Whoop führt On-Demand-Arztgespräche für US-Nutzer ein
Der Fitness-Wearable-Anbieter Whoop integriert medizinische Video-Konsultationen direkt in seine App – verknüpft mit biometrischen Echtzeit-Daten.

Der Anbieter von Fitness-Wearables Whoop hat am Freitag eine neue Funktion angekündigt: US-Nutzer erhalten künftig direkten In-App-Zugang zu lizenzierten Medizinern auf Abruf. Die Neuerung ist Teil eines umfangreicheren Updates, das eine Reihe von Gesundheits- und KI-gestützten Features umfasst, die weltweit eingeführt werden. Damit will Whoop die Lücke zwischen kontinuierlich erfassten Körperdaten und medizinischer Beratung schließen.
Das Besondere an dem Ansatz: Die medizinischen Konsultationen beginnen nicht mit einem leeren Blatt. Ärzte erhalten zunächst eine umfassende Auswertung der vom Gerät gesammelten biometrischen Daten sowie – sofern verfügbar – Blutwerte und die Krankengeschichte des Nutzers. So sollen Gespräche gezielter und effizienter verlaufen als bei einem klassischen Arzttermin ohne Vorwissen.
Viele der neuen Funktionen sind im bestehenden Mitgliedspreis enthalten. Die Video-Konsultationen für US-Nutzer werden jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden sein. Genaue Preise und Details will Whoop bekanntgeben, sobald die Option im Sommer offiziell eingeführt wird.
Ergänzung, kein Ersatz für den Hausarzt
Ein Unternehmenssprecher betonte gegenüber dem US-Sender CNBC ausdrücklich, dass die Video-Konsultationsfunktion die bestehende medizinische Versorgung der Nutzer ergänzen und keinesfalls einen Hausarzt oder Notfalldienste ersetzen soll. Details zur Möglichkeit, über den Dienst Medikamente zu verschreiben, seien „zum jetzigen Zeitpunkt nicht verfügbar", teilte das Unternehmen später am selben Tag mit.
Das Update beinhaltet zudem eine Partnerschaft mit dem Verwalter von Gesundheitsakten HealthEx. Über diese Integration können Nutzer Diagnosen, Medikamente und Behandlungen direkt in der Whoop-App verfolgen. Ergänzt wird das Paket durch KI-gestütztes personalisiertes Coaching sowie proaktive Check-in-Erinnerungen.
Whoop mit Milliardenbewertung und regulatorischer Vergangenheit
Whoop zählt weltweit über 2,5 Millionen Nutzer und gehört zu den bekanntesten Anbietern im wachsenden Markt der Gesundheits-Wearables. Im März schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von 575 Millionen US-Dollar ab, die die Bewertung auf 10,1 Milliarden US-Dollar steigerte – ein deutliches Signal für das Vertrauen der Investoren in das Geschäftsmodell.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Ankündigung fällt in eine regulatorisch sensible Phase für Whoop. Weniger als ein Jahr zuvor hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Unternehmen ein Abmahnschreiben wegen seiner Funktion „Blood Pressure Insights" geschickt. Die FDA warf Whoop vor, ein nicht zugelassenes Medizinprodukt zu vermarkten, das zur Diagnose, Heilung, Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt sei.
Neue FDA-Richtlinien vom Januar dieses Jahres schaffen nun jedoch mehr Spielraum: Optische Blutdruckmessungen sind demnach in Wellness-Geräten erlaubt, sofern keine diagnostischen Ansprüche auf „medizinischem Niveau" erhoben werden. Für Whoop und die gesamte Branche der Gesundheits-Wearables bedeutet das eine wichtige regulatorische Weichenstellung – und möglicherweise den Startschuss für weitere medizinnahe Funktionen in Consumer-Produkten.


