Wolfram: Warum der Rohstoff zum strategischen Engpassfaktor wird
Der Wolframpreis hat sich seit Juni 2025 versiebenfacht. Iran-Krieg, China-Exportkontrollen und Industrienachfrage treiben den Markt.

Der Preis für Wolfram kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben. Was viele noch als Metall aus alten Glühbirnen kennen, ist längst zum unverzichtbaren Werkstoff für Schlüsselbranchen geworden – von der Rüstungsindustrie über den Maschinenbau bis hin zur Hightech-Elektronik. Für Deutschland und die EU hat der aktuelle Preisschub damit eine unmittelbare wirtschaftliche und sicherheitspolitische Dimension.
Ende März erreichte der Preis für Ammoniumparawolframat – das zentrale Zwischenprodukt bei der Wolframherstellung – am Rotterdamer Markt ein Rekordhoch von 3.150 Dollar je metrischer Tonnen-Einheit. Das entspricht einem Anstieg von rund 50 Prozent seit Beginn des Iran-Kriegs – eine Größenordnung, die mit der Ölpreisrally im gleichen Zeitraum vergleichbar ist. Seit Ende Dezember hat sich der Preis mehr als verdreifacht, seit Juni 2025 sogar mehr als versiebenfacht.
Warum Wolfram in Kriegszeiten besonders gefragt ist
Der Grund für die militärische Nachfrage liegt in den außergewöhnlichen physikalischen Eigenschaften des Metalls. Wolfram besitzt von allen Metallen den höchsten Schmelzpunkt – 3.422 Grad Celsius – und ist extrem hart. Diese Eigenschaften machen es zum bevorzugten Material für panzerbrechende Munition und Raketenkomponenten, wie sie im Iran-Krieg eingesetzt werden. Der entscheidende Unterschied zur industriellen Nutzung: In Raketen ist Wolfram nicht recycelbar. Mit jeder Explosion geht das Metall unwiederbringlich verloren.
Der Iran-Krieg ist jedoch nur ein Beschleuniger – nicht die eigentliche Ursache der Knappheit. Der Markt war bereits vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten angespannt. Eine zentrale Rolle spielt dabei China: Die Volksrepublik dominiert die globale Wolframproduktion mit einem Anteil von rund 79 Prozent. Laut Daten der US-Geologiebehörde USGS förderte China im vergangenen Jahr 67.000 Tonnen des Metalls.
Chinas Exportkontrollen verschärfen die Lage
Im Februar 2025 führte Peking neue Exportkontrollen für Wolfram ein – ein Schritt, der im Kontext der eskalierten Spannungen mit den USA zu sehen ist. Seither sind die chinesischen Exportmengen um rund 40 Prozent gefallen. Exporteure benötigen nun staatliche Genehmigungen, bevor Wolfram das Land verlassen darf. Zusätzlich belasten strukturelle Probleme den Markt: sinkende Erzqualität und strengere Förderquoten haben die chinesische Minenproduktion weiter gedrückt.
Auf der Nachfrageseite steht nicht nur der Rüstungssektor. Wolfram ist auch in der Industrie hochbegehrt – seine Härte und Hitzebeständigkeit machen es zum Schlüsselmaterial für Hartmetallkomponenten wie Bohrer, Fräser, Schneidplatten und Präzisionswerkzeuge. Für Deutschland ist das besonders relevant: Genau diese Anwendungen sind das Fundament des deutschen Maschinenbaus, der Metallverarbeitung und der Fahrzeugfertigung.
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Zur AktienanalyseKritischer Rohstoff mit strategischer Bedeutung für die EU
Die Europäische Union hat die Brisanz längst erkannt. Im Rahmen des Critical Raw Materials Act stuft Brüssel Wolfram ausdrücklich als kritischen und strategischen Rohstoff ein – mit besonderer Relevanz für Luft- und Raumfahrt sowie die Verteidigung. Die aktuelle Marktlage zeigt jedoch, wie weit Europa von einer gesicherten Versorgung entfernt ist.
Das Beispiel Wolfram verdeutlicht eine strukturelle Schwäche Deutschlands und Europas: die tiefe Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern bei kritischen Rohstoffen. Der Iran-Krieg hat dieses Problem nicht geschaffen – er macht es nur sichtbarer. Für Anleger, die Rohstoffmärkte im Blick haben, bleibt Wolfram damit ein Markt mit erheblichem Aufmerksamkeitspotenzial.


