VW-Krise: Aufsichtsrätin lehnt Werksschließungen als Strategie ab
Niedersachsens Vize-Regierungschefin Julia Willie Hamburg warnt: Werksschließungen lösen die akute VW-Krise nicht – und wirken frühestens 2030.

Beim angeschlagenen Volkswagen-Konzern wächst der Widerstand gegen radikale Sparpläne. Julia Willie Hamburg, Niedersachsens stellvertretende Ministerpräsidentin und VW-Aufsichtsrätin, stellt sich klar gegen mögliche Werksschließungen. „Einfach nur Werke zu schließen, wäre viel zu kurz gesprungen. Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie", sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
Auslöser der Debatte ist ein Bericht des „Manager Magazin", wonach VW seinen Sparkurs massiv verschärfen will. Demnach könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen – doppelt so viele wie bisher geplant. Vier deutsche Werke sollen konkret auf der Kippe stehen: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Transformation ja – aber mit Substanz
Hamburg räumt die schwierige Lage des Konzerns offen ein. Den notwendigen Wandel stellt sie dabei nicht infrage: „Im Gegenteil: Volkswagen muss sich verändern." Allerdings müsse die Transformation den Konzern „nachhaltig wettbewerbsfähiger machen und an seine Stärken anknüpfen – nicht seine industrielle Substanz schwächen."
Als Alternative zu Schließungen verweist die Aufsichtsrätin auf ungenutzte Synergien innerhalb des Konzerns. Aufgrund seiner vielschichtigen Konzernstruktur verfüge VW über erhebliche Potenziale, Prozesse zu vereinfachen, Doppelstrukturen abzubauen und die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Marken zu verbessern. „Da liegt doch der eigentliche Hebel, auch wirklich Kosten zu senken", so Hamburg.
Darüber hinaus fordert sie mehr Innovationskraft: „Entscheidend ist aber vor allem, dass der Konzern wieder mit innovativen Produkten überzeugt. Genau daraus sind die großen Erfolge von Volkswagen immer entstanden." VW müsse weiter in Zukunftstechnologien investieren – von moderner Antriebstechnik über Software bis hin zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
Werksschließungen wirken frühestens 2030
Ein zentrales Argument Hamburgs gegen Fabrikschließungen ist der fehlende kurzfristige Effekt. „Werksschließungen wirken, wenn überhaupt, frühestens 2030. Das ist nicht die Antwort auf die akute Krise, die wir jetzt gerade haben", betonte sie. Stattdessen fordert sie vom Vorstand strukturierte, geprüfte und tatsächlich umsetzbare Lösungen.
Relevant für Anleger ist dabei auch der tarifliche Rahmen: Im Dezember 2024 hatten IG Metall und Volkswagen nach zähen Verhandlungen eine Beschäftigungssicherung für alle deutschen Standorte bis 2030 vereinbart, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Sollte VW diese Vereinbarung aufkündigen, droht eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro – ein erhebliches finanzielles Risiko für den Konzern.
Niedersachsen mit Vetorecht im Aufsichtsrat
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Zur AktienanalyseDie öffentliche Debatte über mögliche Schließungen sorgt laut Hamburg bereits für „massive Verunsicherung an den Standorten". Die Landesregierung wolle dieser Verunsicherung aktiv begegnen, das Gespräch suchen und Sorgen der Beschäftigten ernst nehmen.
Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte im VW-Konzern. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern verfügt es damit über eine Mehrheit im Aufsichtsrat. Bei wichtigen strategischen Entscheidungen steht dem Land zudem ein Vetorecht zu – ein mächtiges Instrument, das Schließungspläne erheblich erschweren dürfte.
Hamburg mahnte abschließend zur Vorsicht vor einem dauerhaften Verlust industrieller Kapazitäten: „Wenn eine Industrie einmal verloren gegangen ist, kommt sie nicht so schnell wieder. Das kann nicht unser Interesse sein, weder von Volkswagen als Konzern noch von uns als Land Niedersachsen."


