Von der Nordsee ins Weltall
Europas Antwort auf wachsenden Satellitenbedarf

In einem bahnbrechenden Schritt in der Geschichte der Raumfahrt plant Deutschland, ab April 2024 Raketen von einer mobilen Startplattform in der Nordsee zu starten. Die schwimmende Plattform, die sich in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands befindet, liegt etwa 300 Kilometer von Bremerhaven entfernt. Dieses innovative Projekt wird unter dem Dach des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) durchgeführt, wobei BDI-Präsident Siegfried Russwurm die Demo-Mission für 2024 angekündigt hat.
Interessanterweise wird die erste Rakete, die in der Nordsee startet, ein Produkt der niederländischen Firma T-Minus sein. Dieser suborbitale Start bedeutet, dass die Rakete nicht den Weltraum erreichen wird. Dennoch sind die zukünftigen Ambitionen groß: Es ist geplant, europäische Raketen von der Nordsee aus zu starten, die Satelliten in den Weltraum befördern. Im Rahmen der Demo-Kampagne ist der Start von bis zu vier Raketen vorgesehen, die von Unternehmen wie Copenhagen Suborbitals, T-Minus, Space Team Aachen und FAR hergestellt werden.
Sabine von der Recke, die Geschäftsführerin der German Offshore Spaceport Alliance (GOSA), betonte die Einzigartigkeit des Standortes in der Nordsee. Der Standort sei ideal, da er frei von geplanten Entwicklungen wie Offshore-Windparks ist. Das Hauptziel ist es, sogenannte Microlauncher, leichte Trägerraketen, von dort zu starten, die in der Lage sind, Satelliten ins All zu befördern. Diese Raketen werden zunächst an Land, in Bremerhaven, montiert und dann zur schwimmenden Plattform in der Nordsee transportiert.
Ein weiterer Vorteil dieses neuen Raumfahrtbahnhofs in der Nordsee ist die Sicherheit. Da Raketenstarts über bewohntem Gebiet aus Sicherheitsgründen problematisch sind, bietet die Lage in der Nordsee, weit weg von städtischen Gebieten, einen klaren Vorteil. Historisch gesehen waren Raumfahrtzentren weltweit in der Regel nahe der Küste gelegen.
Diese Nordsee-Initiative folgt auf den ersten Weltraumkongress des BDI im Jahr 2019, bei dem die Idee einer privat betriebenen Startplattform vorgestellt wurde. Trotz anfänglicher Skepsis hat eine Machbarkeitsstudie die Realisierung dieses ehrgeizigen Projekts unterstützt.
Deutschland und Europa suchen nach Möglichkeiten, ihren Zugang zum All zu diversifizieren. Das Potential, Raketen von der Nordsee aus zu starten, würde einen unabhängigen Zugang zum Weltraum sicherstellen und den ESA-Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ergänzen.
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Zur AktienanalyseDie Evolution der Satellitentechnologie, bei der Satelliten heutzutage oft nur noch die Größe eines Schuhkartons haben, hat die Raumfahrtindustrie revolutioniert. Diese kleinen Satelliten, die in sogenannten Konstellationen operieren, ermöglichen eine globale Abdeckung.
In diesem Zusammenhang könnten auch die deutschen Verteidigungsinteressen von der neuen Raumfahrtinitiative profitieren. Die Bundeswehr zeigt Interesse am "Responsive Space", bei dem es darum geht, ausgefallene Satelliten schnell zu ersetzen oder neue Kapazitäten in den Weltraum zu bringen, besonders im Licht möglicher Cyberangriffe wie dem Angriff auf einen US-Satelliten zu Beginn des Ukraine-Konflikts.


