Xi Jinping positioniert China als globale KI-Führungsmacht gegen USA
Auf der WAIC in Shanghai fordert Chinas Präsident die US-Dominanz in der KI-Governance heraus und wirbt für Open-Source-Technologie.

Der chinesische Präsident Xi Jinping hat China auf der World Artificial Intelligence Conference (WAIC) in Shanghai als Vorreiter einer neuen globalen KI-Ordnung positioniert. In seiner Eröffnungsrede forderte er die Länder auf, die „seltene und historische Chance" von Open-Source-KI zu ergreifen. Gleichzeitig warnte er vor „neuen historischen Ungerechtigkeiten" durch einen ungleichen Zugang zur Technologie.
Xi verglich die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz mit der Erfindung der Dampfmaschine und der Elektrizität. Er entwarf eine Vision, in der China KI-Technologie und Fachwissen mit Ländern des Globalen Südens teilt. Dabei stellte er Chinas Open-Source-Modelle als globales öffentliches Gut dar – und positionierte Peking als klare Alternative zu Washington.
Die Äußerungen gelten als Xis bislang deutlichste Formulierung von Chinas Ambitionen in der globalen KI-Governance. In der Rede wurde Chinas KI-Koalition als Rivale zur US-geführten Initiative „Pax Silica" präsentiert, die globale KI- und kritische Mineral-Lieferketten sichern soll. Xi vermied es dabei, Washington namentlich zu nennen.
China gründet neue globale KI-Organisation
Ein zentrales Ergebnis der Konferenz ist die Gründung der World AI Cooperation Organisation (WAICO). Der neuen Organisation schlossen sich am Donnerstag 29 Mitgliedsländer an – Xi bezeichnete dies als „Meilenstein in der Geschichte der weltweiten KI-Entwicklung". Die Organisation soll den Forderungen der Länder des Globalen Südens nach stärkerer Beteiligung an der KI-Governance Rechnung tragen.
China kündigte zudem an, KI-Schulungen anzubieten und KI-Kooperationszentren mit den BRICS-Staaten, der ASEAN, lateinamerikanischen Ländern und der Afrikanischen Union aufzubauen. Damit richtet Peking seine KI-Diplomatie gezielt an wichtigen Blöcken des Globalen Südens aus, in denen China bereits erheblichen Einfluss besitzt. Die Strategie unterstreicht Chinas Anspruch auf technologische Führerschaft jenseits des westlichen Lagers.
George Chen, Chair in Digital Practice bei der Beratungsfirma The Asia Group, ordnete Xis Botschaft klar ein: „Xis Botschaft ist klar: China wird niemandem folgen, weder bei der KI-Technologie noch bei den Standards. Stattdessen wird China die Welt in beiden Aspekten anführen." Chen ergänzte: „Xis Botschaft ist eine Erklärung, kann aber auch als Warnung verstanden werden – China wird sich von niemandem vorschreiben lassen, was es mit KI zu tun hat."
Technologischer Wettbewerb: Open-Source gegen proprietäre Systeme
Die Konferenz findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem chinesische Open-Weight-KI-Modelle rasche Fortschritte gegenüber proprietären Systemen von US-Unternehmen wie OpenAI und Anthropic machen. Das in Peking ansässige Startup Moonshot AI stellte am Freitag sein Modell Kimi K3 vor, das als das weltweit größte offene KI-Modell nach Parameteranzahl bezeichnet wird. Dies geschah einen Monat nachdem die US-Regierung die Frontier-Class-KI-Modelle von Anthropic aufgrund von Sicherheitsbedenken abrupt zurückgezogen hatte.
Xi sprach sich auf der Konferenz auch deutlich für KI-Sicherheit aus. Er forderte, dass KI-Systeme unter menschlicher Kontrolle bleiben müssten, und drängte die Länder zur Einrichtung von Frühwarn- und Notfallreaktionsmechanismen. Zudem warnte er vor den Gefahren durch autonome KI-Systeme, die sich menschlicher Aufsicht und Kontrolle entziehen könnten – seine bisher klarsten Äußerungen zu diesem Thema.
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Zur AktienanalyseGeopolitischer Kontext: Erste KI-Gespräche zwischen USA und China
Das Treffen, das vom 17. bis 20. Juli stattfindet, erhält besondere geopolitische Bedeutung: Washington und Peking bereiten sich auf ihre ersten Gespräche auf Regierungsebene über KI unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump vor. Die WAIC wird damit von einer Branchenschau zu einem frühen Test dafür, wie China um Einfluss auf die globalen Regeln für KI konkurrieren will.
Bereits in der vergangenen Woche legten beide Mächte bei einem UN-KI-Dialog konkurrierende Visionen dar. Während US-Vertreter argumentierten, dass übermäßige Regulierung Innovationen behindern könnte, bewarb China seine kostengünstigen Open-Source-Modelle als Instrument zur Verringerung globaler Disparitäten beim Zugang zu KI. Zu den hochrangigen Teilnehmern der WAIC zählen neben Chinas führenden Technologieunternehmen auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew und der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul.


