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Vietnams Präsident fordert verantwortungsvolles Engagement der Großmächte

Auf dem Shangri-La-Dialog in Singapur mahnte To Lam zu strategischem Vertrauen und regelbasiertem Wettbewerb im Asien-Pazifik-Raum.

Vietnams Präsident fordert verantwortungsvolles Engagement der Großmächte

Der vietnamesische Präsident To Lam hat beim IISS Shangri-La-Dialog in Singapur ein klares Signal an die Großmächte gesendet: Die asiatisch-pazifische Region strebe weder die Anwesenheit noch die Abwesenheit einer Großmacht an, sondern ein „verantwortungsvolles Engagement" aller Parteien. Lam, der zugleich Generalsekretär der Kommunistischen Partei Vietnams ist, betonte, dass alle Länder mit legitimen Interessen eine Rolle spielen könnten, um zu Frieden, Stabilität und Entwicklung beizutragen.

Der Präsident zeichnete dabei ein nüchternes Bild der aktuellen geopolitischen Lage: „Alle Nationen sprechen weiterhin von Frieden, Stabilität und Zusammenarbeit", stünden jedoch einem Umfeld gegenüber, das durch eine Fragmentierung des Vertrauens und ungebremsten Wettbewerb gekennzeichnet sei. Diese Diskrepanz zwischen Worten und Realität sei eine der zentralen Herausforderungen der Region.

Vietnam erkenne zwar an, dass Wettbewerb zwischen Staaten eine Realität der internationalen Beziehungen sei, so Lam. Dieser Wettbewerb müsse jedoch durch Gesetze begrenzt, von Transparenz geleitet und mit Zurückhaltung ausgeübt werden.

Erosion des strategischen Vertrauens

Als eine der drängendsten Krisen der Gegenwart identifizierte Lam die „Erosion des strategischen Vertrauens". In einem solchen Klima könnten Staaten selbst harmlose Handlungen durch das Prisma von Misstrauen und Angst interpretieren – mit gefährlichen Folgen. „Wenn das Vertrauen schwindet, können Verteidigungsmaßnahmen sogar als Provokation wahrgenommen werden. Ein Interessenkonflikt kann zur Konfrontation eskalieren. Ein geringfügiger Vorfall kann in Ermangelung von Dialog, Kommunikation und Zurückhaltung Reaktionsspiralen auslösen", warnte der vietnamesische Staatschef.

Der Aufbau strategischen Vertrauens erfordere dabei nicht die Beseitigung aller Differenzen oder das Leugnen von Wettbewerb, stellte Lam klar. Stattdessen könnten Staaten ihre Differenzen innerhalb eines regelbasierten Rahmens bewältigen und so sicherstellen, dass der Wettbewerb begrenzt, verantwortungsvoll und vorhersehbar bleibt. „Eine dauerhafte regionale Ordnung kann nicht auf ständiger Angst und gegenseitigem Misstrauen aufgebaut werden", betonte er.

Hochrangige Teilnehmer – und ein auffälliges Fehlen

Der IISS Shangri-La-Dialog gilt als eines der bedeutendsten Sicherheitsformate im asiatisch-pazifischen Raum. Im Verlauf der dreitägigen Konferenz in Singapur werden unter anderem US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und der japanische Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi als Redner auftreten.

Besonders auffällig war hingegen die zurückhaltende Beteiligung Chinas: Der chinesische Verteidigungsminister Dong Jun fehlte dem Dialog bereits das zweite Jahr in Folge. Die Delegation aus Peking wird laut einem Pressebriefing des chinesischen Verteidigungsministeriums von Generalmajor Meng Xiangqing von der Nationalen Verteidigungsuniversität der Volksbefreiungsarmee geleitet. Für Beobachter ist das Fernbleiben des Ministers ein Signal, das in der Region aufmerksam registriert wird.

Der Shangri-La-Dialog bietet jährlich eine Plattform für Verteidigungsminister und Sicherheitsexperten aus aller Welt, um sicherheitspolitische Fragen im indo-pazifischen Raum zu diskutieren. Vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen – etwa im Südchinesischen Meer oder rund um Taiwan – kommt den Appellen Lams für Dialog und regelbasierten Wettbewerb besondere Bedeutung zu.

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