Wachstumsfonds unter Druck: Die Top-Fonds des Jahres straucheln
Nach starken Gewinnen im ersten Halbjahr 2026 geraten Technologie- und Wachstumsfonds zunehmend unter Druck.

Das Jahr 2026 hat Anlegern bislang eine Achterbahnfahrt beschert. Während einige der volatilsten Fonds im ersten Halbjahr beeindruckende Gewinne erzielten, zeigt sich nun die Kehrseite: Wer am schnellsten steigt, fällt oft auch am tiefsten. Besonders Wachstums- und Technologiefonds spüren den Gegenwind.
Das erste Quartal stand ganz im Zeichen der Energiefonds. Auslöser war der sprunghafte Anstieg der Ölpreise infolge des US-israelischen Angriffs auf den Iran. Der Schroder ISF Global Energy C Dis GBP AV erzielte dabei eine Dreimonatsrendite von bemerkenswerten 43,1 Prozent. Der WS Guinness Global Energy I Acc folgte mit einem Plus von 40,6 Prozent dicht dahinter. Nach der Ankündigung eines Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran erholten sich die Aktienmärkte im April deutlich, und die positive Dynamik hielt den gesamten Mai über an.
Technologiefonds dominieren das zweite Quartal
Im zweiten Quartal übernahmen Technologiefonds die Führung. Sie profitierten von der erneuten Begeisterung für künstliche Intelligenz (KI) und die Unternehmen, die die dafür benötigte Hardware herstellen. An der Spitze der Rangliste stand der Barings Korea I GBP Acc mit einer Dreimonatsrendite von 73,5 Prozent. Der Fonds war bereits im Januar der stärkste Performer und schloss das erste Halbjahr mit einem Gesamtgewinn von über 100 Prozent ab.
Der Barings Korea Fonds ist im Sektor „Specialist" angesiedelt, hält jedoch einige der weltweit größten Technologieunternehmen – darunter Samsung Electronics und SK hynix. Beide Unternehmen profitierten davon, dass US-Technologieriesen ihre Ausgaben für KI-Rechenzentren massiv erhöhten, was die Nachfrage nach Speicherchips aus Korea ankurbelte. Die nächsten fünf Fonds in der Rangliste stammten aus dem Sektor „Technology & Technology Innovation". Auch der Polar Capital Smart Energy I Acc GBP, der in Elektrifizierung, Leistungshalbleiter, Netzinfrastruktur, Energiespeicherung und Energieeffizienz investiert, zählte zu den Top-Performern.
Stimmungswechsel im Juli: Rückschläge auf breiter Front
Der Juli erweist sich als deutlich herausfordernder. In der vergangenen Woche verlor der Barings Korea Fonds allein rund 10 Prozent. Gleichzeitig ist der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran zusammengebrochen: Die USA haben die Bombardierung des Irans wieder aufgenommen, während der Iran mit Angriffen auf US-Stützpunkte und Verbündete am Golf reagiert. Die Ölpreise steigen erneut, und die Risikobereitschaft der Anleger schwindet spürbar.
Parallel dazu hat sich die Stimmung gegenüber Technologieaktien abgekühlt. Anleger hinterfragen zunehmend, ob die KI-getriebene Rallye zu weit und zu schnell gelaufen ist. Die Sorge: Bewertungen sind so hoch, dass selbst starke Quartalsergebnisse die Kurse möglicherweise nicht weiter treiben können. Hinzu kommt die Frage, wie lange es dauern wird, bis sich die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur in konkreten Unternehmensgewinnen niederschlagen.
Diese Situation ist nicht ohne Präzedenz. Der Technologiesektor erlebte bereits im November 2025 einen Einbruch aufgrund von Befürchtungen über eine KI-Blase, erholte sich jedoch bald wieder. Ähnliches wiederholte sich im März 2026, verschärft durch den Iran-Konflikt – auch damals folgte eine Erholung.
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Zur AktienanalyseKaufgelegenheit oder Warnsignal?
Für Anleger stellt sich nun die entscheidende Frage: Handelt es sich um eine vorübergehende Korrektur oder um den Beginn einer nachhaltigeren Trendwende? Wer überzeugt ist, dass KI eine revolutionäre Technologie ist, die erst am Anfang ihrer Entwicklung steht, findet aktuell deutlich günstigere Einstiegskurse als noch Ende Juni. Auf der anderen Seite könnten Anleger, die diese Fonds bereits länger halten, feststellen, dass die Positionen zu einem unangenehm großen Anteil ihres Gesamtportfolios angewachsen sind.
In solchen Situationen kann eine Teilgewinnmitnahme sinnvoll sein. Der legendäre Börsenspekulant Jesse Livermore formulierte es treffend: „Wenn Sie nachts wegen Ihrer Börsenposition nicht schlafen können, sind Sie zu weit gegangen. Verkaufen Sie in diesem Fall Ihre Position bis zum Schlafpunkt." Saltydog Investor, der Verfasser dieser Analyse, hat eigenen Angaben zufolge seine Position im Polar Capital Global Technology Fonds Anfang Juli etwa halbiert – nach einer Haltedauer von etwas mehr als einem Jahr.


