Xiaomi, Oppo und Vivo kürzen Smartphone-Ziele um bis zu 30 Prozent
Speicherknappheit durch KI-Boom zwingt Chinas größte Smartphone-Hersteller zu drastischen Produktionskürzungen – mit globalen Folgen.

Die drei größten chinesischen Android-Smartphone-Hersteller – Xiaomi, Oppo und Vivo – haben ihre Auslieferungsziele für das Jahr 2026 um bis zu 30% gesenkt. Das berichtet Nikkei Asia. Der Grund: Der globale Speichermarkt wird zunehmend von der KI-Infrastruktur dominiert, die Smartphone-Hersteller ans Ende der Zuteilungswarteschlangen verdrängt.
Xiaomi, die weltweit drittgrößte Smartphone-Marke, hatte ursprünglich rund 135 Millionen Einheiten für 2026 geplant – bereits ein deutlicher Rückgang gegenüber den 170 Millionen im Jahr 2025 ausgelieferten Geräten. Laut Nikkei Asia wurde dieses Ziel nun um weitere 30% auf etwa 95 Millionen Einheiten gekürzt. Zulieferer wurden zudem gewarnt, dass die Zahl noch weiter sinken könnte, falls sich die Komponentenversorgung nicht verbessert.
Oppo und Vivo haben ihre Prognosen für 2026 ebenfalls auf jeweils unter 90 Millionen Einheiten gesenkt. Honor, das 2025 eine Rekordzahl von 71 Millionen Telefonen auslieferte, teilte Zulieferern mit, dieses Wachstum im laufenden Jahr möglicherweise nicht halten zu können.
Strukturelles Problem: KI verdrängt Smartphones aus dem Speichermarkt
Die Ursache der Krise ist eher struktureller als zyklischer Natur. Ein einziges Tray für Nvidia-KI-Prozessoren verbraucht laut dem Nikkei-Bericht so viele Low-Power-DRAM-Chips, wie sie normalerweise für Smartphone-Produktionskontingente vorgesehen wären. Cloud-Service-Anbieter haben sich durch langfristige Verträge große Teile der Speicherproduktion gesichert – und chinesische Smartphone-OEMs haben kurzfristig kaum Ausweichmöglichkeiten.
Während westliche Konzerne wie Apple, Microsoft und HP die gestiegenen Komponentenkosten über höhere Gerätepreise an die Verbraucher weitergeben, wählen chinesische Hersteller einen anderen Weg: Sie reduzieren das Volumen. Der Grund liegt in den preissensiblen Märkten, in denen Xiaomi, Oppo und Vivo hauptsächlich operieren – Preiserhöhungen würden dort die Nachfrage einbrechen lassen.
Die Marktanalysefirma Gartner prognostiziert laut CNBC, dass der Speicherengpass die weltweiten Smartphone-Auslieferungen im Jahr 2026 um 8,4% reduzieren und die durchschnittlichen Smartphone-Preise im Vergleich zu 2025 um 13% in die Höhe treiben wird. Gleichzeitig sollen die PC-Auslieferungen um 10,4% sinken und die PC-Preise um 17% steigen.
Gartner-Analyst warnt vor anhaltend hohen Preisen bis 2027
Ranjit Atwal, Senior Director Analyst bei Gartner, beschrieb die Lage gegenüber CNBC am 26. Juni in deutlichen Worten: „Was dieses Mal im Vergleich zu früheren Phasen steigender Speicherpreise geschieht, ist das Ausmaß, in dem die Preise für Speicher steigen. Zweitens ist es die Zeitspanne, für die wir mit anhaltend hohen Preisen rechnen. Es sieht so aus, als ob wir erst Ende 2027 wieder eine Art normales Preisniveau erreichen werden."
Die Divergenz zeigt sich auch an den Börsen. Xiaomi-Aktien fielen in Hongkong auf bis zu 21,34 HK-Dollar – nur wenige Cent über dem 52-Wochen-Tief von 21,30 HK-Dollar. Das Handelsvolumen lag bei rund 174 Millionen Aktien und damit deutlich über dem Dreimonatsdurchschnitt von 157 Millionen. Im Jahresvergleich hat das Papier rund 64% an Wert verloren.
Auf der Gewinnerseite steht hingegen Micron Technology. Das US-amerikanische Speicherunternehmen meldete für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Rekordumsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 25,11 US-Dollar – beide Kennzahlen lagen deutlich über den Analystenerwartungen. Die Micron-Aktie notierte am frühen Dienstag bei rund 1.137,87 US-Dollar, nachdem sie im vergangenen Jahr um mehr als 820% gestiegen war.
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Zur AktienanalyseSamsung profitiert, chinesische Hersteller leiden
Auch Samsung Electronics profitiert von der Knappheit: Die Aktie legte im Dienstagshandel in Seoul um 3,41% auf 334.000 KRW zu. Berichte über aggressive Investitionen des koreanischen Chipherstellers in den KI-Zyklus sowie die anhaltende Speicherknappheit, die seinen DRAM-Margen zugutekommt, stützten den Kurs.
Für Anleger bleibt der nächste wichtige Orientierungspunkt der Quartalsbericht von Micron für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026, der vorläufig für den 29. September geplant ist. Sollte Micron eine anhaltende Knappheit bis weit in das Jahr 2027 signalisieren, könnten chinesische Smartphone-Marken noch vor Jahresende mit weiteren Abwärtskorrekturen konfrontiert werden. Ob Xiaomi als Reaktion auf das revidierte Volumenziel eine formelle Aktualisierung seiner Umsatzprognose herausgibt, ist eine offene Frage, die Aktionäre bislang noch nicht beantwortet bekommen haben.

