Xi Jinping reist nach Nordkorea zur Stärkung der Beziehungen
Chinas Staatschef besucht Pjöngjang erstmals in diesem Jahr – eine klare Botschaft an Russland und die Welt.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping wird Nordkorea besuchen, um die Beziehungen zwischen Peking und Pjöngjang zu vertiefen. Die Ankündigung erfolgte durch die Internationale Abteilung der regierenden Kommunistischen Partei Chinas am Freitag. Es handelt sich um Xis erste Auslandsreise in diesem Jahr.
Der Besuch findet auf Einladung von Machthaber Kim Jong Un statt, wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete. Peking verfolgt damit das Ziel, Nordkorea wieder stärker in seinen Einflussbereich zu ziehen – nachdem die COVID-19-Pandemie den bilateralen Austausch jahrelang zum Erliegen gebracht hatte.
Botschaft an Moskau
Der Besuch hat auch eine geopolitische Dimension. Kim Jong Un hatte zuletzt die Beziehungen zu Russland erheblich ausgebaut, indem er Truppen und Waffen zur Unterstützung der russischen Invasion in der Ukraine entsandte. „Die implizite Botschaft der chinesischen Seite lautet: Wir sind nach wie vor der Hauptakteur, wenn es um Nordkorea geht", sagte John Delury, Senior Fellow der Asia Society. „Einer der Adressaten ist Russland."
Die Ankündigung des Nordkorea-Besuchs folgt auf zwei bedeutende Gipfeltreffen Xis in Peking im vergangenen Monat – mit US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Xi positioniert sich damit als zentraler Akteur in einem komplexen geopolitischen Dreieck zwischen Washington, Moskau und Pjöngjang.
Der 72-jährige Xi reist vergleichsweise selten ins Ausland. Seine letzte internationale Reise führte ihn Ende Oktober nach Südkorea, wo er ebenfalls Trump traf. Seit seinem Aufstieg zum obersten Führer Chinas im Jahr 2012 hat Xi Nordkorea einmal und Südkorea zweimal besucht. Bereits 2008 war er als Vizepräsident in Pjöngjang und traf dort Kim Jong Il, den Vater des heutigen Machthabers.
Wiederannäherung nach Pandemie-Pause
Die Beziehungen zwischen China und Nordkorea hatten durch die Pandemie einen erheblichen Rückschlag erlitten. Der Personenverkehr auf der Schiene zwischen den Hauptstädten wurde erst im März nach einer sechsjährigen Unterbrechung wieder aufgenommen. Air China nahm später ebenfalls die Flugverbindungen wieder auf. Allerdings beschränken sich die Buchungen bislang auf Geschäftsreisende und Austauschstudierende – chinesische Touristen sind weiterhin ausgeschlossen.
Kim Jong Un war im vergangenen September Gast bei einer massiven Militärparade in Peking und reiste in seinem charakteristischen grünen Panzerzug in die chinesische Hauptstadt. Experten sehen in dem bevorstehenden Besuch Xis eine Chance zur Neuausrichtung der bilateralen Beziehungen.
Atomares Säbelrasseln im Vorfeld
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Zur AktienanalyseKurz vor dem angekündigten Gipfel sorgte Kim Jong Un mit einer provokanten Geste für Aufsehen. Er forderte diese Woche eine „exponentielle" Ausweitung des nordkoreanischen Atomwaffenarsenals, als er eine neue Fabrik zur Herstellung von Nuklearmaterial besuchte – so KCNA. Experten bringen Kims Werksbesuch direkt mit dem bevorstehenden Treffen mit Xi in Verbindung. Bereits vor seinem Besuch in Peking im September hatte Kim Pläne für eine neue Interkontinentalrakete vom Typ „Hwasong-20" inspiziert.
Analyst Delury betonte die symbolische Bedeutung des Besuchs: „Auf symbolischer Ebene ist es für Xi wichtig, die Entwicklungen in Pjöngjang im Auge zu behalten." Er fügte hinzu, dass ein Besuch Xis in beiden koreanischen Staaten innerhalb eines Jahres ein „großer Gewinn" für die Halbinsel wäre. „Es gibt eine Art Symmetrie, die die Chinesen in Bezug auf die beiden Koreas gerne aufrechterhalten", so Delury.
Auch US-Präsident Trump, der Kim in seiner ersten Amtszeit dreimal persönlich traf, hatte zuletzt erklärt, er sei offen für ein erneutes Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber. Die Halbinsel bleibt damit eines der geopolitisch brisantesten Felder der Weltpolitik.


