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Wall Street reagiert auf Zinserhöhung

Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

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Wall Street reagiert auf Zinserhöhung

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat angekündigt, die Inflation durch höhere Zinsen bekämpfen zu wollen. Allerdings hat diese Entscheidung bei den Anlegern an der Wall Street eher schlechte Stimmung ausgelöst. Nachdem der Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten noch als vernünftiger Kompromiss mit Kursgewinnen quittiert wurde, traten die nachfolgenden Äußerungen von Notenbankchef Jerome Powell eine Verkaufswelle an der Wall Street los. Der Dow Jones schloss 1,6 Prozent tiefer und auch die Technologiewerte gingen daraufhin in die Knie. Der Nasdaq 100 verlor knapp 1,4 Prozent. Die Aussage von Finanzministerin Janet Yellen vor dem Senat, dass eine "pauschale" Einlagensicherung zur Stabilisierung des Bankensystems kein Thema sei, trübte ebenfalls die Stimmung.

Auch der deutsche Markt war im Vorfeld des Zinsentscheids um 19 Uhr deutscher Zeit vorsichtiger geworden. Der DAX schloss zwar bescheidene 0,14 Prozent höher, konnte damit aber noch die gestrige Erholungsbewegung fortsetzen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich ebenfalls noch nicht am Ende ihres Zinspfades. Bundesbankpräsident Joachim Nagel unterstrich, dass die EZB Rufen nach baldigen Zinssenkungen widerstehen müsse, wenn der Zinsgipfel erst einmal erreicht sei. Ansonsten drohe die hohe Teuerung wieder aufzuflammen. Die EZB hatte ihren Leitzins in der vergangenen Woche erneut deutlich um 0,5 Prozentpunkte angehoben.

Die deutsche Wirtschaft hat die befürchtete Rezession laut den "Wirtschaftsweisen" gerade noch abgewendet. Besonders wegen der stabileren Energieversorgung hat sich der Ausblick leicht aufgehellt, teilte das Gremium heute in seiner aktualisierten Konjunkturprognose mit. Insgesamt bleibt die Lage jedoch angespannt. Im laufenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt nach Ansicht der "Wirtschaftsweisen" um 0,2 Prozent wachsen. Zuvor waren sie davon ausgegangen, dass es um denselben Wert schrumpfen würde. Für das kommende Jahr rechnen sie mit einem Wachstum von 1,3 Prozent.

Der Goldpreis konnte sich nach dem Zinsentscheid wieder über 1965 Dollar pro Feinunze befestigen. Zuletzt war die Notierung wieder etwas zurückgefallen, nachdem sie im Zuge der Banken-Turbulenzen um fast zehn Prozent angezogen war. Aktien aus dem Immobiliensektor verloren europaweit. Der Sektorindex Stoxx Europe 600 Real Estate knüpfte mit einem Abschlag von über zwei Prozent an seine Vortagsschwäche an und markierte ein Tief seit Oktober 2022. Besonders stark war der Kursdruck beim DAX-Konzern Vonovia, dessen Aktie 4,6 Prozent verlor. Sie reagierte auch auf einen negativen Analystenkommentar der US-Bank Morgan Stanley.

Analyst Bart Gysens äußerte sich generell vorsichtig zu kontinentalen europäischen Werten wegen begrenzter Renditen, gefährdeter Mieteinnahmen und häufig zu hoher Schulden. Damit steigt die Gefahr, dass Kapitalerhöhungen notwendig werden könnten. Am Abend wurden auch die Jahreszahlen des Immobilienkonzerns Patrizia veröffentlicht, die das eingetrübte Geschäftsumfeld der Branche bestätigten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel um knapp 39 Prozent auf 78,9 Millionen Euro. Der Gewinn sank wegen höherer Abschreibungen um 85 Prozent auf knapp 7,3 Millionen Euro ab. Trotzdem soll die Dividende um einen Cent auf 33 Cent pro Aktie steigen. Für das laufende Jahr peilt das Management ein Ebitda zwischen 50 bis 90 Millionen Euro an.

Der schwache Auftritt der Immobiliensektors sorgte auch für ein Tief im Sektorindex Stoxx Europe 600 Real Estate, der den zweiten Tag in Folge an seine Vortagsschwäche anknüpfte. Zudem verlor der DAX-Konzern Vonovia 4,6 Prozent, nachdem die US-Bank Morgan Stanley in einem negativen Analystenkommentar ihre Bedenken bezüglich der begrenzten Renditen, der gefährdeten Mieteinnahmen und der häufig zu hohen Schulden bei kontinentaleuropäischen Werten äußerte. Die Gefahr von Kapitalerhöhungen steigt damit weiter an.

Auch der weltgrößte Videospiele-Anbieter Tencent konnte nicht von positiven Entwicklungen berichten. Das Unternehmen musste erstmals in seiner Firmengeschichte einen Umsatzrückgang verzeichnen. Die Wirtschaftsflaute in China und behördliche Einschränkungen für sein Gaming-Geschäft haben dem Betreiber der Messaging-Plattform WeChat zu schaffen gemacht. Der Umsatz fiel um ein Prozent auf 554,55 Milliarden Yuan (74,6 Milliarden Euro). Der Gewinn sank um 16 Prozent auf 188,24 Milliarden Yuan.

Insgesamt gab es am Dienstag keine erfreulichen Nachrichten für die Anleger. Der schwache Auftritt des Immobiliensektors, der Umsatzrückgang bei Tencent und die Vorsicht der Fed bezüglich der Inflation und der Zinsentwicklung ließen die Aktienmärkte weltweit fallen. Die Börsenexperten befürchten eine Fortsetzung dieser Entwicklung, da die Auswirkungen der Pandemie und der damit einhergehenden Einschränkungen weiterhin zu spüren sind.

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