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Vorläufige Beruhigung am Ölmarkt trügerisch

Iran hat großen Einfluss auf globale Ölversorgung

Vorläufige Beruhigung am Ölmarkt trügerisch

Die Ölpreise sind in den letzten Wochen aufgrund der Eskalation des Konflikts zwischen Israel und militanten Palästinensern deutlich gestiegen. Zeitweise kostete die für Europa wichtige Nordseesorte Brent fast 94 US-Dollar pro Barrel. Seit Wochenbeginn ist der Preis allerdings wieder gesunken, da einige Marktteilnehmer die Möglichkeit einer Deeskalation sehen.

Laut einer Mitteilung des Weißen Hauses haben sich die USA und Saudi-Arabien darauf geeinigt, ihre diplomatischen Bemühungen fortzusetzen, um die Stabilität in der Region zu erhalten. Danach fiel der Brent-Preis zeitweise auf unter 88 Dollar pro Barrel.

Trotz dieser vorläufigen Entspannung wird der Ölpreis weiterhin stark von den Entwicklungen im Nahen Osten abhängig bleiben und volatil sein. Das hängt insbesondere mit der Rolle des Iran zusammen. Der Iran gilt als wichtigster Unterstützer der radikalislamischen Hamas. Im September war der Iran zudem drittgrößter Ölproduzent innerhalb der OPEC und steuerte rund 11 Prozent zur gesamten Fördermenge bei.

Die Rohölproduktion des Landes lag im August und September auf einem Fünfjahreshoch von über 3,1 Millionen Barrel pro Tag. Das war möglich, weil die USA unter der jetzigen Regierung Sanktionen gegen den Ölsektor nicht mehr so streng überwachen.

Laut Medienberichten wollen US-Senatoren nun aber einen Gesetzesentwurf vorbereiten, um die Sanktionsdurchsetzung zu verstärken. Die USA hatten 2018 nach ihrem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran weitreichende Sanktionen verhängt. Damals drohten sie, Staaten und Firmen zu bestrafen, die weiter iranisches Öl kaufen.

Einer Analyse der Investmentbank Goldman Sachs zufolge exportiert der Iran derzeit rund 400.000 Barrel Öl pro Tag mehr als noch 2021. Gegenüber 2020 sind es sogar über eine Million Barrel mehr. Würden die Sanktionen nun wieder strenger kontrolliert, könnte die iranische Produktion auf rund 2,85 Millionen Barrel sinken.

Laut Analyst Ehsan Khoman von der Bank MUFG liegt der Anstieg der iranischen Exporte aber weniger an der Sanktionspolitik, sondern am steigenden Ölhunger Chinas. Die Lieferungen würden verschleiert und über Mittelsmänner abgewickelt. Nun stelle sich die Frage, ob die USA chinesische Firmen sanktionieren und damit die Krise eskalieren lassen wollen.

Ein Grund für die Lockerung der Sanktionen gegen Venezuela war mutmaßlich die Angst der USA vor weiter steigenden Benzinpreisen. Laut UBS könnte die venezolanische Produktion nun um bis zu 400.000 Barrel pro Tag zulegen. Die Bank of America geht allerdings nur von maximal 200.000 Barrel aus.

Kurzfristig sanken die Ölpreise, nachdem die Strafmaßnahmen gegen Venezuela aufgehoben wurden. Aus Sicht mancher Analysten ist die Gefahr eines weiteren Anstiegs über 100 Dollar aber nicht gebannt. Im schlimmsten Fall könnte der Iran die Straße von Hormus blockieren, über die täglich ein Fünftel des globalen Öls transportiert wird.

Dies hält der Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia von der Hamburger Commercial Bank jedoch für unwahrscheinlich, da es ökonomisch für den Iran keinen Sinn ergebe. Ganz ausschließen lasse sich eine solch irrationale Entscheidung aber nicht. In diesem Fall würden die Preise stark steigen. Bei einem langanhaltenden Niveau von über 150 Dollar sei sogar eine weltweite Rezession möglich.

Die jüngste vorläufige Entspannung am Ölmarkt ist demnach trügerisch. Die weitere Entwicklung hängt stark von der Iran-Politik der USA und möglichen irrationalen Entscheidungen der politischen Führung in Teheran ab. Ein Ende der starken Preisschwankungen am Ölmarkt ist nicht in Sicht. Die Verunsicherung unter Anlegern, Ölfirmen und Verbrauchern dürfte hoch bleiben.

Vieles deutet darauf hin, dass selbst bei einer Deeskalation des aktuellen Konflikts das Risiko für weitere Preisspitzen hoch ist. Denn der Iran hat großen Einfluss auf die globale Ölversorgung und ist ein wichtiger geopolitischer Akteur in der Krisenregion Nahost. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es den USA und anderen Staaten gelingt, die Lage zu beruhigen und den wichtigen Ölmarkt zu stabilisieren.

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