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Wettrennen um autonome Kampfdrohnen: Boeing, Anduril und Airbus im Duell

Auf der Farnborough Airshow präsentieren Boeing, Anduril und Airbus ihre Entwürfe für einen milliardenschweren Markt autonomer Kampfdrohnen.

Wettrennen um autonome Kampfdrohnen: Boeing, Anduril und Airbus im Duell

Boeing, General Atomics, Anduril Industries und Airbus liefern sich ein intensives Rennen um den Bau autonomer unbemannter Kampfflugzeuge – einer der am genauesten beobachteten Wettbewerbe der globalen Verteidigungsindustrie. Auf der Farnborough Airshow in England präsentierten die Unternehmen ihre neuesten Entwicklungen für eine Klasse von Flugzeugen, die künftig an der Seite bemannter Kampfjets operieren sollen.

Boeing stach dabei mit einem entscheidenden Vorteil hervor: Während US-Konkurrenten wie General Atomics und Anduril lediglich maßstabsgetreue Modelle zeigten, präsentierte Boeing mit der „Ghost Bat" ein einsatzfähiges Flugzeug. „Wir haben das am weitesten entwickelte kollaborative Kampfflugzeug", sagte Bernd Peters, Boeings Vizepräsident für Entwicklung und Strategie, gegenüber Reuters. „Es ist echte Hardware, die Sie hier vor sich sehen." Boeing arbeitet seit 2017 an dem Programm und hat nach eigenen Angaben mehr als 100 Testflüge absolviert.

Anfang Juli nahm die Ghost Bat als erstes Flugzeug dieser Klasse an einer von den USA geleiteten multinationalen Militärübung teil. Bereits im Dezember hatte Boeing einen Test mit scharfer Munition gegen ein Luftziel durchgeführt – ein wichtiger Meilenstein für die Einsatzreife des Systems.

Milliardenschwerer Markt mit großem Potenzial

Die US-Luftwaffe erwartet für die Flugzeuge ihres Programms Kosten von einem Drittel oder weniger eines F-35-Kampfjets, der 80 Millionen US-Dollar oder mehr kosten kann. Richard Aboulafia, Geschäftsführer von AeroDynamic Advisory, schätzt, dass der Markt schließlich Hunderte von Flugzeugen pro Jahr erreichen könnte – eine breite Einführung erwartet er allerdings erst Mitte der 2030er Jahre.

Boeing hat bereits einen ersten Großauftrag gesichert: Im Dezember wurde ein dreijähriger Vertrag über 754 Millionen australische Dollar (rund 528 Millionen US-Dollar) für die Produktion von sieben unbemannten Kampfflugzeugen für die australischen Streitkräfte bekannt gegeben. Das Unternehmen hat zudem Partnerschaften mit mehreren deutschen Unternehmen angekündigt, um der deutschen Luftwaffe bis 2029 ein Flugzeug anbieten zu können.

Anduril und General Atomics mit US-Luftwaffen-Aufträgen

Die US-Luftwaffe vergab im vergangenen Monat Produktionsaufträge an General Atomics und Anduril Industries, um ihre erste Flotte semi-autonomer Begleitflugzeuge im Rahmen des Programms „Collaborative Combat Aircraft" (CCA) zu bauen. Anduril begann Anfang dieses Jahres mit dem Bau seiner FURY-Kampfdrohne in einem neuen Werk in Ohio und könnte nach Angaben von Senior Vice President Jason Levin bis zu 150 Flugzeuge pro Jahr produzieren.

Levin betonte die Entwicklungsgeschwindigkeit seines Unternehmens: „In zwei Jahren haben wir das übertroffen, woran viele andere Unternehmen seit vielen Jahren arbeiten. Anstatt nur kleine, schrittweise Fortschritte zu machen, machen wir lieber große Sprünge." Letzte Woche führte die US-Luftwaffe über der Mojave-Wüste einen Test mit scharfer Munition auf ein digitales Ziel unter Beteiligung von Andurils Flugzeug durch.

General Atomics-Sprecher Phil Ewing verwies auf die jahrzehntelange Erfahrung des Unternehmens im Bau unbemannter Flugzeuge wie der bekannten Predator-Drohne. Das Unternehmen habe in den letzten Jahren „Tausende und Abertausende" Stunden autonomer Flüge absolviert, so Ewing. Die US-Luftwaffe plant, bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als 150 kampffähige CCA zu beschaffen, wobei die Vergabe des Hauptauftrags bis Sommer 2027 geplant ist.

Auch Europa mischt im Wettbewerb mit

Neben den US-Unternehmen drängen auch europäische Hersteller in den Markt. Airbus präsentierte auf der Farnborough Airshow den neu vorgestellten U760 Ravenstorm, der nach Unternehmensangaben Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit sein soll. Parallel dazu arbeitet Airbus an einem Modell namens U740 Valkyrie und plant noch in diesem Jahr Testflüge mit zwei Flugzeugen, die von der US-amerikanischen Kratos Defense erworben wurden. Ein Airbus-Sprecher erklärte, dieser Ansatz ermögliche es dem Unternehmen, den europäischen Luftstreitkräften in naher Zukunft „Fähigkeiten für operative Experimente" anzubieten.

Auch auf der Software-Seite des CCA-Programms schreitet die US-Luftwaffe voran: Sie vergab Produktionsaufträge für Missionsautonomie an einen Pool von sechs Anbietern, darunter Lockheed Martin. Ein Sprecher von Lockheed Martin erklärte, das unbemannte Kampfflugzeug des Unternehmens „befindet sich in der Bauphase und wird nächstes Jahr fliegen". Der globale Wettbewerb um die Kampfdrohnen der Zukunft ist damit in vollem Gange – mit enormen wirtschaftlichen und strategischen Konsequenzen für die Verteidigungsindustrie weltweit.

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