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Wie künstliche Intelligenz die Immobilienpreise beeinflusst

KI-Tools wie ChatGPT mischen den Immobilienmarkt auf – mit teils überraschenden Folgen für Käufer, Verkäufer und Makler.

Wie künstliche Intelligenz die Immobilienpreise beeinflusst

Ein Haus ist nur so viel wert, wie jemand bereit ist, dafür zu zahlen. Diese schlichte Wahrheit steht im Mittelpunkt einer wachsenden Debatte, die den Immobiliensektor derzeit beschäftigt: Wie verändert künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie Immobilien bewertet und gehandelt werden?

Der prominente US-Immobilien-CEO Ryan Serhant machte das Thema im März mit einem viralen Instagram-Video öffentlich. Unter dem Titel „ChatGPT hat gerade meinen 50-Millionen-Dollar-Deal gesprengt" schilderte er einen Fall, der die Grenzen von KI im Immobiliengeschäft eindrücklich illustriert. Das Video verzeichnet inzwischen mehr als drei Millionen Aufrufe.

Was wirklich passierte

Serhant hatte einen Immobiliendeal vermittelt – doch kurz vor dem Abschluss griff der Verkäufer zu ChatGPT. Er fragte das KI-Tool von OpenAI, ob er die Immobilie zu dem vereinbarten Preis verkaufen solle. Die Antwort der KI: Nein, die Immobilie sei mehr wert. Daraufhin tat der Käufer dasselbe und fragte, ob er zu viel bezahle – auch hier bestätigte ChatGPT den Verdacht und lieferte Vergleichswerte als Begründung.

„Es lieferte ihm Vergleichswerte, die zeigten, warum – ohne Kontext und ohne die Immobilie tatsächlich zu verstehen", erklärte Serhant. Beide Parteien verließen sich auf die KI-Einschätzung, ohne deren Grenzen zu kennen. Der Deal stand kurz vor dem Scheitern.

Serhant konnte die Transaktion letztlich retten – indem er beiden Seiten die Schwächen von KI erläuterte. Sein Kernargument: KI kann einen Markt modellieren, aber keinen Deal. „Sie kennt die Zukunft nicht, sie kann die Zukunft nicht vorhersagen. Sie kennt keine Absichten, kennt keine Emotionen, weiß nicht, welche Käufer im Hintergrund agieren, kennt keine Off-Market-Vergleichswerte, versteht die Wiederbeschaffungskosten nicht vollständig und optimiert nicht wirklich für den Abschluss", so Serhant.

KI als Werkzeug – nicht als Ersatz

Trotz dieser Erfahrung ist Serhant kein Gegner der Technologie. Im Gegenteil: Er hat selbst eine KI-gestützte Plattform zur Workflow-Automatisierung sowie ein Betriebssystem namens S.MPLE entwickelt. Für ihn ist KI ein entscheidendes Werkzeug für Immobilienmakler – solange man ihre Grenzen kennt.

Diese Einschätzung teilt auch Kamini Lane, CEO von Coldwell Banker Realty. Sie sieht in den Datenaggregationsfähigkeiten der KI eine echte Erweiterung der Makler-Expertise. „Marktanalysen, Vergleichsanalysen – das sind wichtige Werkzeuge im Instrumentarium eines Immobilienmaklers", so Lane. Die Technologie könne die Arbeit von Fachleuten ergänzen, nicht ersetzen.

Für deutsche Privatanleger und Immobilienkäufer ist die Botschaft klar: KI-Tools können nützliche Orientierung bieten, ersetzen aber nicht die Expertise eines erfahrenen Maklers, der lokale Marktbedingungen, individuelle Käufersituationen und Off-Market-Informationen kennt. Wer sich bei einer Immobilienentscheidung allein auf ChatGPT verlässt, riskiert, wichtige Kontextfaktoren zu übersehen – mit potenziell teuren Folgen.

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