Yen nahe 40-Jahres-Tief: Tokios Interventionsbereitschaft auf dem Prüfstand
Der japanische Yen schwächelt weiter – Händler testen Tokios Geduld, während eine Intervention bislang ausbleibt.

Der japanische Yen hat am Dienstag erneut nachgegeben und notiert im frühen asiatischen Handel auf der schwächeren Seite von über 162 Yen je US-Dollar. Die Währung verharrt damit in der Nähe eines Mehrjahrzehntiefs, während Händler weiterhin auf eine Intervention der japanischen Behörden warten – die bislang jedoch ausgeblieben ist.
Gegenüber dem britischen Pfund hielt sich der Yen nahe seinem niedrigsten Stand seit 2007 bei 217,09 Yen je Pfund Sterling. Der Euro kostete zuletzt 185,47 Yen, nachdem er in der vorangegangenen Handelssitzung bereits um 0,5 Prozent zugelegt hatte. Die anhaltende Schwäche des Yen spiegelt das wachsende Vertrauen der Marktteilnehmer wider, die Währung weiter unter Druck zu setzen.
„Es gab Ende letzter Woche Spekulationen, dass Japan während des US-Feiertags, als die Handelsbedingungen weniger liquide waren, erneut intervenieren könnte, um den Yen zu stützen. Da jedoch keine Maßnahmen ergriffen wurden, gab der Yen einen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder ab", erklärte Lee Hardman, Senior Currency Analyst bei MUFG.
Interventionsspekulationen belasten den Markt
Der Yen hatte Ende der Vorwoche noch eine gewisse Unterstützung gefunden, da Händler vorsichtig auf eine mögliche Änderung der japanischen Interventionsstrategie reagierten. Ein plötzlicher Kursanstieg am Donnerstag wurde von Marktteilnehmern jedoch nicht als offizielles Eingreifen der Behörden gewertet. Das Risiko einer überraschenden Yen-Kaufaktion durch Tokio begrenzt dennoch die weiteren Verluste der Währung.
Für japanische Privatanleger und Unternehmen mit internationalen Geschäftsbeziehungen hat die anhaltende Yen-Schwäche erhebliche Auswirkungen: Importe werden teurer, während exportorientierte Unternehmen von der günstigen Wechselkurssituation profitieren. Die japanische Notenbank und das Finanzministerium stehen unter zunehmendem Druck, die Währung zu stabilisieren.
US-Dollar unter Druck nach schwachem Arbeitsmarktbericht
Am breiteren Devisenmarkt stand der US-Dollar auf unsicherem Boden. Enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten, die weit unter den Erwartungen lagen, zwangen Anleger dazu, ihre Erwartungen für US-Zinserhöhungen zurückzuschrauben. Gegenüber einem Währungskorb notierte der Dollar zuletzt bei 100,86.
Der Euro legte leicht auf 1,1442 US-Dollar zu und weitete damit seine Gewinne aus der Nacht aus. Das britische Pfund Sterling stieg auf ein Mehrwochenhoch von 1,34005 US-Dollar. Der australische Dollar stabilisierte sich bei 0,6955 US-Dollar, während der neuseeländische Dollar um 0,02 Prozent auf 0,5702 US-Dollar zulegte.
Die Märkte preisen derzeit bis Dezember Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve im Umfang von rund 29 Basispunkten ein – gegenüber etwa 38 Basispunkten noch vor einer Woche. Carol Kong, Währungsstrategin bei der Commonwealth Bank of Australia, kommentierte: „Ich denke, die aktuelle Markteinpreisung ist wahrscheinlich etwas zu niedrig. Wir glauben immer noch, dass der FOMC ab Dezember mit der Straffung beginnen muss."
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Zur AktienanalyseBlick auf das Fed-Protokoll
Der Fokus der Marktteilnehmer richtet sich nun auf das Protokoll der Juni-Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve (FOMC), das am Mittwoch veröffentlicht wird. Anleger erhoffen sich darin Hinweise auf den weiteren Zinsausblick der US-Notenbank.
Kong zeigte sich jedoch zurückhaltend bezüglich des Informationsgehalts des Dokuments: „Wir wissen, dass (der Vorsitzende Kevin) Warsh keine Forward Guidance mag, daher denke ich, dass das Protokoll morgen wahrscheinlich weniger aufschlussreich sein wird als frühere Protokolle." Die Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der Fed bleibt damit ein zentraler Treiber an den globalen Devisenmärkten.


