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Waffenstillstand beflügelt Wall Street – aber Risiken bleiben erheblich

S&P 500 und Nasdaq feiern siebten Gewinntag in Folge, während Öl Richtung 100 Dollar klettert und Inflation droht.

Waffenstillstand beflügelt Wall Street – aber Risiken bleiben erheblich

Die US-Aktienmärkte haben am Donnerstag erneut zugelegt. Der S&P 500 und der Nasdaq verzeichneten ihren siebten Tagesgewinn in Folge – eine Serie, die es zuletzt im August 2024 gab. Auslöser der Euphorie ist die Hoffnung, dass der fragile Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran auch auf Israel und den Libanon ausgeweitet werden könnte.

Die drei großen Wall-Street-Indizes stiegen zwischen 0,6 % und 0,8 %. Neun der elf S&P-500-Sektoren legten zu, angeführt von zyklischen Konsumgütern, Industriewerten und Kommunikationsdienstleistungen. Besonders stark schnitten Brown-Forman (+13 %), Amazon (+5,6 %), Intel (+5 %) und Nike (+2 %) ab. Lediglich der Energiesektor gab um 1 % nach – trotz steigender Ölpreise.

Ölpreis auf dem Weg zu 100 Dollar

Der Rohölmarkt sendet unterdessen deutliche Warnsignale. Brent-Öl verteuerte sich um 1 %, WTI sogar um 3,5 %, und der Preis nähert sich der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar pro Barrel. Physisches europäisches und afrikanisches Rohöl erreichte ein Rekordhoch. Die Straße von Hormus ist laut Berichten fast zum Stillstand gekommen, nachdem der Iran Schiffe gewarnt hat, in seinen Gewässern zu bleiben.

Der Dollar fiel den vierten Tag in Folge. Zu den größten Gewinnern unter den G10-Währungen zählten der australische Dollar, der neuseeländische Dollar und die norwegische Krone. Auch Schwellenländerwährungen wie der brasilianische Real und der chilenische Peso legten zu. Gold stieg um 1 %.

Inflation und Wachstum bereiten Sorgen

Hinter der Markteuphorie verbergen sich ernüchternde Fundamentaldaten. Die für Freitag erwarteten US-Inflationszahlen (VPI) sollen zeigen, dass die jährliche Gesamtinflation im vergangenen Monat auf 3,3 % gestiegen ist – ein deutlicher Sprung gegenüber 2,4 % im Februar und der höchste Stand seit fast zwei Jahren. Da Öl rund 65 % teurer ist als vor einem Jahr, gilt eine Inflation von 4 % als wahrscheinlicher als das 2 %-Ziel der US-Notenbank Fed.

Auch beim Wirtschaftswachstum trübt sich das Bild ein. Die BIP-Schätzung der Atlanta Fed (GDPNow) für das erste Quartal ist auf 1,3 % gesunken. Das BIP für das vierte Quartal wurde zudem nach unten auf 0,5 % korrigiert. Zwar zeigen einige Umfragedaten aus dem März noch eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft, doch die harten Daten zeichnen ein weniger optimistisches Bild.

KI-Sektor unter Druck – Softwareaktien brechen ein

US-Softwareaktien gerieten am Donnerstag unter Druck, nachdem das KI-Unternehmen Anthropic die breite Veröffentlichung eines leistungsstarken KI-Modells zurückgehalten hat. Grund sind Bedenken, das Modell könnte verborgene Cybersicherheitslücken offenlegen. Softwareaktien haben in diesem Jahr bereits rund 25 % verloren, während der breitere Technologiesektor nur um 4 % gefallen ist.

IWF-Chefin Kristalina Georgieva erklärte unterdessen, dass KI die Produktivität um bis zu 0,8 % steigern, aber gleichzeitig 60 % aller Arbeitsplätze in entwickelten Volkswirtschaften beeinflussen könnte. Eine Aussage, die Anleger und Arbeitnehmer gleichermaßen beschäftigen dürfte.

Berichtssaison mit hohen Erwartungen

Die US-Berichtssaison für das erste Quartal nimmt nächste Woche Fahrt auf. Der LSEG I/B/E/S-Konsens prognostiziert einen Gewinnanstieg von 14,4 %, angeführt vom Technologiesektor mit einem erwarteten Ertragsplus von 46 %. Sollten diese Prognosen erfüllt werden, würde der Tech-Sektor allein 75 % des gesamten Anstiegs der Dollar-Gewinne ausmachen.

Bemerkenswert ist dabei, dass der Bewertungsaufschlag von Tech-Werten gegenüber dem breiteren Markt auf ein 7-Jahres-Tief gefallen ist. Der Nasdaq liegt wieder über seinem Vorkriegsniveau – ob der Optimismus also gerechtfertigt ist, werden die kommenden Wochen zeigen.

Als mögliche Kurstreiber für die nächsten Handelstage gelten vor allem weitere Entwicklungen im Nahen Osten, Bewegungen am Energiemarkt sowie mögliche Social-Media-Posts von US-Präsident Trump. Aus dem Makrokalender stehen zudem der neuseeländische PMI für das verarbeitende Gewerbe, die taiwanesische Handelsbilanz sowie chinesische Erzeugerpreisdaten auf dem Programm.

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