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Whistleblower deckt Epstein-Verbindungen von US-Handelsminister Lutnick auf

Ein britischer Ex-Banker brachte durch gezielte Suche in Millionen Epstein-Dokumenten brisante Geschäftsverbindungen zu Howard Lutnick ans Licht.

Whistleblower deckt Epstein-Verbindungen von US-Handelsminister Lutnick auf

Simon Andriesz, ehemaliger Managing Director bei der Wall-Street-Firma BGC Partners, hat der BBC berichtet, wie er Beweise für eine nicht offengelegte Geschäftsbeziehung zwischen dem heutigen US-Handelsminister Howard Lutnick und dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aufdeckte. Andriesz durchsuchte systematisch die von der US-Regierung veröffentlichten Epstein-Akten – eine gewaltige Sammlung von rund 3,5 Millionen Seiten Dokumenten, Fotos, Videos und E-Mails – und stieß dabei auf brisante Korrespondenz aus dem Jahr 2018.

Der entscheidende Durchbruch gelang Andriesz durch einen ungewöhnlichen Suchansatz. Während die meisten Rechercheure nach dem vollständigen Namen „Lutnick" suchten, wusste Andriesz aus seiner Zeit bei BGC Partners, dass Führungskräfte von Cantor Fitzgerald in internen E-Mails bevorzugt Initialen verwendeten. Er suchte nach „HWL" – den Initialen von Howard William Lutnick – und wurde fündig.

Belastende E-Mails aus dem Jahr 2018

Die gefundenen E-Mails zeigen, dass Epstein direkt mit Lutnick über ein digitales Werbeunternehmen namens Adfin kommunizierte, in das sowohl Epstein als auch Lutnicks Firma Cantor Fitzgerald investiert hatten. In der Korrespondenz fragte Epstein das HWL-Konto: „Wie schätzt du die Aussichten für Adfin ein?" Lutnick antwortete daraufhin: „Erwirtschaftet endlich Umsatz. Dies ist ihr Jahr. In den nächsten 12 Monaten müssen sie wirtschaftlich autark werden."

Diese Entdeckung ist deshalb brisant, weil Lutnick in einem Podcast behauptet hatte, Epstein nur ein einziges Mal getroffen zu haben – und zwar rund 20 Jahre zuvor, als beide Nachbarn in Manhattan gewesen seien. Er bezeichnete Epsteins Verhalten als „ekelhaft". Die E-Mails aus dem Jahr 2018 stehen jedoch im Widerspruch zu dieser Darstellung. Zusätzlich tauchte ein Foto auf, das Lutnick im Dezember 2012 zusammen mit Epstein auf dessen Karibikinsel Little St. James zeigt – vier Jahre nachdem Epstein in Florida wegen zweier Anklagen wegen Aufforderung zur Prostitution, darunter eine mit einer Minderjährigen, verurteilt worden war.

Andriesz leitete seine Erkenntnisse an US-Politiker des einflussreichen House Oversight Committee weiter, dem wichtigsten Untersuchungsausschuss des US-Kongresses. Lutnick erschien daraufhin im Mai in einer nicht-öffentlichen Anhörung vor dem Ausschuss. Dort erklärte er, er habe erst in diesem Jahr erfahren, dass Epstein ein Mitinvestor bei Adfin gewesen sei. Zugleich betonte er: „Ich verurteile das Jeffrey Epstein zugeschriebene Verhalten und jeden, der an seinen illegalen Aktivitäten beteiligt war, aufs Schärfste. Die Überlebenden seiner Verbrechen verdienen unseren Respekt und unsere Unterstützung."

Die demokratischen Mitglieder des Ausschusses zeigten sich von Lutnicks Aussagen nicht überzeugt. Alle 21 demokratischen Ausschussmitglieder unterzeichneten einen Brief, in dem sie Lutnick des Lügens bezichtigten und seinen Rücktritt forderten. Das US-Handelsministerium wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Anschuldigungen als „verzweifeltes parteipolitisches Ablenkungsmanöver". Es gebe „keine Beweise für Fehlverhalten oder berechtigten Anlass zur Sorge", so das Ministerium.

Verbindung zu Prinz Andrew und 1-Million-Pfund-Deal

Andriesz stieß in den Epstein-Akten auf eine weitere brisante Entdeckung: Dokumente belegen, dass Lutnicks Firma Cantor Fitzgerald im Jahr 2013 plante, Geschäfte mit dem damaligen Prinzen Andrew zu machen. Nach den vorgeschlagenen Bedingungen des Deals sollte ein Kredit in Höhe von 1 Million Pfund an eine vom Prinzen kontrollierte Firma fließen. Im Gegenzug wäre Andrew verpflichtet gewesen, Geschäfte ausschließlich mit Cantor Fitzgerald zu tätigen. Ziel war es, die Kontakte zu nutzen, die der ehemalige britische Handelsbeauftragte geknüpft hatte.

„Es ging um einen Kredit in Höhe von 1 Million Pfund an Andrew Mountbatten-Windsor... um im Grunde einen Prinzen zu kaufen", sagte Andriesz gegenüber dem BBC-Format „File on 4 Investigates". Lutnick war seit den 1990er Jahren mit Prinzessin Eugenie und ihrer Mutter Sarah Ferguson befreundet und war 2018 Gast auf der Hochzeit von Prinzessin Eugenie. Laut den Dokumenten warnte Epstein den Geschäftsberater des Prinzen, David Stern, vor dem Geschäft.

Hintergrund: Andriesz und sein Kampf als Whistleblower

Andriesz' Geschichte beginnt bereits vor seiner Entdeckung der Epstein-Akten. Im Jahr 2016 hatte er intern Bedenken wegen Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung von BGC Partners geäußert. Er wurde 2017 entlassen. Einige seiner Anschuldigungen führten jedoch später dazu, dass BGC von der US-Derivateaufsicht zu einer Strafe von 3 Millionen US-Dollar (rund 2,24 Millionen Pfund) wegen „zahlreicher Verstöße gegen Aufsichts-, Melde- und Aufzeichnungspflichten" verurteilt wurde. BGC erklärte, Andriesz' Anschuldigungen seien „kategorisch falsch" und jeglicher Glaubwürdigkeit entbehrend.

Als die Epstein-Akten veröffentlicht wurden, entdeckte Andriesz seinen eigenen Namen darin – in Zusammenhang mit FBI-Befragungen während des Rechtsstreits mit BGC. In den Jahren 2020 und 2021 hatte er mit dem FBI über BGC und Lutnick gesprochen. Das FBI untersuchte seine Anschuldigungen bezüglich nicht deklarierter Geschäftsbeziehungen zwischen Lutnick und Epstein jedoch nicht weiter.

Andriesz zeigte sich gegenüber der BBC enttäuscht über das mangelnde Interesse an seinen Enthüllungen: „Ich decke Howard Lutnicks Beziehung, seine finanziellen Verbindungen zu Jeffrey Epstein auf, und es besteht kein Interesse." Im Jahr 2025 wurde Lutnick zum US-Handelsminister ernannt. Zu diesem Zeitpunkt verkaufte er seine Anteile an Cantor Fitzgerald und übergab die Kontrolle über das Unternehmen an seine Söhne.

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