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Weltraum-Rechenzentren: Riesiges Potenzial für Versicherungsbranche

SpaceX und Blue Origin planen orbitale Rechenzentren – und eröffnen Versicherern ein völlig neues, milliardenschweres Geschäftsfeld.

Weltraum-Rechenzentren: Riesiges Potenzial für Versicherungsbranche

Elon Musks SpaceX und Jeff Bezos' Blue Origin treiben das sogenannte Orbital Computing voran und wollen Rechenzentren in den Erdorbit verlagern. Für die Versicherungsbranche könnte dies ein historisches Wachstumsfeld bedeuten – vorausgesetzt, die Anbieter finden Wege, völlig neuartige Risiken zu bepreisen. Patton Kline, Leiter der Luft- und Raumfahrtsparte beim Versicherungsmakler Marsh U.S., warnt: Wer den Weltraum nicht als nächste Grenze für das Underwriting begreife, werde eine große Wachstumsstory verpassen.

SpaceX hat dabei die aggressivste Vision vorgelegt. Im Januar beantragte das Unternehmen bei der US-Kommunikationsbehörde FCC eine Konstellation von bis zu einer Million Satelliten, die gemeinsam ein orbitales Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz bilden könnten. CEO Elon Musk argumentiert, dass solarbetriebenes Computing im Weltraum innerhalb von zwei bis drei Jahren günstiger werden könnte als terrestrische Rechenzentren – begründet mit sinkenden Startkosten und steigenden Energiepreisen auf der Erde.

Jeff Bezos verfolgt eine ähnliche, aber langfristigere Strategie. Blue Origin reichte im März Pläne für 51.600 Rechenzentrums-Satelliten im niedrigen Erdorbit ein. Bezos bezeichnete Weltraum-Rechenzentren gegenüber CNBC im Mai als „sehr realistisch", nannte einen Zeitrahmen von zwei bis drei Jahren jedoch „etwas ehrgeizig". Auch Google prüft mit dem Projekt Suncatcher ein vernetztes System solarbetriebener Satelliten mit eigenen KI-Chips, während das Startup Starcloud bereits eine Nvidia H100 GPU im Orbit getestet hat.

Versicherungsmarkt noch weit von der nötigen Kapazität entfernt

Weltweit sind derzeit rund 30 Versicherer auf Raumfahrtdeckungen spezialisiert. Die jährlichen Prämien in diesem Segment belaufen sich laut Kline auf etwa 500 bis 750 Millionen US-Dollar – ein Bruchteil dessen, was zur Absicherung einer orbitalen Recheninfrastruktur im Wert von potenziell Hunderten Milliarden US-Dollar erforderlich wäre. Kline sieht Orbital Computing als natürliche Erweiterung des bestehenden Raumfahrtversicherungsmarkts, der seit Jahrzehnten Raketenstarts und Satelliten abdeckt. Ein weiterer Vorteil für Versicherer: Die Risiken sind weitgehend unkorreliert mit Hurrikanen, Erdbeben und anderen terrestrischen Katastrophen.

Doch die Skepsis in der Branche ist erheblich. Andreas Berger, Group CEO des globalen Rückversicherers Swiss Re, sieht das Konzept zwar als Kombination zweier schnell wachsender Risikobereiche – KI-Infrastruktur und kommerzielle Raumfahrt –, betont aber grundlegende Hürden: „Es gibt zu viele Unbekannte, um das Risiko mit ausreichender Sicherheit zu quantifizieren und ein nachhaltiges Versicherungsangebot zu unterstützen." Ein anonym bleibender Versicherungs-CEO wurde noch deutlicher und bezeichnete das Vorhaben als „Wahnsinn" – mit Verweis auf mangelnde Regulierung, unzureichendes Kapital und fehlende Risikomodelle in einem Umfeld, das er als „Wilden Westen" des Weltraums beschrieb.

Technische Risiken ohne irdisches Vorbild

Die technischen Herausforderungen sind immens und in dieser Form beispiellos. Orbitale Rechenzentren wären mit Fehlstarts, kosmischer Strahlung, Hardwareausfällen, Problemen beim Wärmemanagement sowie dem wachsenden Risiko von Kollisionen und Weltraumschrott konfrontiert. Anders als bei terrestrischen Rechenzentren würde jede Reparatur oder jeder Austausch defekter Komponenten einen weiteren Raketenstart erfordern – mit entsprechend hohen Kosten und Unsicherheiten.

Für die Versicherungsbranche ist diese Gemengelage sowohl Herausforderung als auch Chance. Sollte das Computing tatsächlich in den Orbit abwandern, könnte eine neue Anlageklasse im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar entstehen, die abgesichert werden muss. Doch bevor Versicherer diesen nächsten Rechenzentrums-Boom abdecken können, müssen sie das Regelwerk dafür erst noch weitgehend neu erfinden – von der Regulierung über die Risikomodellierung bis hin zur Kapazitätsfrage.

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