VodafoneThree bietet auf TalkTalks Privatkundengeschäft mit 1,75 Millionen Kunden
Der größte britische Mobilfunkbetreiber will seine Expansion im Heim-Breitband durch eine Übernahme des angeschlagenen Rivalen beschleunigen.

VodafoneThree hat ein Gebot für das Privatkundengeschäft des angeschlagenen britischen Telekommunikationsanbieters TalkTalk eingereicht. Das geht aus Angaben von vier mit der Angelegenheit vertrauten Personen hervor. Der Konzern, der aus der 16,5 Milliarden Pfund schweren Fusion zwischen Vodafone UK und Three entstanden ist, stieg dabei spät in die laufende Auktion ein – nachdem er eine Teilnahme zunächst abgelehnt hatte.
VodafoneThree war eines von mehreren Unternehmen, die in der vergangenen Woche Gebote in der zweiten Runde für TalkTalks Privatkundensparte eingereicht haben. Das Privatkundengeschäft umfasst derzeit 1,75 Millionen Kunden. Analysten von New Street Research schätzen den Wert dieser Sparte auf zwischen 200 Millionen und 300 Millionen Britische Pfund.
Strategisches Ziel: Breitbandkundenstamm verdoppeln
Der Schritt passt zur Wachstumsstrategie von VodafoneThree unter Vorstandschefin Margherita Della Valle. Der Konzern strebt an, seinen Kundenstamm im britischen Breitbandgeschäft bis Anfang der 2030er Jahre auf mehr als 4 Millionen zu verdoppeln. Derzeit zählt das Unternehmen etwa 29 Millionen Mobilfunkkunden in Großbritannien.
VodafoneThree selbst äußerte sich zurückhaltend zu den Berichten. Man sei „sehr zufrieden mit unserer organischen Strategie" im Bereich Festnetz-Breitband, wo man „am schnellsten im Markt wachse", hieß es in einer Stellungnahme. „Natürlich behalten wir die Bewegungen auf dem Markt und in der Branche immer genau im Auge", fügte das Unternehmen hinzu.
Vodafone einigte sich zudem im vergangenen Monat auf ein Geschäft zur vollständigen Übernahme des fusionierten Unternehmens – Jahre früher als ursprünglich erwartet.
TalkTalk kämpft mit Schulden und schrumpfendem Kundenstamm
TalkTalk, gegründet von Sir Charles Dunstone, befindet sich seit Jahren in einer schwierigen Lage. Seit der Übernahme durch den in London ansässigen Hedgefonds Toscafund im Jahr 2021 kämpft das Unternehmen mit den Folgen eines 1,1 Milliarden Pfund schweren Leveraged Buyouts. Dieser belastete die Bilanz mit 527 Millionen Pfund an Schulden und setzte TalkTalk den nachfolgenden Zinssteigerungen aus.
Die Folgen sind deutlich sichtbar: Der Privatkundenstamm ist von mehr als 2,5 Millionen im Jahr 2023 auf nur noch 1,75 Millionen im Mai 2026 geschrumpft. Der größte TalkTalk-Aktionär Ares hat dem Unternehmen in den letzten Jahren mehrfach Kapitalspritzen gewährt, um laufende Kosten zu decken und Rechnungen zu bezahlen.
Die Probleme reichen noch weiter: Die FT berichtete im vergangenen Jahr, dass der britische Netzinfrastrukturbetreiber Openreach in einem Streit über Zahlungsverzug damit gedroht hatte, TalkTalk daran zu hindern, neue Kunden in sein Breitbandnetz aufzunehmen.
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Zur AktienanalyseAuch Großhandelssparte PXC steht zum Verkauf
Neben dem Privatkundengeschäft sucht TalkTalk auch einen Käufer für seine Großhandelssparte PXC. Die FT berichtete im März, dass zu den Bietern für PXC Octopus Investments – eine Sparte der Octopus Group – sowie ein durch Private Equity unterstütztes Management-Buyout unter der Leitung des Exekutivvorsitzenden Tom O'Hagan gehören.
Für deutsche Anleger und Beobachter des europäischen Telekommunikationsmarkts ist der Fall TalkTalk ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein hochverschuldeter Leveraged Buyout ein einst etabliertes Unternehmen in eine existenzielle Krise treiben kann. Die laufende Auktion zeigt zugleich, dass konsolidierte Marktteilnehmer wie VodafoneThree die Schwäche von Wettbewerbern gezielt nutzen, um anorganisch zu wachsen.


