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Vollzeit arbeiten, trotzdem kaum über die Runden

Wer wenig verdient, landet im Alter oft in Armut – trotz lebenslanger Erwerbsarbeit

Vollzeit arbeiten, trotzdem kaum über die Runden

Knapp fünf Millionen Vollzeitbeschäftigte in Deutschland verdienen weniger als 2750 Euro brutto im Monat. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch hervor. Rund 20,9 Prozent aller Arbeitnehmer fallen damit in diese Einkommensgruppe. Rechnet man diejenigen hinzu, die unter 3500 Euro verdienen, steigt der Anteil sogar auf 41,6 Prozent oder etwa 9,2 Millionen Menschen.

Besonders in den ostdeutschen Flächenländern ist das Lohnniveau vergleichsweise niedrig. Dort verdienen etwa 60 Prozent der Beschäftigten unter 3500 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern erhalten 36 Prozent der Arbeitnehmer weniger als 2750 Euro. Auch in anderen ostdeutschen Bundesländern sowie in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland liegt der Anteil über 20 Prozent. Hamburg weist mit rund 15 Prozent den geringsten Anteil an Geringverdienern auf.

Die Zahlen werfen Fragen hinsichtlich der finanziellen Absicherung im Alter auf. Nach Angaben der Linken ist ein Bruttolohn von rund 3300 Euro monatlich erforderlich, um im Rentenalter eine gesetzliche Rente oberhalb der Armutsrisikoschwelle zu erreichen. Diese liegt laut Statistischem Bundesamt bei 1378 Euro netto pro Monat. Mehr als jeder vierte Rentner mit mindestens 45 Beitragsjahren zur Rentenversicherung erhält laut Regierungsdaten derzeit weniger als 1300 Euro.

Die gesetzliche Rente macht im Durchschnitt nur 53 Prozent der Bruttoeinkommen von Menschen ab 65 Jahren aus. Weitere Einkommensquellen wie Betriebsrenten, private Vorsorge oder Erwerbseinkommen ergänzen das Alterseinkommen, wobei 19 Prozent der Ruheständler als armutsgefährdet gelten – deutlich mehr als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Die Einkommensspreizung ist erheblich: Während 10 Prozent der Beschäftigten 32.500 Euro oder weniger im Jahr verdienen, kommen 20 Prozent auf 77.000 Euro oder mehr. Ein Prozent der Vollzeitbeschäftigten verdiente im Jahr 2024 sogar über 213.286 Euro brutto.

Bartsch sieht darin ein strukturelles Lohnproblem und wirft der Bundesregierung vor, den Mindestlohn nicht ausreichend anzuheben. Die von der Mindestlohnkommission vorgeschlagene Steigerung auf 14,60 Euro bis 2027 greife aus seiner Sicht zu kurz. Er fordert eine gesetzlich verankerte Untergrenze von 15 Euro pro Stunde.

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