Wall Street legt vor erster Fed-Entscheidung unter Warsh zu
Chip-Aktien erholen sich, Anleger warten gespannt auf Zinsentscheid und erste Pressekonferenz des neuen Fed-Chefs.

Die wichtigsten US-Indizes haben am Mittwoch in einem volatilen Handel leicht zugelegt. Treiber der Bewegung waren vor allem Chip-Aktien, die sich spürbar erholten – und das ausgerechnet vor der ersten geldpolitischen Entscheidung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Um 09:41 Uhr Ortszeit stieg der Dow Jones Industrial Average um 77,71 Punkte oder 0,15 Prozent auf 52.070,81 Zähler, der S&P 500 legte um 8,14 Punkte oder 0,11 Prozent auf 7.519,49 Punkte zu, und der Nasdaq Composite gewann 89,53 Punkte oder 0,35 Prozent auf 26.466,52 Zähler.
Besonders stark zeigten sich Halbleiterwerte: Broadcom, Micron Technology, Advanced Micro Devices und Intel stiegen zwischen 2,5 und 4 Prozent. Der Technologiesektor des S&P 500 legte insgesamt um 1,2 Prozent zu, während der Philadelphia SE Semiconductor Index um 3,5 Prozent vorrückte. Damit setzten die Chip-Titel einen deutlichen Kontrapunkt zum gemischten Gesamtbild des Marktes.
Gemischtes Bild: Kommunikation und Software unter Druck
Sieben der elf wichtigsten Sektoren des S&P 500 notierten schwächer. Die Kommunikationsdienstleister führten die Verluste an, nachdem Meta und Alphabet um 2,2 beziehungsweise 1,6 Prozent nachgaben. Auch Software-Aktien standen erneut unter Druck: Adobe, Salesforce und Atlassian verloren zwischen 1,2 und 2,3 Prozent.
Die Volatilität an der Wall Street folgt auf eine kräftige Rally am Montag. Auslöser war die Ankündigung von Präsident Donald Trump über ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran, das die Ölpreise einbrechen ließ und Inflationssorgen dämpfte. Allerdings blieb eine gewisse Unsicherheit bestehen, da Trump erklärte, die Absichtserklärung sei nicht endgültig und er die Bombardierungen wieder aufnehmen könne.
Die Ölpreise bewegten sich nahe einem Dreimonatstief, gestützt durch die Hoffnung, dass das Abkommen den Öltransport durch die strategisch wichtige Straße von Hormus ermöglichen würde. US-Aktien haben sich damit teilweise von einem Einbruch Anfang Juni erholt, wobei der Dow in den letzten beiden Sitzungen sogar Rekordhochs erreichte.
Fed-Entscheidung und Warsh im Fokus
Der zentrale Blickpunkt des Tages ist die geldpolitische Entscheidung der US-Notenbank Fed, die um 14:00 Uhr Ortszeit erwartet wird. Es wird allgemein damit gerechnet, dass die Währungshüter die Zinssätze in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent unverändert lassen. Die Notenbank kämpft weiterhin mit dem Inflationsdruck, der durch kriegsbedingt gestiegene Ölpreise im Nahen Osten entstanden ist.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der ersten Pressekonferenz des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Anleger erhoffen sich Einblicke in seine Einschätzungen zu Inflation, Arbeitslosigkeit und den Wirtschaftsaussichten. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen, die als globale Benchmark für Kreditkosten gilt, stieg leicht auf 4,43 Prozent.
Jeff Buchbinder, Chef-Aktienstratege bei LPL Financial, kommentierte die Lage: „Das Letzte, was Warsh tun möchte, ist, die 10-jährige Rendite deutlich nach oben zu treiben. Für die Märkte ist es enorm wichtig, dass die 10-jährige Rendite unter 4,5 bleibt, besonders jetzt, da die Ölpreise niedriger sind." Buchbinder ergänzte: „Erwarten Sie also keine schnellen Schritte in diese Richtung. Und natürlich muss er die Zustimmung des Ausschusses gewinnen. Das wird also ein sehr langer, langwieriger Prozess sein."
Einzelhandelsumsätze überraschen positiv
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Zur AktienanalyseAuf der Konjunkturseite überraschten die US-Einzelhandelsumsätze positiv: Sie stiegen im Mai um 0,9 Prozent, nach einem nach unten korrigierten Plus von 0,4 Prozent im April. Ökonomen hatten lediglich einen Anstieg von 0,5 Prozent erwartet. Das Census Bureau des Handelsministeriums veröffentlichte die Daten am Mittwoch.
Allerdings warnen Analysten vor einer Verlangsamung: Das Polster, das Verbraucher durch höhere Steuerrückerstattungen hatten, schwindet aufgrund steigender Kosten. Händler gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen über weite Teile des Jahres stabil halten wird. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember bei fast 43 Prozent.
Abseits der großen Indizes gab es weitere bemerkenswerte Einzelbewegungen: Die Aktien von Elon Musks SpaceX stiegen um 1,6 Prozent, nachdem das Unternehmen am Dienstag den Marktwert von Amazon übertroffen hatte und zum fünftwertvollsten Unternehmen aufgestiegen war. Die CME Group hingegen verlor 5 Prozent, nachdem der Börsenbetreiber mitteilte, dass CEO Terry Duffy am 1. März zurücktreten und in die Rolle des Executive Chairman wechseln wird.


