Welche Aktiensektoren bei steigenden oder fallenden Zinsen gewinnen
Eine neue Studie zeigt: Technologie schlägt sich bei Zinserhöhungen am besten – und widerlegt damit gängige Anlegerannahmen.

Die US-Notenbank Federal Reserve hält die Zinssätze seit Dezember stabil. Unter den Entscheidungsträgern herrscht Uneinigkeit darüber, ob der nächste Schritt eine weitere Senkung oder eine Rückkehr zu Erhöhungen zur Inflationsbekämpfung sein wird. Für viele Anleger ist das eine verwirrende Ausgangslage – doch eine neue Analyse liefert wertvolle Orientierung.
Forscher haben untersucht, welche Sektoren im S&P 500 in Phasen steigender, gleichbleibender und sinkender Zinsen am besten abgeschnitten haben. Die Ergebnisse widersprechen in einigen Fällen der herkömmlichen Meinung und dürften manchen Anleger überraschen.
Technologie glänzt ausgerechnet bei Zinserhöhungen
Besonders auffällig: Der wachstumsstarke Technologiesektor schnitt am besten ab, wenn die Fed die Zinsen anhob – mit Renditen von mehr als 15 % pro Jahr. Das widerspricht der weit verbreiteten Annahme, dass billiges Kapital das Wachstum befeuert und Technologieaktien besonders von niedrigen Zinsen profitieren.
Für die Untersuchung wurden Daten zu neun der elf S&P-Sektoren bis zurück ins Jahr 1999 herangezogen. Als Grundlage dienten die wertgewichteten SPDR Exchange Traded Funds (ETFs), die diese Sektoren abbilden. Konkret analysiert wurden: Technologie, Gesundheitswesen, Finanzen, Energie, Industrie, Basiskonsumgüter, zyklische Konsumgüter, Versorger und Rohstoffe.
Zwei Sektoren wurden bewusst ausgeschlossen: Immobilien und Kommunikationsdienstleistungen. Der Grund: Immobilien wurde erst 2015 und Kommunikationsdienstleistungen erst 2018 als eigenständiger Sektor definiert – die Datenbasis wäre damit zu schmal für belastbare Aussagen.
Methodik: Zinszyklen klar definiert
Die Forscher berechneten auf Basis der jeweiligen Sektor-ETFs den Durchschnitt und die Volatilität der Renditen über steigende, gleichbleibende und sinkende Zinszyklen hinweg. Als Maßstab diente die Federal Funds Rate. Ein Zyklus wurde dabei als ein Zeitraum definiert, in dem sich die Zinssätze über eine Spanne von sechs Monaten in eine bestimmte Richtung bewegten.
Das wohl überraschendste Gesamtergebnis: Alle untersuchten Sektoren schneiden weitaus besser ab, wenn die Fed die Zinsen anhebt oder stabil hält – im Gegensatz zu Phasen mit Zinssenkungen. Die durchschnittliche monatliche Rendite über alle Sektoren hinweg beträgt 0,76 %, wenn die Fed die Zinsen erhöht, und sogar 1,14 %, wenn sie die Zinsen stabil hält. Die annualisierte Volatilität liegt in beiden Szenarien bei 17 %.
Zinssenkungen gehen mit schwachen Renditen und höherem Risiko einher
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Zur AktienanalyseWenn die Fed hingegen die Zinsen senkt, liefert der durchschnittliche Sektor eine Rendite von minus 0,31 % pro Monat. Gleichzeitig steigt das Risiko deutlich an: Die annualisierte Volatilität klettert in diesem Szenario auf 23 %. Für Anleger bedeutet das: Zinssenkungen sind keineswegs automatisch ein positives Signal für Aktien.
Diese Erkenntnisse sind für deutsche Privatanleger besonders relevant, da viele Portfolios auch in US-amerikanische Sektoren investiert sind – sei es über ETFs auf den S&P 500 oder über aktiv gemanagte Fonds mit US-Schwerpunkt. Die Studie legt nahe, dass eine sektorspezifische Betrachtung des Zinsumfelds sinnvoller sein kann als pauschale Annahmen über die Wirkung von Geldpolitik auf Aktien.
Insgesamt zeigt die Analyse, dass das Zinsumfeld zwar ein wichtiger Faktor für die Sektorperformance ist – aber nicht immer so wirkt, wie es die Lehrbuchmeinung vermuten lässt. Anleger sollten gängige Annahmen kritisch hinterfragen und ihre Sektorallokation regelmäßig auf den Prüfstand stellen.


