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Whirlpool streicht Dividende nach 70 Jahren erstmals komplett

Der US-Haushaltsgerätehersteller setzt seine Ausschüttung aus – die Aktie bricht massiv ein.

Whirlpool streicht Dividende nach 70 Jahren erstmals komplett

Whirlpool hat eine Ära beendet: Der US-amerikanische Haushaltsgerätehersteller stellt seine Dividendenzahlungen vorerst vollständig ein. Seit den 1950er Jahren hatte das Unternehmen die Ausschüttung an seine Aktionäre aufrechterhalten – durch zehn US-Rezessionen und zahlreiche globale Krisen hindurch. Nun zwingt ein massiver Liquiditätsengpass das Management zum radikalen Schnitt.

Die Reaktion der Märkte fiel entsprechend heftig aus. Die Whirlpool-Aktie (Ticker: WHR) brach nach der Ankündigung zunächst um mehr als 20 Prozent ein, bevor sie am Donnerstag mit einem Minus von rund 12 Prozent schloss. Damit setzt sich ein langfristiger Abwärtstrend fort: In den vergangenen fünf Jahren hat die Aktie bereits mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren.

Cashflow-Krise zwingt zum Handeln

Der Kern des Problems liegt im schrumpfenden Cashflow des Konzerns. Die fehlenden Mittel reichten schlicht nicht mehr aus, um gleichzeitig die Aktionäre zu bedienen und die Verschuldung des Unternehmens abzubauen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Whirlpool die Dividende fast halbiert – ein deutliches Warnsignal, das nun in der vollständigen Streichung gipfelt.

Vorstandschef Marc Bitzer äußerte sich während einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen gegenüber Investoren und Analysten. „Wir würden die Dividendenzahlung gerne so schnell wie möglich wieder aufnehmen, aber dies ist eindeutig eine Entscheidung des Boards", sagte Bitzer. Als Voraussetzung nannte er eine verbesserte operative Marge sowie den weiteren Abbau der Unternehmensverschuldung.

Wall-Street-Analysten zeigten sich unterdessen wenig zufrieden mit den Aussagen des Managements und drängten auf mehr Klarheit über die tatsächliche finanzielle Lage des Konzerns. Die Unsicherheit über den weiteren Kurs des Unternehmens belastet das Vertrauen der Investoren zusätzlich.

Preiserhöhungen als Gegenstrategie

Um die finanzielle Situation zu stabilisieren, setzt Whirlpool auf Preiserhöhungen. Der Konzern hat in diesem Jahr bereits die Preise für sein gesamtes Sortiment angehoben – darunter Waschmaschinen, Trockner, Kühlschränke und Herde. Für den Sommer sind weitere Preiserhöhungen geplant.

Bitzer verteidigte diese Strategie mit dem Argument, das Unternehmen müsse die Kosteninflation der vergangenen drei Jahre kompensieren, die bisher nicht an die Kunden weitergegeben worden sei. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen, bleibt abzuwarten.

Für deutsche Privatanleger ist der Fall Whirlpool ein mahnendes Beispiel dafür, dass selbst jahrzehntelange Dividendenkontinuität keine Garantie für die Zukunft darstellt. Wenn der operative Cashflow eines Unternehmens dauerhaft unter Druck gerät, ist auch die verlässlichste Ausschüttungshistorie letztlich kein Schutzwall. Anleger sollten bei Dividendentiteln stets die Verschuldungssituation und die freie Cashflow-Entwicklung im Blick behalten.

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