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Yen unter Druck: Spekulationen um staatliche Eingriffe

Stützungskäufe der Notenbank und Inflationsdaten aus den USA beeinflussen den Kurs

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Yen unter Druck: Spekulationen um staatliche Eingriffe

Der Druck auf den Yen hat sich in den vergangenen Wochen weiter verstärkt. Am Devisenmarkt halten sich zum Wochenschluss erneut Spekulationen um Währungskäufe der japanischen Notenbank. Der Yen ist seit Donnerstagnachmittag im Verhältnis zum US-Dollar in der Spitze um fast drei Prozent gestiegen. Am Freitagvormittag hält sich die japanische Landeswährung unter der Marke von 160 Yen pro Dollar.

Japanische Medien berichten unter Berufung auf Regierungsbeamte, dass ein staatlicher Eingriff erfolgt sei. Japans oberster Währungsdiplomat im Finanzministerium, Masato Kanda, hielt sich diesbezüglich bedeckt. „Währungsinterventionen sollten in einem Markt mit schwankenden Wechselkursen sicherlich selten sein, doch wir müssen auf übermäßige Volatilität oder ungeordnete Bewegungen angemessen reagieren“, sagte er. Ob Japan am Markt eingegriffen habe, führte er nicht explizit aus. Kanda erklärte lediglich, dass die Kursbewegung vermutlich durch Spekulanten ausgelöst worden sei und losgelöst von Fundamentaldaten. Details ließ er offen.

Regierungssprecher Yoshimasa Hayashi sagte zu Journalisten, die Behörden stünden bereit für alle möglichen Schritte bei den Wechselkursen. Die Bank of Japan (BoJ) wiederum forderte Händler am Freitag dazu auf, die Wechselkurse zu überprüfen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Abwertung des Yens hat sich in den vergangenen zwei Wochen noch einmal dynamisiert. Die Devise notierte im Verhältnis zum Dollar bei bis zu 162 Yen, was dem tiefsten Stand seit 38 Jahren entspricht. Am Donnerstag lag die Währung im Tagesverlauf bei bis zu 157,43 Yen. Auf diesem Niveau hatte sie zuletzt Mitte Juni notiert.

Am Donnerstag hatten neue Preisdaten aus den USA den Yen beflügelt. Die Inflationsrate ist stärker gesunken als erwartet, was eine baldige Zinssenkung der US-Notenbank Fed wahrscheinlicher macht. Das stärkt den Wert des Yens, da sich die Zinsdifferenz verringert, die in beiden Währungsräumen besteht. In Japan ist das Zinsniveau seit vielen Jahren extrem niedrig.

Dass die Preisdaten in den USA eine derartige Bewegung auslösen, erscheint jedoch unwahrscheinlich. Denn Investoren in den USA haben ihre Erwartungen bereits seit Dienstag angepasst, zeigt das Fed Watch Tool der Optionsbörse CME. Auf den Yen hatte das bis dato keinen positiven Einfluss.

„Im Moment sehen wir eine wechselseitige Aktivität auf dem Markt, aber keine klare Tendenz“, kommentierte Ruchir Sharma, Global Head of Derivatives bei der japanischen Bank Nomura, gegenüber Bloomberg. Er erkenne kurzfristig eine „spürbare Nervosität am Markt“, fügte er hinzu.

Dass der Yen sich in den vergangenen Stunden erneut der Marke von 160 Yen pro Dollar genähert hat, zeigt einmal mehr, wie kompliziert die Situation ist. Die japanischen Behörden hatten den Wert der Währung im April und Mai mit umgerechnet 62 Milliarden US-Dollar gestützt. Der Effekt ist nahezu verpufft, der Yen hat in der Folge weitere Tiefstände markiert.

Die Landeswährung lag Anfang des Jahres noch bei rund 140 Yen pro Dollar. Im Februar notierte sie erstmals über der Marke von 150 Yen, in der Folge setzte sich dieser Trend über diverse Schlüsselmarken hinweg fort.

Um die eigene Währung zu stützen, muss die Bank of Japan (BoJ) auf Anweisung des Finanzministeriums die Währungsreserven anzapfen und Dollar gegen Yen eintauschen. Solche Devisenkäufe durch die Notenbank sind selten – und besonders umstritten, weil das Vorgehen teuer und riskant ist.

Falls der gewünschte Stützungseffekt nicht eintritt, könnte dies Spekulationen an den Märkten und damit den Abwärtsdruck verstärken. Das wiederum erhöht den Druck auf die Behörden, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Die Verteidigung eines festgelegten Niveaus ist daher nur eine von verschiedenen Strategien zur Intervention. Denkbar ist auch, dass die BoJ künftig erst bei höheren Niveaus aktiv wird, erläutern die Experten der Commerzbank. Dieses Vorgehen wird in Fachkreisen als „leaning against the wind“ bezeichnet. „Weil jede Interventionsstrategie gefährlich ist, ist auch keine Interventionsdrohung voll und ganz abschreckend“, so die Analysten.

Ende Juli trifft sich die BoJ zu ihrer nächsten geldpolitischen Entscheidungssitzung. Dabei dürften Investoren genau darauf achten, wie sich Notenbankchef Kazuo Ueda zum Yen äußert. Parallel steht auch die nächste Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses an, der über die Zinsen in den USA entscheidet.

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