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Wells Fargo verfehlt Zinsertrag-Erwartungen – Aktie unter Druck

Der Zinsüberschuss der US-Großbank blieb im ersten Quartal mit 12,1 Milliarden Dollar hinter den Analystenerwartungen zurück.

Wells Fargo verfehlt Zinsertrag-Erwartungen – Aktie unter Druck

Wells Fargo hat im ersten Quartal beim Zinsüberschuss die Erwartungen der Wall Street verfehlt. Der Zinsüberschuss – also die Differenz zwischen den Erträgen aus Krediten und den Zahlungen für Einlagen – belief sich auf 12,1 Milliarden Dollar. Analysten hatten laut LSEG-Daten im Schnitt 12,3 Milliarden Dollar erwartet. Die Aktie des in San Francisco ansässigen Unternehmens reagierte mit einem vorbörslichen Minus von 2,8 Prozent.

Hauptursache für den schwachen Zinsüberschuss sind die Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve, die die Kreditrenditen der Bank belasteten. Zinssenkungen können zwar langfristig die Kreditnachfrage ankurbeln und die Einlagenkosten senken, setzen den Zinsertrag aber kurzfristig unter Druck. Bis zum Börsenschluss am Montag war die Wells-Fargo-Aktie in diesem Jahr bereits um 7 Prozent gefallen.

Nettogewinn übertrifft Erwartungen

Trotz des enttäuschenden Zinsüberschusses übertraf Wells Fargo beim Nettogewinn die Analystenprognosen. Der Nettogewinn belief sich auf 5,25 Milliarden Dollar bzw. 1,60 Dollar je Aktie – nach 4,89 Milliarden Dollar bzw. 1,39 Dollar je Aktie im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten für das Quartal lediglich 1,58 Dollar je Aktie erwartet.

Das Kreditportfolio der Bank wuchs im Quartal um 11 Prozent auf über 1 Billion Dollar. Dieses Wachstum ist möglich, nachdem die Federal Reserve im vergangenen Jahr die Bilanzsummenobergrenze von 1,95 Billionen Dollar aufgehoben hatte. Wells Fargo hatte unter dieser siebenjährigen Beschränkung nur begrenzt wachsen können und baut seitdem sein Kreditbuch aggressiv aus – insbesondere durch Kreditkarten und Autokredite.

Verbraucher zahlen deutlich mehr für Benzin

Finanzvorstand Mike Santomassimo wies auf eine neue Belastung für das Privatkundengeschäft hin: Steigende Energiepreise infolge des Nahost-Konflikts treiben die Ausgaben der Verbraucher für Benzin in die Höhe. „Die Verbraucher geben wahrscheinlich zwischen 25 und 30 Prozent mehr für Benzin aus als vor dem Konflikt", sagte Santomassimo. Da Wells Fargo rund 40 Prozent seines Umsatzes im Privatkundengeschäft erwirtschaftet, ist die Bank von diesem Trend besonders betroffen.

Dennoch zeigte sich Santomassimo insgesamt zuversichtlich: „Die Gesamtausgaben sind weiterhin recht widerstandsfähig und stark. Wir sehen keine wirklich signifikanten Veränderungen bei den Trends der Gesamtausgaben", sagte er vor Journalisten. Höhere Energiepreise schüren zudem Inflationsängste, die die Zinsen auf einem hohen Niveau halten und das Wachstum belasten könnten – eine Herausforderung für die gesamte Branche.

Engagement im Bereich Private Credit im Fokus

Wells Fargo hielt zum 31. März Kredite in Höhe von 210,2 Milliarden Dollar an Nicht-Bank-Finanzunternehmen. Das Portfolio für Unternehmensschuldenfinanzierung – besicherte Kredite an Vermögensverwalter und der Großteil des Engagements im Bereich Private Credit – machte davon 36,2 Milliarden Dollar aus. Die Besorgnis über Private Credit hat in den letzten Monaten zugenommen, nachdem aufsehenerregende Insolvenzen wie die des US-Autoteilezulieferers First Brands und des Autohändlers Tricolor das Engagement der Wall-Street-Banken gegenüber Nicht-Bank-Finanzinstituten ins Rampenlicht rückten.

Santomassimo gab sich jedoch gelassen: „Wir fühlen uns mit dem Risiko, das wir in diesem zugrunde liegenden Portfolio haben, sehr wohl", sagte er.

Stellenabbau und KI als Effizienzthemen

Wells Fargo reduzierte den Personalbestand im Quartal um 7 Prozent. Ende März beschäftigte die Bank 200.999 Mitarbeiter, verglichen mit 205.198 zum 31. Dezember. Die Mitarbeiterzahl ist seit Ende 2020 in jedem Quartal gesunken. CEO Charles Scharf konzentriert sich auf die Straffung der Belegschaft, um Effizienz und Kostensenkungen zu priorisieren und damit langfristige Wachstumsinitiativen zu finanzieren. Scharf betonte zudem, dass künstliche Intelligenz eine große Chance zur Steigerung der Produktivität darstelle.

Zum Vergleich: Der Konkurrent JPMorgan Chase meldete am selben Tag einen Gewinnanstieg im ersten Quartal um 13 Prozent, beflügelt durch Rekordgewinne im Handel aufgrund der Marktvolatilität sowie eine Belebung des Transaktionsgeschäfts.

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