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Vier Jahre Aktien-Bullenmarkt: Was die Geschichte wirklich sagt

Nach drei starken Aktienjahren in Folge fragen sich Anleger: Hält der Aufwärtstrend 2026 an – oder droht ein Einbruch?

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Vier Jahre Aktien-Bullenmarkt: Was die Geschichte wirklich sagt

2023, 2024, 2025 – drei Jahre in Folge mit starken Aktienrenditen. Und 2026 sieht bislang ebenfalls nicht schlecht aus, trotz geopolitischer Spannungen und einem neuen Konflikt im Nahen Osten, der Ölpreise, Inflationserwartungen und Anleiherenditen belastet. Die entscheidende Frage lautet: Kann das so weitergehen?

Einige Anleger zweifeln daran. Doch die monatliche Fondsmanager-Umfrage der Bank of America zeichnet ein anderes Bild: Ein Rekordanteil der befragten Fondsmanager ist zuletzt ins bullishe Lager gewechselt. Der Anteil derjenigen, die angeben, in Aktien übergewichtet zu sein, hat ein Niveau erreicht, das zuletzt im Januar 2022 verzeichnet wurde – genau zu dem Zeitpunkt, als die letzte Bullenwelle ihren Höhepunkt erreichte. Die Skeptiker befinden sich damit in einer klaren Minderheit.

Was die Geschichte seit 1871 lehrt

Inspiriert von einer Analyse des Aktienstrategen Rob Griffiths von Legal & General hat die Financial Times historische Gesamtrenditedaten von Robert Shiller für US-Aktien ausgewertet, die bis ins Jahr 1871 zurückreichen. Das Ergebnis: In diesem Zeitraum gab es 17 Fälle, in denen drei aufeinanderfolgende Kalenderjahre zweistellige Gesamtrenditen verzeichneten.

Was folgte in diesen Fällen? In 12 von 17 Fällen war das vierte Jahr ebenfalls ein positives Jahr. Die durchschnittliche Rendite im Jahr nach drei starken Jahren lag bei 11,2 Prozent – und damit sogar über dem historischen Gesamtdurchschnitt von 8,6 Prozent. Rein statistisch betrachtet spricht die Geschichte also eher für die Bullen als gegen sie.

Allerdings verändert sich das Bild, wenn man ausschließlich den Zeitraum nach 1945 betrachtet. In der Nachkriegsära überwiegen positive vierte Jahre zwar immer noch, aber nur noch im Verhältnis fünf zu vier. Die durchschnittliche Gesamtrendite im vierten Jahr sinkt auf lediglich 3,3 Prozent – deutlich unter dem Nachkriegsdurchschnitt von 9,0 Prozent. Das Muster bleibt positiv, verliert aber an Überzeugungskraft.

Reale Renditen bestätigen das Bild weitgehend

Wechselt man von nominalen zu inflationsbereinigten Renditen, ändert sich das Gesamtbild nur geringfügig. Die Inflationsbereinigung lässt einige Datenpunkte aus der Vorkriegszeit entfallen. Seit 1871 gab es demnach 14 Fälle mit drei aufeinanderfolgenden Jahren zweistelliger Realrenditen – auf neun davon folgte eine positive Nominalrendite im vierten Jahr.

Die Autoren der Analyse räumen selbst ein, dass der Rückblick auf Muster bei Kalenderjahresrenditen nur begrenzten Mehrwert bietet. Ein Verkaufssignal, das allein auf dieser Kennzahl basiert, hat wenig Substanz. Das letzte Mal, als es drei aufeinanderfolgende Jahre mit zweistelligen Aktienrenditen gab, verloren Aktien im Anschluss prompt ein Viertel ihres Wertes – doch das war ein Einzelfall, kein verlässliches Muster.

Bank of America warnt vor Gewinnmitnahmen

Wer als Bär nach einem belastbareren Verkaufssignal sucht, sollte laut der Analyse die Umfrageergebnisse der Bank of America genauer unter die Lupe nehmen. Chefstratege Michael Harnett wertet die gesammelten Antworten der Fondsmanager als Zeichen dafür, dass die Kapitulation der Bären fast abgeschlossen ist. Er sieht Anfang Juni als einen möglichen Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen.

Für deutsche Privatanleger bleibt die Botschaft gemischt: Die historischen Daten sprechen nicht grundsätzlich gegen ein weiteres positives Aktienjahr. Doch die extreme Positionierung der Fondsmanager zugunsten von Aktien – kombiniert mit geopolitischen Risiken und erhöhten Bewertungen – mahnt zur Vorsicht. Kalenderjahresmuster allein sind kein verlässlicher Kompass an den Märkten.

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