Wall Street: Starkes Quartal trotz schwachem Monatsabschluss im Juni
Technologiewerte treiben die US-Börsen an – alle drei großen Indizes verbuchen die stärksten prozentualen Quartalsgewinne seit Jahren.

Die Wall Street schloss den Monat Juni mit Verlusten ab, blickt aber auf ein glänzendes Quartal zurück. Technologiewerte – allen voran Chip-Aktien – gaben den Märkten am letzten Handelstag des Quartals Auftrieb. Der S&P 500, der Nasdaq und der europäische STOXX 600 erzielten dank der Stärke im Bereich Künstliche Intelligenz die größten prozentualen Quartalsgewinne seit Jahren.
Besonders stark zeigten sich Halbleiterwerte: SanDisk, AMD, Marvell und Intel legten zwischen 6,0 % und 10,9 % zu und führten damit die Sektorgewinne an. Die KI-getriebene Nachfrage nach Chips bleibt damit ein zentraler Wachstumstreiber an den Aktienmärkten – sowohl in den USA als auch in Europa.
Devisen, Anleihen und Rohstoffe im Überblick
Am Devisenmarkt setzte der US-Dollar seinen Aufwärtstrend fort, während der japanische Yen auf ein 40-Jahres-Tief rutschte. Bei den Anleihen stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen, wobei die Rendite der 10-jährigen Benchmark-Anleihe dennoch vor einem monatlichen Rückgang steht – ein Signal, das Anleger genau beobachten.
Die Ölpreise veränderten sich kaum, verzeichneten jedoch den stärksten Quartalsverlust seit 2020. Gold musste ebenfalls Federn lassen und verbuchte den größten Quartalsverlust seit 13 Jahren. Für Rohstoffinvestoren war das zweite Quartal damit ausgesprochen enttäuschend.
Ausblick auf die zweite Jahreshälfte 2026
Die Aktienmärkte haben ein gutes erstes Halbjahr hinter sich. Um die Rallye jedoch fortzusetzen, müssen die Märkte laut Analysten eine Reihe von Tests bestehen. Dazu zählen die Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben, hohe Gewinnerwartungen sowie sich ändernde Zinserwartungen unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.
Geopolitische Faktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Jared Kushner und Gesandter Steve Witkoff trafen am Dienstag in Doha ein, nachdem Luftangriffe am Wochenende das Interimsabkommen vom 17. Juni zwischen den USA und dem Iran belastet hatten. Ein hochrangiges Treffen mit dem Iran steht zwar nicht auf der Tagesordnung, technische Fragen zur regionalen Sicherheit werden jedoch diskutiert.
USMCA: Trump kündigt Ausstieg aus Nordamerika-Handelsabkommen an
Ein weiteres marktrelevantes Thema: US-Präsident Trump soll bekannt geben, dass die Vereinigten Staaten das US-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA) nicht verlängern werden. Damit beginnt eine zehnjährige Frist für das Auslaufen der 32 Jahre alten nordamerikanischen Freihandelszone. Die Erklärung leitet eine sechsjährige Überprüfungsphase ein, die Teil einer während Trumps erster Amtszeit ausgehandelten „Sunset-Klausel" ist.
Für die Märkte könnte dies mittelfristig Unsicherheit bedeuten, da die drei Nationen weiterhin über vorgeschlagene Änderungen am Pakt beraten. Kurzfristig dürfte die Ankündigung jedoch wenig an den laufenden, strittigen Verhandlungen ändern.
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Zur AktienanalyseAuch makroökonomische Daten aus Europa sorgten für Aufmerksamkeit: Die deutsche Inflation kühlte sich im Juni ab, das Kernpreiswachstum blieb stabil – was Sorgen über kriegsbedingten Preisdruck milderte. Zudem erwägt die Europäische Zentralbank (EZB), den Anteil der Barmittel zu verdoppeln, den Kreditgeber als Reserve halten müssen.
Was die Märkte morgen bewegen könnte
Anleger sollten folgende Ereignisse im Blick behalten:
- Entwicklungen im Nahen Osten
- Fed-Vorsitzender Kevin Warsh nimmt an einer geldpolitischen Podiumsdiskussion beim EZB-Forum teil
- US-ADP-Beschäftigungsbericht für Juni
- US-Challenger-Stellenabbau (Juni)
- US-Bauausgaben (Mai)
- PMI-Berichte für die Eurozone und Großbritannien (Juni)
- Verbrauchervertrauen in Japan (Juni)
Das Marktumfeld bleibt damit vielschichtig: Starke Quartalszahlen und KI-Euphorie treffen auf geopolitische Risiken, Handelsunsicherheiten und eine neue Führung bei der US-Notenbank.


