Wettlauf um venezolanisches Öl: Unternehmen sichern sich Tanker
Nach der Absetzung von Präsident Maduro wetteifern Ölkonzerne um den Export venezolanischen Rohöls in die USA. Chevron, Vitol und Trafigura führen intensive Verhandlungen über Tankerkapazitäten und Logistik.

Ölkonzerne und Handelshäuser befinden sich in einem intensiven Wettlauf um die Sicherung von Transportkapazitäten für venezolanisches Rohöl. Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Venezuela könne bis zu 50 Millionen Barrel sanktioniertes Öl an die USA übergeben, konkurrieren nun Chevron, Vitol und Trafigura um lukrative Exportverträge mit der US-Regierung.
Trafigura plant bereits konkret: Bei einem Treffen mit dem Weißen Haus am Freitag kündigte das Unternehmen an, dass das erste Schiff in der kommenden Woche beladen werden soll. Die Herausforderung liegt jedoch in der komplexen Logistik.
Sanktionierte Tanker erschweren Umschlag
Die monatelange US-Blockade hat Venezuela gezwungen, Öl in Tankern zu lagern. Die Lagertanks an Land sind nahezu vollständig gefüllt. Problematisch: Die Schiffe, die das Öl derzeit halten, sind alt, schlecht gewartet und unterliegen Sanktionen. Andere Tanker dürfen aufgrund von Haftungs- und Versicherungsanforderungen keinen direkten Kontakt zu sanktionierten Schiffen aufnehmen – selbst wenn die USA Lizenzen erteilen.
Auch die Lagertanks an Land wurden seit Jahren nicht gewartet, was erhebliche Risiken für die Verladung birgt. Diese Situation erfordert aufwendige Schiff-zu-Schiff-Umschlagoperationen.
Maersk Tankers positioniert sich strategisch
Das Schifffahrtsunternehmen Maersk Tankers gehört zu den Firmen, die ihre Umschlagoperationen in Venezuela ausweiten wollen. Das Unternehmen könnte seine bewährte Schiff-zu-Küste-zu-Schiff-Logistik aus der Amuay Bay replizieren. Maersk unterhält bereits Betriebe auf den nahe gelegenen Inseln Aruba und Curacao, deren Gewässer häufig für den Umschlag venezolanischen Öls genutzt werden.
Allerdings sind Umladungen in Aruba und US-Häfen deutlich teurer als direkte Operationen. Zusätzlich erschwert ein Mangel an kleineren Schiffen die Operationen. Diese werden benötigt, um das Öl von den Lagerschiffen zu den Piers zu transportieren, von wo aus es auf andere Schiffe umgeladen werden kann.
AET wird von Kunden angesprochen
Auch AET, das vor den US-Sanktionen von 2019 Geschäfte mit venezolanischen Ladungen tätigte, wird von potenziellen Kunden kontaktiert. Das Unternehmen stellte jedoch klar: "Wir arbeiten derzeit mit keiner Partei zusammen, um venezolanische Ladungen direkt oder indirekt anzulaufen, umzuschlagen, zu laden oder zu löschen."
Ehrgeizige Ziele schwer erreichbar
Theoretisch könnten die Lieferungen 500.000 Barrel pro Tag erreichen – jene Menge, die Venezuela vor den Sanktionen in die USA exportierte. Die akkumulierten Lagerbestände würden sich in 90 bis 120 Tagen abbauen lassen. Doch Branchenquellen halten dieses Ziel für schwer erreichbar, wenn das Öl sowohl aus Tankern als auch aus Lagern an Land entnommen werden muss.
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Zur AktienanalyseDie Unternehmen konkurrieren zudem hart um Ladeplätze am wichtigsten venezolanischen Ölterminal Jose, wo Kapazitäts- und Geschwindigkeitsbeschränkungen bestehen. Chevron, als wichtiger Joint-Venture-Partner im Land, bemüht sich aggressiv darum, seine privilegierte Position an den venezolanischen Terminals zu behaupten.
Naphtha dringend benötigt
Parallel beschaffen Ölkonzerne einschließlich Chevron, Vitol und Trafigura dringend benötigtes Naphtha. Dieses wird dem schweren venezolanischen Rohöl beigemischt, um dessen Dichte zu senken und den Transport sowie die Verarbeitung in Raffinerien zu erleichtern.
Weder Maersk Tankers noch Chevron reagierten auf Anfragen zur Stellungnahme. Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Unternehmen sich im Wettlauf um das venezolanische Öl durchsetzen können.


