Vitol-Manager warnt: Ölmarkt unterschätzt Risiken des Iran-Krieges
Tom Baker von Vitol Bahrain sieht massive Versorgungsrisiken – Ölpreise könnten trotz jüngster Entspannung weiter steigen.

Der Ölmarkt unterschätzt die Risiken des laufenden Iran-Konflikts erheblich. Das sagte Tom Baker, Managing Director von Vitol für Bahrain, am Dienstag auf der S&P Global Energy Middle East Petroleum and Gas Conference in London. Baker warnte vor einer drohenden Versorgungskrise bei raffinierten Produkten, die das globale Energiesystem vor ernste Herausforderungen stellen könnte.
Die faktische Schließung der Straße von Hormus durch den Iran sowie Angriffe auf Ölfelder und Raffinerien haben das Angebot aus dem Nahen Osten um rund 14 Millionen Barrel pro Tag (bpd) reduziert. Laut Baker handelt es sich dabei um die größte Ölversorgungskrise der Geschichte. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt und ist für den globalen Öltransport von zentraler Bedeutung.
Raffinerien schieben Käufe auf – ein gefährliches Spiel
„Rohöl kann wieder auf den Markt kommen, aber aus der Perspektive raffinierter Produkte könnte es für das System sehr schwierig werden, den Rest des Jahres aufzuholen", sagte Baker. Viele Raffinerien hätten ihre Käufe bisher aufgeschoben, in der Hoffnung auf eine baldige Lösung der Krise. Baker sieht darin ein erhebliches Risiko: „Der Wendepunkt könnte erreicht sein, wenn jemand diese physischen Moleküle wirklich benötigt und sie einfach nicht zum Kauf zur Verfügung stehen."
Der Konflikt ließ die Ölpreise zwischenzeitlich auf bis zu 126 US-Dollar pro Barrel steigen. Am Dienstag notierten sie bei rund 95 US-Dollar – und damit immer noch mehr als 30 Prozent über dem Niveau vor Beginn des Konflikts am 28. Februar. Für Verbraucher und Unternehmen in Deutschland und Europa bedeutet das anhaltend hohe Energiekosten.
China und die globale Nachfrage als entscheidende Faktoren
Baker betonte die Rolle Chinas als Schlüsselfaktor für die weitere Preisentwicklung. „Wir können die Lagerbestände nicht unbegrenzt abbauen. China wird nicht ewig auf den Import von 5 Millionen bpd verzichten, und sobald sie diese Mengen benötigen, muss der Preis steigen", so Baker. Die einzige Lösung für höhere Preise wäre zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte Nachfragezerstörung.
Unter Nachfragezerstörung – im Englischen „Demand Destruction" – versteht man den Prozess, bei dem steigende Preise Verbraucher zwingen, ihren Konsum einzuschränken, bis sich Angebot und Nachfrage auf einem neuen Preisniveau einpendeln. Baker hält eine solche Entwicklung jedoch für unwahrscheinlich, solange die Ölpreise in Richtung 90 US-Dollar pro Barrel fallen.
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Zur AktienanalyseKrise trifft Asien und Afrika am härtesten
Der Nachfrageverlust infolge der Krise belief sich laut Baker auf etwa 4 bis 5 Millionen bpd, als die Ölpreise näher bei 110 US-Dollar lagen. Der Schwerpunkt der Nachfragerückgänge lag dabei auf Asien und Afrika. In Europa und den USA seien die Auswirkungen bislang eher verzögert eingetreten, die US-Nachfrage sei zwar gesunken, jedoch nur in geringem Maße.
Die Wahrscheinlichkeit eines US-Exportverbots für Rohöl oder Kraftstoffe bezeichnete Baker als extrem gering. Ein solches Verbot würde die Auswirkungen unmittelbar auf den US-Markt selbst zurückwerfen und die Preise dort in die Höhe treiben. Für europäische Importeure bleibt die Lage damit angespannt – eine schnelle Entspannung der globalen Ölversorgung ist nach Einschätzung des Vitol-Managers nicht in Sicht.


