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Weniger Feiertage, längeres Arbeiten gefordert

Munich-Re-Chef sieht Deutschland im Abstieg und kritisiert die Regierung scharf

Weniger Feiertage, längeres Arbeiten gefordert

Joachim Wenning, der Chef des weltweit größten Rückversicherers Munich Re, hat in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ scharfe Kritik am aktuellen Zustand des deutschen Arbeitsmarktes und der Wirtschaft geäußert. Seiner Ansicht nach befindet sich Deutschland im Abstieg, was dringend notwendige strukturelle Änderungen erforderlich mache. Wenning schlägt vor, gesetzliche Feiertage zu reduzieren, um die Arbeitszeit zu erhöhen. Dabei kritisiert er, dass Bayern deutlich mehr Feiertage als andere Bundesländer wie Hamburg habe und dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zu viele Feiertage genieße. Er sieht in diesen zusätzlichen freien Tagen keinen Mehrwert und fordert eine Anpassung, um die Produktivität zu steigern.

Wenning betont, dass Deutschland in der Vergangenheit von technologischen Fortschritten profitiert habe, die es ermöglichten, mit weniger Arbeit hohe Erträge zu erzielen. Doch inzwischen seien Länder wie China und die USA in Schlüsseltechnologien wie Datentechnologien an Deutschland vorbeigezogen. Um den Abstieg zu verhindern und Produktionsstätten im Land zu halten, müsse Deutschland wieder mehr arbeiten und leisten. Wenning geht sogar so weit, eine Abschaffung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit von täglich zehn Stunden für nicht Leitende anzuregen, da er diese als hinderlich für die Wettbewerbsfähigkeit ansieht.

Darüber hinaus fordert Wenning eine Erhöhung des Rentenalters. Er argumentiert, dass die Deutschen heute länger leben und daher auch länger arbeiten könnten. In diesem Zusammenhang plädiert er ebenfalls für eine Lockerung des Kündigungsschutzes bei niedriger Arbeitslosigkeit. Für Wenning ist der aktuelle Kündigungsschutz ein Relikt aus Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, das heute nicht mehr zeitgemäß sei. Er kritisiert, dass Unternehmen durch den bestehenden Schutz gezwungen würden, Mitarbeiter zu behalten, mit denen sie eigentlich nicht mehr weiterarbeiten möchten.

Die Kritik von Wenning richtet sich auch gegen die aktuelle Bundesregierung, der er Dysfunktionalität vorwirft. Er bemängelt, dass es der Regierung nicht gelinge, die notwendigen Mehrheiten für schwierige Entscheidungen zu finden, und sieht daher wenig Hoffnung auf positive Veränderungen durch die politische Führung des Landes.

Während Wenning die wirtschaftliche Lage Deutschlands kritisch beurteilt, verzeichnet sein eigener Konzern Munich Re Rekordergebnisse. Trotz höherer Großschäden im ersten Halbjahr 2024 konnte das Unternehmen einen Nettogewinn von 3,76 Milliarden Euro verzeichnen, was einer Steigerung von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auch der Versicherungsumsatz stieg um 5,4 Prozent auf fast 15 Milliarden Euro. Besonders im zweiten Quartal konnte das Unternehmen einen Gewinnzuwachs nach Steuern von 40,6 Prozent verzeichnen. Wenning betonte, dass die Munich Re noch nie in den ersten sechs Monaten eines Jahres mehr verdient habe als im Jahr 2024.

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