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Wohnungsbau in Deutschland auf historischem Tiefstand

Hohe Kosten, Bürokratie und sinkende Genehmigungen bremsen den Neubau aus

Wohnungsbau in Deutschland auf historischem Tiefstand

Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist im Jahr 2024 auf den niedrigsten Stand seit 2010 gesunken. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, gaben die Behörden insgesamt 215.900 Genehmigungen für Wohnungen frei. Dies entspricht einem Rückgang um 43.700 oder 16,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit verzeichnete der Bausektor das dritte Jahr in Folge ein Minus. Besonders im ersten Halbjahr 2024 war der Rückgang deutlich, während sich die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte etwas verlangsamte.

Die Baugenehmigungen für Neubauwohnungen beliefen sich im Jahr 2024 auf 172.100, was einem Minus von 19,4 Prozent im Vergleich zu 2023 entspricht. Besonders stark betroffen waren Einfamilienhäuser, für die 37.900 Baugenehmigungen erteilt wurden. Dies entspricht einem Rückgang von 20,3 Prozent. Bei Zweifamilienhäusern sank die Zahl der Genehmigungen um 11,3 Prozent auf 12.700. Etwa zwei Drittel der genehmigten Neubauwohnungen entfallen auf Mehrfamilienhäuser. Hier wurden 114.200 Wohnungen genehmigt, was einem Rückgang von 19,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch die Genehmigungen für Wohnungen in bestehenden Gebäuden waren rückläufig.

Die Entwicklung der Baugenehmigungszahlen steht laut Einschätzungen von Experten im Widerspruch zur anhaltenden Wohnungsnot, insbesondere in Großstädten. Trotz der angespannten Lage im Wohnungsmarkt sei das Thema im politischen Diskurs nur wenig präsent gewesen. Der Chefökonom der HCOB Bank, Cyrus de la Rubia, betonte, dass alleinige Hoffnungen auf Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank zu kurz greifen würden. Neben hohen Materialkosten und anspruchsvollen Baustandards stelle die Bürokratie mit 16 unterschiedlichen Bauverordnungen in den Bundesländern eine wesentliche Hürde für Bauaktivitäten dar.

Für die Zukunft zeichnet sich keine rasche Erholung des Wohnungsbaumarktes ab. Laut Einschätzung der sogenannten Immobilienweisen ist für das Jahr 2025 nur mit rund 210.000 Baugenehmigungen zu rechnen, was einem weiteren Rückgang um etwa 45 Prozent gegenüber 2023 entspräche. Zudem sei mit dem Bau von lediglich 230.000 neuen Wohneinheiten zu rechnen. Diese Zahl bleibt deutlich hinter dem ursprünglich von der Bundesregierung angestrebten Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr zurück.

Experten gehen davon aus, dass die bestehende Diskrepanz zwischen Wohnungsbedarf und Bauaktivitäten auch in den kommenden Jahren fortbestehen wird. Vertreter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) äußerten sich ebenfalls pessimistisch zur künftigen Entwicklung im Wohnungsbau. Der Wohnungsmarkt stehe vor erheblichen Herausforderungen, die voraussichtlich noch länger anhalten werden.

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