Weltweiter Ausbau neuer Kohleminen bricht ein
China plant trotz Rückgang weiter Milliarden-Tonnen-Kapazitäten und riskiert Überangebot

Die weltweite Entwicklung neuer Kohlebergwerke ist im Jahr 2024 auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Nach Angaben des US-Thinktanks Global Energy Monitor (GEM) wurden neue Bergwerke mit einer jährlichen Förderkapazität von rund 105 Millionen Tonnen in Betrieb genommen – das entspricht einem Rückgang von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit machten die neu hinzugekommenen Kapazitäten lediglich etwa ein Prozent der globalen Gesamtkapazität von 8,9 Milliarden Tonnen im Jahr 2024 aus.
Hauptverantwortlich für den Rückgang sind laut Bericht die beiden größten Produzenten China und Indien, wo die Pläne für den Ausbau der Kohleförderung im Jahr 2024 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gebremst wurden. Allerdings sehen die Analysten diese Entwicklung nicht als dauerhafte Trendwende. Die Verzögerung sei vermutlich auf längere Genehmigungsprozesse, die generell langwierige Entwicklung von Kohlebergwerken und eine abgeschwächte Angebots-Nachfrage-Dynamik nach pandemiebedingtem Kapazitätsausbau zurückzuführen.
Insbesondere in China hatte der Kohlesektor nach einer Energiekrise im Jahr 2022 eine Phase beschleunigter Genehmigungen erlebt. Danach kehrte sich die Entwicklung um, da sich die Lage von einer Mangelsituation zu einem Überangebot wandelte. Dennoch werden weltweit weiterhin Projekte für neue Kohlebergwerke geplant, deren kumulierte Förderkapazität bei über zwei Milliarden Tonnen pro Jahr liegt.
Von den weltweit 2,27 Milliarden Tonnen geplanter jährlicher Kapazität entfallen allein 1,35 Milliarden Tonnen auf China – mehr als auf alle anderen Länder zusammen. Sollten diese Projekte realisiert werden, drohe eine neue Phase der Überkapazität ähnlich der Jahre 2012 bis 2015, so die Einschätzung der Experten. Bereits damals musste China tiefgreifende Strukturreformen einleiten, um übermäßige Produktionskapazitäten im Kohle- und Stahlsektor zu beseitigen.
Insgesamt erfasst das GEM-Datenmaterial rund 850 Projekte für neue Minen, Erweiterungen und Wiederinbetriebnahmen. Der Großteil dieser geplanten Kapazitäten entfällt auf China, Indien, Australien und Russland – gemeinsam verantworten diese vier Länder fast 90 Prozent der weltweiten Ausbauvorhaben. Eine Reduktion der Kohleförderung, wie sie zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius notwendig wäre, ist damit nicht in Sicht. Laut einer UN-Schätzung müsste die globale Kohleproduktion dafür bis 2030 um 75 Prozent gegenüber dem Niveau von 2020 sinken.
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Zur AktienanalyseEin Beispiel für die möglichen Folgen neuer Projekte ist das geplante Tagebauprojekt Changtan in der chinesischen Region Innere Mongolei. Es könnte zu den weltweit größten Quellen von Methanemissionen zählen, einem besonders klimaschädlichen Treibhausgas.


