Volksbank Brawo besitzt ein Nobellokal – und wachsende Verluste
Eine Genossenschaftsbank als Gastronom: Die Volksbank Brawo betreibt in Braunschweig ein Sky-Restaurant – mit bemerkenswerten Folgen.

Braunschweig ist eine Reise wert. Die Altstadt, das Residenzschloss mit seiner markanten Quadriga – und offenbar auch ein ganz besonderes Restaurant. Nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt liegt das Lokal „Überland", das mit einem „einzigartigen Sky-Restaurant" wirbt und von seiner Inhaberin als etwas ganz Besonderes angepriesen wird.
Was dabei ins Auge fällt: Die Inhaberin dieses Gastrobetriebs ist keine Restaurantfachfrau, kein Gastronom und kein Hotelier. Es ist eine Bank. Genauer gesagt: die Volksbank Brawo, deren Name sich aus den Städten Braunschweig und Wolfsburg zusammensetzt.
Eine Bank als Gastronom – ein ungewöhnliches Geschäftsmodell
Dass eine Genossenschaftsbank ein Restaurant betreibt, ist für sich genommen schon ungewöhnlich. Dass es sich dabei ausgerechnet um ein sogenanntes Sky-Restaurant handelt, macht die Sache noch bemerkenswerter. Gastronomie und Bankgeschäft gelten in der Finanzbranche als grundverschiedene Welten – mit völlig unterschiedlichen Risikoprofilen, Margen und Anforderungen.
Für Privatanleger und Beobachter des Genossenschaftsbankensektors wirft dieser Umstand Fragen auf. Volksbanken und Raiffeisenbanken sind ihrem Auftrag nach dem Wohl ihrer Mitglieder verpflichtet. Investitionen in gastronomische Betriebe – noch dazu in der gehobenen Kategorie – passen nicht unbedingt in das klassische Bild einer regional verwurzelten Genossenschaftsbank.
Die Volksbank Brawo ist dabei keine kleine Dorfbank. Als Fusion der Volksbanken aus dem Raum Braunschweig und Wolfsburg zählt sie zu den größeren Genossenschaftsinstituten in der Region. Umso mehr fällt auf, wenn ein solches Institut nicht nur Kredite vergibt und Konten führt, sondern auch Tische eindeckt und Speisekarten gestaltet.
Verluste im Blick – wenn Nebenprojekte zur Last werden
Der Originalbericht der Wirtschaftswoche deutet auf immer größer werdende Verluste hin – ein Aspekt, der für Mitglieder der Genossenschaft und Beobachter des regionalen Bankensektors gleichermaßen relevant ist. Genossenschaftsbanken finanzieren sich über ihre Mitglieder und sind diesen gegenüber rechenschaftspflichtig. Verluste aus branchenfremden Aktivitäten wie der Gastronomie können das Vertrauen in das Institut belasten.
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Zur AktienanalyseFür die Leserschaft von aktien.news ist der Fall Volksbank Brawo ein anschauliches Beispiel dafür, wie Diversifikation – ob bei Unternehmen oder Banken – nicht automatisch zu Stabilität führt. Wer sein Kerngeschäft verlässt, trägt neue Risiken. Und die können, wie hier, mit wachsenden Verlusten verbunden sein.
Der Fall zeigt: Auch im Genossenschaftssektor lohnt es sich, genau hinzuschauen – nicht nur auf die Bilanzkennzahlen, sondern auch auf die Frage, womit eine Bank ihr Geld eigentlich verdient. Oder eben nicht verdient.


