Wall Street: Anleger setzen wieder auf US-Aktien und Tech-Werte
Nach dem Juli-Ausverkauf kehrt der Optimismus zurück – S&P 500 auf Rekordhoch, Banken heben Kursziele an.

Anleger setzen wieder verstärkt auf bullishe Wetten bei US-Aktien. Die Ängste, die im Juli den Ausverkauf bei Chip-Aktien ausgelöst hatten, weichen einer neuen Kauflaune – insbesondere im Technologiesektor, wo die Strategie „Buy the Dip" wieder Hochkonjunktur hat.
Der S&P 500 hat im August bislang rund 4 Prozent zugelegt und notierte diese Woche auf einem Rekordhoch von knapp über 7.800 Punkten. Der technologielastige Nasdaq 100 hat sich kräftig erholt, nachdem er im vergangenen Monat kurzzeitig in eine Korrektur geraten war. Er notiert nun innerhalb von 2,5 Prozent seines eigenen Höchststandes vom Juni.
Banken heben Kursziele für den S&P 500 an
Citibank und JPMorgan haben diese Woche ihre Ziele für den S&P 500 angehoben, nachdem eine außergewöhnliche Berichtssaison für das zweite Quartal an der Wall Street für neuen Optimismus gesorgt hat. Scott Chronert, Leiter der US-Aktienstrategie bei Citi, hob sein Jahresendziel auf 8.100 Punkte an. Das Gewinnwachstum sei „unheimlich" gewesen, sagte er. „Ein solches Ausmaß an positiven Überraschungen gegenüber dem Konsens sieht man selten, wenn überhaupt jemals."
JPMorgan hob sein Jahresendziel für den S&P 500 von 7.800 auf 8.000 Punkte an. Das entspräche einem weiteren Anstieg des Index um 2,6 Prozent für den Rest des Jahres und würde sein Jahresplus auf 16,5 Prozent bringen. Dubravko Lakos-Bujas, globaler Leiter der Marktstrategie bei JPMorgan, schrieb in einer Mitteilung an Kunden, dass „das Gewinnbild am US-Aktienmarkt stark bleibt und breit über mehrere Sektoren gestreut ist".
Die Nachfrage nach US-Informationstechnologie-Aktien ist laut Depotdaten von State Street, die mehr als 50 Billionen US-Dollar an institutionellen Geldern abbilden, im vergangenen Monat wieder auf ein Fünfjahreshoch gestiegen. Michael Metcalfe, Leiter der Makrostrategie bei State Street, kommentierte: „Die Tatsache, dass die Gewinne trotz des geopolitischen und wirtschaftlichen Rauschens so stark geblieben sind, bestärkt die Ansicht, dass es sich hierbei eher um einen strukturellen als um einen zyklischen Handel handelt."
Chip- und Tech-Aktien führen die Erholung an
Die Berichtssaison trug dazu bei, die Befürchtungen der Anleger zu zerstreuen, dass eine fulminante Rallye bei Halbleiteraktien übertrieben gewesen sei. Der globale Chipsektor war im Juli von einem heftigen Ausverkauf getroffen worden, als populäre Momentum-Trades von Hedgefonds scheiterten. Nun führen Chip- und Speicheraktien die Erholung an.
Besonders deutlich zeigt sich dies an einzelnen Titeln: Super Micro Computer legte im August um 37 Prozent zu, das Speicherunternehmen Sandisk stieg um 33 Prozent. Die Cloud-Computing-Gruppen CoreWeave und Nebius sind in den letzten zwei Wochen beide um mehr als 40 Prozent gestiegen. Die Chiphersteller Micron und Intel haben jeweils rund 15 Prozent zugelegt.
Die Unternehmen im S&P 500 meldeten für das zweite Quartal einen Gewinnanstieg von mehr als 50 Prozent. Ohne die Anlagegewinne von Amazon und Alphabet sinkt dieser Wert auf etwa 30 Prozent – immer noch ein beeindruckendes Ergebnis. Kevin Gordon, Leiter der Makroanalyse und -strategie bei Charles Schwab, sagte dazu: „Ich denke, das ist einfach die neue Normalität in Bezug darauf, wie stark dieser Sektor [Technologie] den Index beeinflussen kann."
Rückkehr zu bullishen Positionen weckt auch Sorgen
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Zur AktienanalyseZusätzlichen Rückenwind erhielt der Markt durch neue Inflationsdaten aus den USA, die einen Rückgang der Teuerungsrate zeigten. Händler reduzierten daraufhin ihre Wetten auf höhere Zinssätze. Gleichzeitig sind die Ölpreise von ihrem Höchststand im letzten Monat von 100 US-Dollar pro Barrel auf rund 88 US-Dollar zurückgegangen.
Als weiteres Zeichen für die Rückkehr des Optimismus stürzte der Skew-Index für den S&P 500 – der den Kostenunterschied zwischen der Absicherung gegen einen starken Markteinbruch und dem Kauf einer Option, die von einer Rallye profitieren würde, misst – laut Cboe Anfang August auf ein Einjahrestief. Mandy Xu, Leiterin der Derivatemarktanalyse bei Cboe, sagte, Anleger hätten „Absicherungen verkauft und seien in Call-Optionen umgeschichtet, um der Rallye hinterherzujagen".
Die schnelle Rückkehr zu bullishen Positionen hat jedoch auch kritische Stimmen auf den Plan gerufen. Henry Allen, Makrostratege bei der Deutschen Bank, warnte: „Im Moment preisen die Märkte eine Goldilocks-Kombination ein, bei der das Wachstum stark bleibt, die Zentralbanken die Zinsen nur geringfügig anheben, sich die Angebotsschocks aus der Nahost-Krise als vorübergehend erweisen und die Ölpreise wieder sinken." Ob diese optimistische Kombination tatsächlich eintritt, bleibt für den Rest des Jahres die entscheidende Frage.

