Yen bleibt schwach: Warum ein Iran-Friedensabkommen nicht hilft
Trotz Hoffnungen auf ein Ende des Nahost-Kriegs verharrt der Yen über der kritischen Marke von 160 pro Dollar.

Der japanische Yen steht weiterhin unter Druck – und ein mögliches Friedensabkommen zwischen Iran und den USA wird daran wenig ändern. Während Aktien und Anleihen am Montag kräftig zulegten, nachdem Berichte über einen geplanten Waffenstillstand die globalen Inflationserwartungen dämpften, bewegte sich der Yen kaum. Die japanische Währung hält sich weiterhin über der Marke von 160 pro Dollar – genau jener Schwelle, die erst im vergangenen Monat offizielle Interventionen ausgelöst hatte.
Japan ist als großer Energieimporteur besonders empfindlich gegenüber Ölpreisschwankungen. Ein Ende der Feindseligkeiten im Nahen Osten würde zwar die Energiepreise drücken, doch gleichzeitig verändert sich damit auch die geldpolitische Kalkulation der Bank of Japan (BOJ). Ein langwieriger Krieg hätte die Inflation zwei Jahre lang nahe 3% halten können – was schnellere Zinserhöhungen gerechtfertigt hätte. Ohne diesen Inflationsdruck schwindet nun die Erwartung einer besonders restriktiven BOJ-Haltung.
Entscheidende BOJ-Sitzung unter ungewöhnlichen Umständen
Die Märkte blicken gespannt auf die bevorstehende Zentralbanksitzung. Es wird erwartet, dass die BOJ ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 1% anhebt – ein 31-Jahres-Hoch. Doch das Risiko einer Enttäuschung für Anleger, die auf restriktivere Signale hoffen, ist real. Erschwerend kommt hinzu, dass Gouverneur Kazuo Ueda wegen der Behandlung einer infizierten Leberzyste ausgefallen ist und Vize-Gouverneur Shinichi Uchida die Pressekonferenz übernehmen wird.
Uchida selbst war erst im vergangenen Monat aus dem Krankenhaus entlassen worden. Diese Konstellation sorgt für zusätzliche Unsicherheit. „Marktteilnehmer haben versucht, die Unterschiede in Uedas Kommentaren bei jeder Pressekonferenz zu interpretieren, um seine Haltung einzuschätzen, aber dieses Mal können sie das nicht tun", sagte Kumiko Ishihara, Senior Analystin bei der Sony Financial Group.
Uchida gilt als erfahrener Zentralbanker, der in der Vergangenheit deutliche Hinweise auf kurzfristige politische Kurswechsel gegeben hat – darunter die Entscheidung im Jahr 2024, aus den massiven jahrzehntelangen Stimulierungsmaßnahmen auszusteigen. Während ihn einige Analysten als „Taube" bezeichnen, beschreiben ihn Kenner als pragmatischen Entscheidungsträger mit einem flexiblen Kommunikationsansatz.
Yen-Pessimismus auf höchstem Stand seit Juli 2024
Die Stimmung gegenüber dem Yen ist ausgesprochen negativ. Spekulative Netto-Short-Positionen kletterten laut Termindaten vom Freitag auf den höchsten Stand seit Juli 2024. „Der Yen ist vor dem Hintergrund, dass die BOJ immer noch hinter der Kurve liegt, weiterhin recht schwach", sagte Naka Matsuzawa, Chefstratege bei Nomura Securities. „Ich glaube nicht wirklich, dass die BOJ die Markterwartungen an eine restriktive Haltung erfüllen kann."
Masahito Sugawara, Senior-Stratege bei Daiwa Securities, ergänzt: „Angesichts des Rückgangs der Ölpreise könnte das Risiko einer beschleunigten Inflation abnehmen. Die Marktteilnehmer haben sich auf eine restriktive Haltung der BOJ eingestellt, aber die Kommentare von Vize-Gouverneur Uchida nach der Sitzung könnten nicht so hawkish ausfallen, wie sie erwartet hatten."
Der ehemalige Chefökonom der BOJ, Seisaku Kameda, erklärte am Montag, dass die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten den erwarteten Schritt der BOJ von zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr nicht verändern werden. Die Märkte preisen eine weitere Zinserhöhung im späteren Jahresverlauf ein.
Interventionsrisiko bleibt hoch
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Zur AktienanalyseAls die BOJ im April die Zinsen unverändert gelassen hatte, setzte der Yen seinen Rutsch über die Marke von 160 pro Dollar fort. Das japanische Finanzministerium reagierte damals mit einem Rekordeinsatz von 11,7 Billionen Yen (umgerechnet rund 73,12 Milliarden Dollar), um die Währung zu stützen.
Sollten die Hoffnungen auf eine restriktive BOJ weiter schwinden, könnte erneut nur eine staatliche Intervention einen weiteren Yen-Verfall verhindern. „Es besteht das Risiko, dass Druck auf den Yen entsteht und der Dollar-Yen-Kurs sich in Richtung 161 bewegen könnte", warnte Masafumi Yamamoto, Chef-Devisenstratege bei Mizuho Securities. „Die Sorgen über Interventionen werden wahrscheinlich zunehmen."
Zusätzlich wachsen die Erwartungen, dass der nächste Schritt der US-Notenbank Federal Reserve ebenfalls eine Zinserhöhung sein wird. „Wenn die Erwartungen für weitere Zinserhöhungen durch die Fed vor dem Hintergrund der US-Inflation anhalten, besteht eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass der Dollar stark bleibt", sagte Hirofumi Suzuki, Chef-Devisenstratege bei SMBC. Für den Yen bleibt das Umfeld damit vorerst belastend.


