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Wall Street übernimmt Versicherungsbranche: Risiken und Chancen im Überblick

Investmentgiganten drängen in die Lebensversicherung – doch Aufsichtsbehörden warnen vor zirkulären Risiken und mangelnder Transparenz.

Wall Street übernimmt Versicherungsbranche: Risiken und Chancen im Überblick

Die Verflechtung zwischen alternativen Vermögensverwaltern und Versicherungsgesellschaften nimmt rasant zu. Investmentgiganten wie Apollo versuchen zunehmend, ihre Vermögensverwaltungssparten mit Versicherern zu verbinden – mit dem Ziel, investierbare Vermögenswerte zu akquirieren und diese an die Versicherungsgesellschaften zu verkaufen. Aufsichtsbehörden und Branchenverbände schlagen nun Alarm.

Ein konkretes Beispiel liefert der Fall von Mark Walter, Miteigentümer der Los Angeles Dodgers und Mitbegründer des 360 Milliarden US-Dollar schweren Vermögensverwalters Guggenheim Partners. Sein Versicherungsunternehmen Delaware Life stufte kürzlich eine Investition in ein Unternehmen namens Dodgers Tickets LLC neu ein – von „unabhängig" zu einer „Level 1"-Investition einer nahestehenden Partei. Zudem sieht sich Walters Versicherungsimperium einer Untersuchung durch Bundesstaatsanwälte gegenüber, die klären wollen, ob Investitionen korrekt offengelegt wurden.

Apollo als größter Akteur im Markt

Der prominenteste Spieler in diesem Segment ist Apollo, dessen Versicherungssparte Athene ein Portfolio von 387 Milliarden US-Dollar verwaltet. Davon sind 73 Prozent – also rund 283 Milliarden US-Dollar – in von Apollo selbst strukturierte Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating investiert. Innerhalb dieses Bestands sind 66 Milliarden US-Dollar als „verbunden" gekennzeichnet, ein Großteil davon als Investitionen nahestehender Parteien.

Apollo verteidigt diesen Ansatz und argumentiert, dass hausgemachte Investitionen bessere Renditen erzielen als reguläre öffentliche Wertpapiere. Als Beleg nennt das Unternehmen einen Gewinn von fast 700 Millionen US-Dollar durch die Kreditvergabe an ein Halbleiter-Joint-Venture mit Intel. Zudem betont Apollo, dass Teile dieser Investitionen an Dritte verkauft werden, die eine unabhängige Bestätigung für eine umsichtige Kreditprüfung liefern.

Die Verflechtungen werden jedoch zunehmend komplexer. Apollo bietet ein neues Produkt namens AMAPS an, das in verbriefte Tranchen von Kreditfonds investiert – jeder dieser Fonds hält wiederum Dutzende eigener Investitionen, die allesamt von Apollo selbst gebündelt und initiiert wurden. Kritiker sehen darin eine problematische Struktur; Apollo bezeichnet entsprechende Bedenken als „leider eindeutig uninformiert".

Aufsichtsbehörden warnen vor zirkulären Risiken

Die National Association of Insurance Commissioners (NAIC), ein einflussreicher Branchenverband, der bei der Festlegung von Kapitalstandards mitwirkt, warnte kürzlich ausdrücklich vor den Risiken der „Vernetzung" und „zirkulären" Risiken. Gemeint ist damit die Gefahr, die entsteht, wenn Versicherer hochstrukturierte, intern generierte Investitionen erwerben – und dabei möglicherweise die Auszahlungen an Versicherungsnehmer gefährden.

Die Ermittlungen gegen Walter gelten als die profilierteste Untersuchung dieser Art, dürften aber nicht die letzte bleiben. Für deutsche Privatanleger und Versicherungskunden ist das Thema relevant, da auch europäische Versicherer zunehmend in alternative Anlageklassen investieren und ähnliche Strukturen entstehen könnten.

Ein weiteres Problem liegt in der Bewertungspraxis: Investitionen von Versicherern werden zunächst von Ratingagenturen bewertet, doch nicht alle Agenturen sind gleichermaßen streng. Einige Versicherer könnten sich nach dem günstigsten Rating umsehen, während andere ihre Reputation schützen, indem sie auf höchste Qualitätsstandards setzen.

Bis diese Unklarheiten beseitigt sind, bleibt die Botschaft der Aufsichtsbehörden klar: Kunden und Regulatoren müssen wachsam bleiben. Die Frage, ob die Jagd nach Renditen und Gebühren langfristig auf Kosten der Versicherungsnehmer geht, ist noch nicht beantwortet.

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