Weltmärkte unter Druck: Iran-Krieg, Inflation und KI-Jobabbau
Drei Monate Iran-Krieg ohne Lösung: Anleiherenditen auf Rekordhoch, Zentralbanken unter Druck, KI vernichtet Tausende Bankjobs.

Die Weltmärkte stehen weiter unter dem Einfluss geopolitischer Spannungen. Der Iran-Krieg nähert sich dem Ende seines dritten Monats, ohne dass eine klare Lösung in Sicht ist. Während Technologieaktien noch relative Stärke zeigen, mehren sich die Risse im globalen Finanzsystem.
Besonders deutlich wird dies am US-Staatsanleihenmarkt: Die Kosten für dreißigjährige Kredite erreichten diese Woche den höchsten Stand seit 2007. Anleiheinvestoren sind überzeugt, dass die Zentralbanken den durch den Krieg ausgelösten Inflationsschock nicht ignorieren können – zumal der Konflikt die strategisch wichtige Straße von Hormus blockiert hat. Erhöhen Regierungen zudem die Ausgaben zur Entlastung der Verbraucher, verschärft sich die Schuldenlast weiter.
Risse im globalen Finanzsystem werden tiefer
Neben fallenden asiatischen Währungen und schwächelnder Wirtschaftsaktivität in Europa gerät nun auch die Türkei erneut in den Fokus. Ein Gericht hat den wichtigsten Oppositionsführer Özgür Özel faktisch entmachtet – ein Schritt, der als Test für die Balance zwischen Demokratie und Autokratie im Land gewertet wird. Die Märkte reagierten nervös: Aktienkurse brachen ein, die Lira markierte ein neues Rekordtief. Die türkische Zentralbank, die ihren Lockerungszyklus bereits unterbrochen hatte, musste Devisen im Wert von Milliarden US-Dollar verkaufen, um die Auswirkungen abzufedern.
In der kommenden Woche tritt eine Reihe von Zentralbanken zu Sitzungen zusammen. Israel dürfte die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75% senken, da ein Anstieg des Schekels um 20% im vergangenen Jahr die kriegsbedingte Inflation dämpft. Ungarn dürfte die Zinsen bei 6,25% belassen, ebenso Sri Lanka und Neuseeland bei 2,25%. Südkorea wird trotz zunehmender Spekulationen über Erhöhungen voraussichtlich bei 2,5% verharren, während für Südafrika aufgrund stark steigender Inflation eine Anhebung um 25 Basispunkte erwartet wird.
US-Inflationsdaten und Bank of Japan im Fokus
Am Donnerstag steht mit dem PCE-Preisindex für April das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank Federal Reserve auf dem Programm. Jüngste Daten zeigten bereits hohe Werte bei Verbraucher- und Erzeugerpreisen, belastet durch gestiegene Energiekosten. Investoren werden zudem eine neue Schätzung für das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal sowie aktuelle Daten zum Verbrauchervertrauen analysieren. Unternehmensergebnisse von Salesforce, Best Buy und Costco könnten weiteren Aufschluss über die KI-Thematik und den Zustand der Konsumausgaben liefern.
Die Bank of Japan (BOJ) sucht unterdessen nach Argumenten für eine Normalisierung ihrer Geldpolitik. Die Märkte rechnen zunehmend damit, dass die BOJ im nächsten Monat zum ersten Mal seit Dezember die Zinsen anheben wird. Ökonomen prognostizieren für den Kern-Verbraucherpreisindex in Tokio einen Anstieg um 1,5% – derselbe Wert wie im April, der das langsamste Tempo seit vier Jahren darstellte. Allerdings wurde der Trend durch staatliche Subventionen verzerrt, die die Auswirkungen der Nahostkrise abfedern sollten. Analysten erwarten mittelfristig einen weiteren Anstieg der Inflation, da hohe Ölpreise und ein schwacher Yen die Importkosten treiben.
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Zur AktienanalyseKI vernichtet Tausende Bankjobs – Standard Chartered streicht 8.000 Stellen
Parallel zu den makroökonomischen Entwicklungen rückt der durch Künstliche Intelligenz ausgelöste Stellenabbau im Finanzsektor in den Vordergrund. Standard Chartered kündigte an, fast 8.000 Stellen zu streichen. CEO Bill Winters bezeichnete die betroffenen Mitarbeiter dabei als „minderwertiges Humankapital", das durch Technologie ersetzt werden soll. Winters ruderte später zurück und betonte, die Veränderungen würden mit Bedacht angegangen – doch die Aussage verdeutlicht die Dimension der bevorstehenden Disruption.
Auch JPMorgan-CEO Jamie Dimon und HSBC-Chef Georges Elhedery warnten vor Veränderungen im Personalbestand durch KI. Eine Umfrage von Morgan Stanley ergab, dass bereits 11% der Stellen bei Banken aufgrund von KI gestrichen und weitere 14% nicht neu besetzt wurden – auch wenn Neueinstellungen den Nettoverlust teilweise ausglichen. In den kommenden Wochen ist mit weiteren Ankündigungen und Maßnahmen in der Branche zu rechnen.


