Volkswagen plant Pick-up-Truck und neue US-Strategie
Mit neuer Führung und einem geplanten Pick-up-Truck will VW seinen Marktanteil in den USA deutlich ausbauen.

Volkswagen plant eine grundlegende Neuausrichtung seiner US-Strategie. Laut einer Unternehmensquelle, die Reuters am Freitag informierte, umfasst der Plan eine neue Führungsmannschaft sowie ein überarbeitetes Produktangebot – inklusive eines neuen Pick-up-Trucks. Das Handelsblatt hatte zuerst über die Pläne berichtet. Volkswagen selbst lehnte eine offizielle Stellungnahme ab.
Personell steht ein wichtiger Wechsel bevor: Marco Schubert, bisher Vertriebschef der Premiummarke Audi, wechselt in die Vereinigten Staaten. Er übernimmt die Rolle von Kjell Gruner, der das Unternehmen verlässt. Der Führungswechsel unterstreicht den Ernst der Lage – VW hält derzeit lediglich einen Marktanteil von vier Prozent auf dem US-Automobilmarkt.
Wachstumschancen bei Pick-ups und großen SUVs
Thomas Schäfer, Chef der Marke Volkswagen, sieht erhebliche Wachstumschancen in zwei Segmenten, die der Konzern bislang nicht bedient: Pick-up-Trucks und große SUVs. Beide Fahrzeugkategorien gelten als margenstarke Produkte mit hoher Nachfrage in den USA. Das Ziel laut der Unternehmensquelle: Der erste VW-Pick-up soll noch vor Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen.
Das neue Fahrzeug soll in den USA produziert werden. Volkswagen betreibt bereits ein Werk im amerikanischen Chattanooga im Bundesstaat Tennessee. Dort wurde die Produktion des elektrischen ID.4 Anfang des Jahres eingestellt, nachdem sich die US-Förderbedingungen für Elektrofahrzeuge geändert hatten. Das Werk könnte damit eine neue Bestimmung erhalten.
Der US-Markt bleibt für Anbieter von Pick-ups und SUVs mit Verbrennungsmotor weiterhin äußerst attraktiv. Sowohl Ford als auch General Motors haben ihre Gewinnprognosen für 2026 angehoben – ein klares Signal für die anhaltende Stärke dieser Fahrzeugsegmente jenseits des Atlantiks.
Ford als möglicher Kooperationspartner
Ob Volkswagen den neuen Pick-up in Eigenregie oder gemeinsam mit einem Partner entwickelt, ist noch offen. Eine Entscheidung wird laut der Quelle in den kommenden Wochen und Monaten erwartet. Als möglicher Kandidat für eine Zusammenarbeit gilt Ford – aufgrund der bereits bestehenden Partnerschaft zwischen beiden Automobilherstellern.
Die Kooperation zwischen VW und Ford hat bereits konkrete Früchte getragen: Ford nutzt die MEB-Elektrofahrzeugplattform von Volkswagen für seine Modelle Explorer und Capri, die im Kölner Werk gefertigt werden. Zudem teilen sich der in Südafrika produzierte Volkswagen Amarok und der Ford Ranger bereits eine gemeinsame Fahrzeugplattform – eine solide Basis für eine mögliche Zusammenarbeit auch beim neuen US-Pick-up.
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Zur AktienanalyseKonzernumbau unter Druck
Der Hintergrund der US-Neuausrichtung ist der umfassende Umbau des gesamten Volkswagen-Konzerns. Konzernchef Oliver Blume hat angesichts steigender Kosten und des verschärften Wettbewerbs aus China eine tiefgreifende Restrukturierung angekündigt. Die Eigentümerfamilien erhöhten zuletzt den Druck und unterstützten das Bestreben des Managements nach einer drastischen Neuaufstellung.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die US-Strategie von besonderer Bedeutung: Der amerikanische Markt ist einer der größten und profitabelsten der Welt. Mit einem Marktanteil von nur vier Prozent hat Volkswagen dort noch erhebliches Aufholpotenzial – gerade in den margenstarken Segmenten, die der Konzern bislang nicht besetzt.


