und Ozempic sowie Eli Lilly mit Tirzepatid als Zepbound und Mounjaro. Dennoch drängen zahlreiche Unternehmen in den lukrativen Markt, darunter neben Zealand Pharma auch Amgen und AstraZeneca. Der verschärfte Wettbewerb erhöht den Druck auf alle Marktteilnehmer, ihre Produkte klar zu differenzieren.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseZealand-CEO setzt auf Verträglichkeit statt Gewichtsverlust
Zealand Pharma selbst hat sich bereits seit Längerem gegen die sogenannte „Abnehm-Olympiade" positioniert – also den reinen Fokus auf den prozentualen Gewichtsverlust als wichtigstes Bewertungskriterium. CEO Adam Steensberg sagte CNBC im März, er sei „extrem sicher", dass es in der Branche eine Verschiebung „hin zur Verträglichkeit" geben werde – also dahin, wie gut Patienten die Nebenwirkungen der Medikamente verkraften können.
Ob diese Strategie aufgeht, bleibt angesichts der aktuellen Studiendaten fraglich. Investec-Analyst Jimmy Muchechetere wies am Montag gegenüber CNBC darauf hin, dass zwar weitere Akteure kurz vor dem Markteintritt stünden, der Markt aber weiterhin von Novo Nordisk und Eli Lilly dominiert werde. Für Zealand Pharma wird es entscheidend sein, mit den vollständigen Survodutid-Daten in drei Monaten das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.


