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WiseTech-Mitgründer Richard White tritt als Executive Chair zurück

Inmitten von Ermittlungen und Medienberichten über sein Privatleben legt White sein Amt nieder – die Aktie reagiert mit einem kräftigen Kurssprung.

WiseTech-Mitgründer Richard White tritt als Executive Chair zurück

Das australische Logistiksoftware-Unternehmen WiseTech Global hat am Dienstag einen bedeutenden Führungswechsel bekanntgegeben. Mitgründer Richard White tritt mit sofortiger Wirkung als Exekutivvorsitzender zurück. Als seine Nachfolgerin wurde Raelene Murphy zur unabhängigen Vorsitzenden ernannt.

Murphy war erst Anfang des Jahres in den Vorstand von WiseTech eingetreten. Im Mai wurde sie zunächst zur leitenden unabhängigen Direktorin ernannt, bevor sie nun die Führungsrolle übernahm. Ihre Ernennung gilt als Teil einer strukturellen Neuaufstellung des Vorstands.

Aktie springt nach Bekanntgabe deutlich an

Die Finanzmärkte reagierten positiv auf die Nachricht. Die WiseTech-Aktie stieg nach der Ankündigung um bis zu 10,6 Prozent auf 39,12 australische Dollar und erreichte damit ihren höchsten Stand seit dem 15. Juni. Das Papier war damit der stärkste Wert im australischen Leitindex S&P/ASX 200.

Trotz des Kursanstiegs steht das Unternehmen unter erheblichem Druck. Seit Ende 2024 erstmals Vorwürfe über Whites Privatleben öffentlich wurden, hat die Aktie insgesamt fast 70 Prozent ihres Wertes verloren. Der Rücktritt markiert damit einen Wendepunkt in einer monatelangen Krise.

Ermittlungen und Medienberichte belasten das Unternehmen

Ende Juni hatten Medien berichtet, dass die australische Bundespolizei gegen White ermittle. Ihm wird vorgeworfen, den Einwanderungsstatus einer Frau für sexuelle Zwecke ausgenutzt und falsche Angaben in einem Visumantrag gemacht zu haben. WiseTech erklärte im Juni, dass sich die angebliche Untersuchung auf White in seiner privaten Eigenschaft beziehe und dem Unternehmen keine Untersuchung bekannt sei, wie sie in den Medienberichten dargestellt wurde.

White selbst äußerte sich in einer Stellungnahme zu seinem Rücktritt. „Die jüngste mediale Aufmerksamkeit für meine Person lenkt unnötig von der Stärke des Geschäfts von WiseTech ab", sagte er und wies die Berichte „entschieden und unmissverständlich" zurück. Zudem zeigte er sich besorgt über mögliche Auswirkungen auf den Aktienkurs: „Darüber hinaus bin ich mir bewusst, dass persönliche Angriffe auf mich in den Medien, die nicht mit der Leistung des Unternehmens zusammenhängen, dennoch das Potenzial haben, Leerverkaufsaktivitäten zu begünstigen."

Neue Vorsitzende stellt sich hinter White

Die neue Vorsitzende Murphy äußerte sich ebenfalls zu ihrem Vorgänger. „Meine persönlichen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Richard stehen in völligem Widerspruch zu den Medienberichten", sagte sie. WiseTech betonte in einer offiziellen Erklärung, dass der Vorstand und seine Berater alle weiteren Entwicklungen in den berichteten Angelegenheiten weiterhin beobachten und prüfen werden.

Analysten von RBC Capital Markets bewerten den Schritt zwar als positives Signal, mahnen jedoch zur Geduld. „Obwohl strukturelle Verbesserungen in der Zusammensetzung des Vorstands positiv sind, wird der Markt wahrscheinlich Beweise dafür sehen wollen, dass der neu aufgestellte Vorstand, der CEO und der Chief Innovation Officer unabhängig agieren, bevor er eine nennenswerte Neubewertung vornimmt", so die Analysten. Für Anleger bleibt die Situation damit vorerst mit Unsicherheiten behaftet.

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