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Wohnungsbau: Erste Lichtblicke nach Jahren der Krise

Nach Jahren rückläufiger Zahlen zeigen sich erste positive Signale am deutschen Wohnungsmarkt. Steigende Baugenehmigungen und neue politische Maßnahmen könnten die Trendwende einleiten.

Wohnungsbau: Erste Lichtblicke nach Jahren der Krise

Die deutsche Baubranche kämpft seit Jahren mit massiven Rückgängen. Während die frühere Ampel-Regierung 400.000 neue Wohnungen jährlich anstrebte, sank die Fertigstellungsrate kontinuierlich. 2024 wurden nur noch rund 250.000 Einheiten fertiggestellt, für 2025 prognostizieren Experten einen weiteren Rückgang auf 210.000 bis 230.000 Wohnungen.

Baugenehmigungen steigen wieder

Trotz der ernüchternden Zahlen mehren sich die Hoffnungszeichen. Seit Mitte 2025 steigt die Zahl der Baugenehmigungen wieder an. Zudem meldet die Baubranche höhere Auftragseingänge im Hochbau, zu dem auch der Wohnungsbau zählt. Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut München spricht von einem "Silberstreif am Horizont" und sieht die Talsohle durchschritten.

Allerdings bestehen weiterhin strukturelle Herausforderungen. Gestiegene Zinsen und staatliche Auflagen haben Investitionen in den Wohnungsbau deutlich unattraktiver gemacht. Diese Faktoren müssen nach Ansicht von Branchenexperten dringend adressiert werden.

23,5 Milliarden Euro für sozialen Wohnungsbau

Die Politik reagiert mit konkreten Maßnahmen. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) kündigte an, dass zwischen 2025 und 2029 insgesamt 23,5 Milliarden Euro vom Bund für den sozialen Wohnungsbau und Projekte im Bereich Junges Wohnen bereitgestellt werden. Die Schwarz-Rot-Regierung knüpft damit an die Aufstockungen der Vorgängerregierung an.

Axel Gedaschko vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) begrüßt die erhöhten Mittel ausdrücklich. Er betont jedoch, dass auch Bund und Länder ihren Beitrag leisten müssen.

Bau-Turbo soll Genehmigungen beschleunigen

Ein zentrales Element der Reformbemühungen ist der bereits beschlossene "Bau-Turbo", der Baugenehmigungsverfahren deutlich vereinfachen soll. Die Umsetzung liegt allerdings in der Verantwortung der Kommunen. GdW-Präsident Gedaschko formuliert es deutlich: "Die Kommunen haben den Zündschlüssel in der Hand." Städte und Gemeinden müssen das Gesetz vor Ort anwenden und neue Flächen für den Wohnungsbau ausweisen.

Gebäudetyp E als Kostenbremse

Ein vielversprechendes Projekt ist der sogenannte Gebäudetyp E - wobei das "E" für einfach und experimentell steht. Diese Initiative soll Bauherren erlauben, von klassischen Standards abzuweichen und damit Kosten zu senken. Bauministerin Hubertz hat zusammen mit Justizministerin Stefanie Hubig erste Eckpunkte vorgelegt, die insbesondere das Vertragsrecht anpassen sollen.

Iris Schöberl vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) sieht darin großes Potenzial. Viele gesetzliche Vorgaben und DIN-Normen seien in den vergangenen Jahren zu reinen "Komfortstandards" geworden. "Die Dicke der Decken oder die Anzahl der Steckdosen - das klingt banal, kostet aber enorm", erklärt Schöberl. Auch bei Tiefgaragen oder Unterkellerungen sei mehr Flexibilität nötig.

KfW lockert Förderkriterien

ifo-Experte Wohlrabe sieht weitere Handlungsmöglichkeiten für die Politik, insbesondere bei den KfW-Förderprogrammen. Diese müssten überprüft und gegebenenfalls neu aufgelegt werden. Der Bund hat bereits reagiert und die Vorgaben für zinsverbilligte KfW-Kredite gelockert.

Seit Mitte Dezember werden nun auch Gebäude gefördert, die den Effizienzhaus-Standard EH55 erfüllen, statt wie zuvor den strengeren EH40-Maßstab. Zuvor waren Programme mit besonders hohen energetischen Anforderungen wegen der damit verbundenen Kosten kaum genutzt worden.

Geduld bleibt gefragt

Trotz aller positiven Signale mahnen Experten zur Geduld. Zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung vergeht erhebliche Zeit. Selbst 2026 dürfte die Zahl der tatsächlich fertiggestellten Wohnungen noch kaum steigen. Die Kombination aus Bau-Turbo, Gebäudetyp E und verbesserten Förderbedingungen könnte der erhofften Trendwende aber mittelfristig den nötigen Schub verleihen.

Für Investoren im Immobiliensektor könnten sich damit neue Chancen eröffnen, während die anhaltende Wohnungsknappheit weiterhin für stabile Mietpreise sorgen dürfte.

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