Wirtschaft zieht in die Rüstungsindustrie
Immer mehr Autozulieferer suchen neues Geschäft in Verteidigung und Waffenproduktion

Die deutsche Rüstungsindustrie verzeichnet einen bemerkenswerten Zuwachs an interessierten Unternehmen. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist ein regelrechter Boom in der Branche zu beobachten, der sich nun auch in den Mitgliederzahlen des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) widerspiegelt. Aktuell zählt der Verband 340 Mitgliedsunternehmen – ein Plus von 100 gegenüber dem Stand vom Jahresende 2024. Zum Amtsantritt von Hauptgeschäftsführer Hans Christoph Atzpodien im Jahr 2017 waren es lediglich 70.
Viele der neuen Mitglieder suchen gezielt Beratung, wie sie in das komplexe Feld der Rüstungsproduktion einsteigen können. Sie erhoffen sich Informationen zu Regularien und Prozessen sowie die Möglichkeit, Kontakte zu potenziellen Abnehmern zu knüpfen. Konkrete Unternehmensnamen nannte der BDSV-Chef nicht, machte jedoch deutlich, dass zahlreiche Neuzugänge aus der Automobilbranche stammen. Dort seien viele Firmen als Zulieferer oder Dienstleister tätig gewesen, sehen sich aber aufgrund der strukturellen Krise in der Autobranche zum Umdenken gezwungen.
Ingenieurbüros, die bislang für große Automobilhersteller arbeiteten, zählen zu denjenigen, die nun ihre Kompetenzen für die Rüstungsproduktion anbieten. Der Trend wird auch durch die politisch forcierten Militärausgaben gestützt, zu denen sich die NATO-Staaten bekannt haben. Jahrzehntelang sei die öffentliche Hand bei Rüstungsausgaben zurückhaltend gewesen, nun habe sich das Bild grundlegend gewandelt. Die neue Dynamik spüre man in der gesamten Wirtschaft, sagte Atzpodien. Grund dafür sei auch die veränderte Bedrohungslage in Europa.
Der Einstieg in die Rüstungsindustrie ist allerdings mit Hürden verbunden. So benötigen Mitarbeitende, die an sensiblen Projekten beteiligt sind, eine sogenannte Geheimschutzermächtigung. Diese muss beantragt werden, und der Bewerber wird von staatlicher Seite umfassend überprüft. Atzpodien rät Firmen daher, diesen Prozess frühzeitig einzuplanen und geeignete Mitarbeiter entsprechend zu schulen sowie sich auf den Einkaufsportalen potenzieller Kunden zu qualifizieren.
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Zur AktienanalyseAuch große Konzerne wie Rheinmetall berichten von einer wachsenden Zahl an Zulieferern, insbesondere aus dem Automobilsektor. Der Vorstandsvorsitzende von Rheinmetall, Armin Papperger, der zugleich Präsident des BDSV ist, verweist auf die gestiegene Nachfrage nach Komponenten und Dienstleistungen für die Waffen- und Fahrzeugproduktion. Die Branche bleibt damit für viele Unternehmen eine neue, aber anspruchsvolle Perspektive.


