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Volatilitätsfonds stoßen US-Aktien im Wert von 108 Milliarden Dollar ab

Systematische Strategien verstärken den Verkaufsdruck am US-Aktienmarkt – das Schlimmste könnte jedoch überstanden sein.

Volatilitätsfonds stoßen US-Aktien im Wert von 108 Milliarden Dollar ab

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie steigende Ölpreise haben Anleger zuletzt stark verunsichert. Besonders auffällig dabei: Systematische Anlagestrategien, die bei steigender Volatilität automatisch Aktien abstoßen, haben den Verkaufsdruck am Markt erheblich verstärkt. Diese sogenannten volatilitätsgebundenen Fonds stehen damit erneut im Fokus der Marktbeobachter.

Zu diesen Strategien zählen Volatilitätskontrollfonds, Commodity Trading Advisers (CTAs) sowie Risk-Parity-Fonds. Sie passen ihr Aktienengagement automatisch an das aktuelle Marktrisiko an – kaufen also bei steigenden Kursen und verkaufen bei fallenden. Dieses Verhalten kann Preisschwankungen in beide Richtungen deutlich verstärken, wie Analysten betonen.

Massive Verkäufe seit Anfang März

Allein in der vergangenen Woche haben diese Strategien Aktien im Wert von 24 Milliarden US-Dollar abgestoßen. Seit Anfang März summieren sich die gesamten Nettoverkäufe laut der japanischen Investmentbank Nomura auf rund 108 Milliarden US-Dollar. Das verwaltete Vermögen dieser Strategien beläuft sich insgesamt auf etwa 1 Billion US-Dollar.

Die massiven Abverkäufe haben das Aktienengagement dieser Fonds auf eines der niedrigsten Niveaus der vergangenen Jahre gedrückt. Laut Nomura zeigten nur 20 Prozent der historischen Beobachtungen noch geringere Bestände. „Der Ausblick wird neutraler, stellt aber noch keinen Rückenwind dar", sagte Joanna Wang, Strategin für Cross-Asset und Aktienderivate bei Nomura.

Wang warnte zugleich vor weiteren Risiken: „Sollte die Volatilität von hier aus ansteigen, gibt es im System immer noch erhebliches Verkaufspotenzial." Diese Strategien orientieren sich an der realisierten Volatilität der vergangenen ein oder zwei Monate – und diese historischen Kennzahlen bleiben nahe ihren Höchstständen seit dem zollbedingten Schock im April 2025.

Historische Volatilität bleibt erhöht

Obwohl der Cboe Volatility Index (VIX), der die Erwartungen der Händler hinsichtlich künftiger Marktschwankungen misst, zuletzt zurückgegangen ist, bleibt die historische Ein-Monats-Volatilität des S&P 500 bei etwa 21 Prozent. Das entspricht dem höchsten Stand seit Mitte Mai 2025 und liegt mehr als 5 Punkte über dem 20-Jahres-Median – ein deutliches Zeichen für die anhaltende Anspannung an den Märkten.

Für Optimisten gibt es jedoch einen Lichtblick: Da das Aktienengagement bereits drastisch reduziert wurde, verfügen diese Fonds über deutlich weniger Potenzial für weitere Verkäufe. „Wir haben die Phase der stärksten Verkäufe hinter uns", sagte Wang. „Strategien wie Volatilitätskontrolle und CTAs haben bereits viel Risiko aus dem Markt genommen."

Mögliche Trendwende bis Anfang Mai

Sollte die Volatilität auf dem aktuellen Niveau verharren oder sich bis Ende April weiter abschwächen, könnten systematische Strategien laut den Modellen von Nomura bis Anfang Mai zu Nettokäufern im Umfang von rund 20 Milliarden US-Dollar werden. Das wäre eine deutliche Trendwende und könnte den Markt stabilisieren.

Sollte die Volatilität hingegen deutlich ansteigen, könnten diese Strategien bis Ende April weitere Aktien im Wert von 48 Milliarden US-Dollar abstoßen, schätzt Nomura. Obwohl der Dollarwert der Verkäufe im Vergleich zum Gesamtwert des S&P 500 von rund 55 Billionen US-Dollar bescheiden wirkt, sollten solche Fonds aufgrund des Zeitpunkts und der Art ihrer Marktaktivitäten weiterhin genau beobachtet werden.

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