Westpac verfehlt Gewinnerwartungen wegen Nahost-Krieg und höherer Rückstellungen
Australiens zweitgrößter Hypothekenfinanzierer meldet einen Halbjahresgewinn von 3,41 Milliarden australischen Dollar – unter den Analystenerwartungen.

Die australische Westpac Banking Corp hat für das erste Halbjahr 2024 einen Nettogewinn von 3,41 Milliarden australischen Dollar (umgerechnet rund 2,44 Milliarden US-Dollar) gemeldet. Damit blieb Australiens zweitgrößter Hypothekenkreditgeber deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück, die einen Gewinn von 3,47 Milliarden australischen Dollar prognostiziert hatten. Als Hauptgründe für das schwächere Ergebnis nannte die Bank höhere Wertberichtigungen für Kreditausfälle sowie schwächere Erträge im Treasury-Bereich.
Besonders ins Gewicht fielen die gestiegenen Risikovorsorgen: Die Wertberichtigungen für Kreditausfälle kletterten von 250 Millionen australischen Dollar im Vorjahreszeitraum auf nunmehr 443 Millionen australischen Dollar – ein Anstieg von knapp 77 Prozent. Westpac begründete diesen deutlichen Zuwachs mit einem vorsichtigeren Wirtschaftsausblick, der maßgeblich durch den anhaltenden Nahostkonflikt beeinflusst wird.
Nahost-Krieg belastet Kunden und Lieferketten
Die Bank erklärte, dass der Krieg im Nahen Osten für einige ihrer Kunden konkrete wirtschaftliche Schwierigkeiten verursache. Die Auswirkungen sollen laut Westpac voraussichtlich das gesamte Geschäftsjahr über spürbar bleiben. Insbesondere Störungen in den Energielieferketten haben demnach die Preise in die Höhe getrieben und belasten sowohl Unternehmen als auch private Haushalte.
Für deutsche Anleger ist dieser Zusammenhang gut nachvollziehbar: Auch europäische Banken und Unternehmen sehen sich mit ähnlichen geopolitischen Risiken konfrontiert, die sich über gestörte Lieferketten und erhöhte Energiepreise auf die Realwirtschaft auswirken. Westpac macht damit deutlich, dass die Folgen des Nahostkonflikts längst nicht auf die unmittelbare Region beschränkt sind, sondern globale Finanzinstitute zur Vorsicht zwingen.
Kreditqualität bleibt stabil – Kapitalquote solide
Trotz des enttäuschenden Gewinns zeigt das Kreditportfolio der Bank eine erfreuliche Entwicklung. Die notleidenden Kredite sanken auf 1,16 Prozent des Gesamtengagements – ein Rückgang von 20 Basispunkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dies signalisiert, dass die Kreditqualität insgesamt stabil geblieben ist, auch wenn das makroökonomische Umfeld herausfordernder wird.
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Zur AktienanalyseDie harte Kernkapitalquote (CET1 – Common Equity Tier 1) lag zum Stichtag 31. März bei 12,42 Prozent und damit leicht über dem Vorjahreswert. Diese Kennzahl gilt als zentraler Indikator für die finanzielle Widerstandsfähigkeit einer Bank und zeigt an, wie gut ein Institut gegen unerwartete Verluste abgesichert ist. Ein Wert von über 12 Prozent gilt im internationalen Vergleich als komfortabel.
Insgesamt zeichnet das Halbjahresergebnis von Westpac ein gemischtes Bild: Während die Kapitalausstattung und die Kreditqualität solide erscheinen, drücken geopolitische Unsicherheiten und die damit verbundenen höheren Rückstellungen auf den Gewinn. Ob sich die wirtschaftlichen Belastungen durch den Nahostkonflikt im zweiten Halbjahr abschwächen, bleibt abzuwarten.


