Xi trifft Putin: Energiepakt und strategische Allianz gegen den Westen
Beim Gipfel in Peking vertiefen China und Russland ihre Zusammenarbeit in Energie, Handel und geopolitischer Strategie.
Chinas Präsident Xi Jinping hat in Peking sowohl US-Präsident Donald Trump als auch Russlands Präsident Wladimir Putin empfangen – und dabei eine deutliche Divergenz in Chinas geopolitischen Prioritäten offenbart. Während das Treffen mit Trump von der Taiwan-Frage dominiert wurde, stand der anschließende Gipfel mit Putin im Zeichen einer Vertiefung der strategischen Partnerschaft, der Energiesicherheit und der gemeinsamen Vision einer „multipolaren Welt".
Xi bezeichnete Taiwan gegenüber Trump als „wichtigstes Thema in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen" und warnte, eine US-Einmischung könnte zu „großer Gefahr" in den bilateralen Beziehungen führen und direkte „Zusammenstöße und sogar Konflikte" auslösen. Analysten werten diese Warnungen als kalkulierten Versuch, Washington zur Stornierung geplanter Waffenlieferungen an Taipeh zu bewegen. US-Präsident Trump bestätigte seinerseits, er habe keine direkte Antwort auf die Frage gegeben, ob die USA Taiwan im Falle eines chinesischen Angriffs militärisch verteidigen würden.
Xi und Putin: Freundschaft, Ideologie und Ukraine
Das Treffen mit Putin verlief in einem deutlich entspannteren, informellen Ton. Beide Staatschefs betonten ihren Status als „langjährige gute Freunde" und bekräftigten ihre ideologische Ausrichtung gegen westlichen Einfluss. China hält weiterhin an seiner Weigerung fest, Russlands Invasion in der Ukraine zu verurteilen – trotz der globalen Lieferkettenunterbrechungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten, die der Konflikt ausgelöst hat. In einer gemeinsamen Erklärung betonten beide Seiten die „Vertiefung des gegenseitigen politischen Vertrauens" sowie die strategische Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Handel und regionale Sicherheit, einschließlich der Lage im Nahen Osten.
Energiesicherheit stand dabei im Mittelpunkt der Gespräche. Der anhaltende US-Iran-Krieg, der Ende Februar begann, hat die globalen Energiemärkte erschüttert und die Straße von Hormuz – eine kritische Meeresenge – faktisch geschlossen. Über diese Route bezieht China nahezu die Hälfte seiner Ölimporte und rund ein Drittel seiner Flüssigerdgas-Lieferungen (LNG). Diese Unterbrechung hat das lange stockende Pipelineprojekt „Power of Siberia 2" wieder in den Fokus gerückt.
Power of Siberia 2: Strategisches Projekt mit ungeklärten Preisfragen
Die geplante 2.600 Kilometer lange Pipeline soll jährlich 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russlands Yamal-Feldern über die Mongolei nach China transportieren. Trotz der strategischen Notwendigkeit, Energierouten zu diversifizieren und maritime Verwundbarkeiten zu umgehen, sind die Verhandlungen weiterhin festgefahren. China drängt Berichten zufolge auf Preisparität mit russischen Inlandspreisen – rund 120 bis 130 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter –, während Moskau deutlich höhere Konditionen anstrebt, die näher am bestehenden Power-of-Siberia-1-Vertrag liegen.
Analysten weisen darauf hin, dass Chinas aktuelle Lagerbestände – geschätzte 1,23 Milliarden Barrel Rohöl, ausreichend für 92 Tage Raffineriebetrieb – Peking einen gewissen Puffer verschaffen und verhindern könnten, dass China Moskaus Preisforderungen nachgibt. Für Russland hingegen ist die Pipeline eine wirtschaftliche Lebensader: Seit der Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 sind die russischen Gasexporte nach Europa eingebrochen. Gazprom meldete im vergangenen Jahr einen Rückgang der Lieferungen um 44 Prozent – den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.
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Zur AktienanalyseExperten warnen jedoch vor erheblichen Risiken für beide Seiten. Michael Feller, Chefstratege bei Geopolitical Strategy, betonte, das Projekt könnte Moskau „gefährlich abhängig" von einem einzigen Abnehmer machen. Gleichzeitig würde Peking seine maritime Verwundbarkeit in der Straße von Hormuz gegen eine neue, langfristige Abhängigkeit von russisch kontrollierter Energieinfrastruktur eintauschen.
Fazit: Strategische Partnerschaft mit kommerziellen Hürden
Der Kontrast zwischen den beiden Gipfeln ist deutlich: Während China mit den USA in einem hochriskanten Konflikt um Souveränität und regionale Sicherheit steht, nutzt Peking gleichzeitig seine Partnerschaft mit Russland, um die wirtschaftlichen Folgen globaler Konflikte abzufedern. Ob das „vertiefte gegenseitige Vertrauen" die kommerziellen Hürden des Power-of-Siberia-2-Projekts überwinden kann, bleibt die entscheidende Frage für die Zukunft der Moskau-Peking-Energieachse.


