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Wohnungslosigkeit in Deutschland erreicht Höchststand

Über 600.000 Menschen in Deutschland sind von Wohnungslosigkeit betroffen, so eine neue Analyse

Wohnungslosigkeit in Deutschland erreicht Höchststand

In Deutschland spitzt sich die Situation der Wohnungslosigkeit zu. Aktuellen Berichten der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) zufolge hat sich die Anzahl der Menschen ohne festen Wohnsitz im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr drastisch erhöht. Rund 600.000 Personen waren betroffen – eine Zahl, die der gesamten Bevölkerung einer Großstadt wie Dortmund entspricht. Besonders besorgniserregend ist der überproportionale Anstieg unter den wohnungslosen Menschen ohne deutschen Pass.

Die detaillierte Betrachtung der Daten zeigt ein düsteres Bild: Von den 600.000 betroffenen Personen lebten etwa 50.000 ganz ohne Unterkunft auf der Straße, während die übrigen temporär bei Verwandten oder in Notunterkünften unterkamen. Die Analyse des Sozialverbands verweist auf einen 58-prozentigen Anstieg im Jahresvergleich und eine noch höhere Zunahme zum Stichtag des 30. Juni 2022.

Als primäre Auslöser für die Wohnungslosigkeit unter deutschen Staatsbürgern wurden in den meisten Fällen Wohnungskündigungen identifiziert, gefolgt von Miet- und Energieschulden sowie familiären Konflikten wie Trennungen oder Scheidungen. Anders stellt sich die Situation bei Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit dar: Die Mehrheit von ihnen hatte nie eine eigene Wohnung in Deutschland, wobei Flucht als Hauptursache für ihre Wohnungslosigkeit genannt wird.

Die BAG W macht darauf aufmerksam, dass die Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und Mietpreiserhöhungen insbesondere für einkommensschwache Haushalte zur großen Belastung werden. Die gefährdetsten Gruppen sind demnach Ein-Personen-Haushalte mit niedrigem Einkommen, Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern.

Die Kritik der BAG W richtet sich auch gegen die Wohnbaupolitik der Bundesregierung. Das Ziel, jährlich 100.000 neue Sozialwohnungen zu schaffen, wird als unzureichend betrachtet. Gefordert werden zusätzlich 100.000 bezahlbare Wohnungen pro Jahr, um der wachsenden Kluft zwischen Bedarf und Verfügbarkeit entgegenzuwirken. Die in den letzten Jahren entstandenen 25.000 neuen Sozialwohnungen konnten nicht einmal den Rückgang des Bestands durch auslaufende Sozialbindungen ausgleichen.

Die Diskrepanz zwischen den Daten der BAG W und denen des Statistischen Bundesamtes führt der Sozialverband auf unterschiedliche Erfassungsmethoden zurück. Während die offiziellen Statistiken lediglich untergebrachte Personen zählen, berücksichtigt die BAG W alle Formen der Wohnungslosigkeit, einschließlich derer, die bei Freunden und Bekannten Unterschlupf finden oder obdachlos sind.

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