Vetter Pharma verlagert Produktion nach Deutschland
Hohe Kosten in den USA – neues Werk schafft 2000 Jobs in Saarlouis

Bei Vetter Pharma stand ursprünglich die Errichtung eines neuen Produktionswerks in den USA zur Debatte. Das Familienunternehmen aus Ravensburg hatte bereits ein Grundstück in der Nähe von Chicago erworben. Dennoch entschied sich die Geschäftsführung gegen den Bau in den Vereinigten Staaten. Laut Udo J. Vetter, Mitinhaber und Vorsitzender des Beirats, wären die finanziellen Belastungen für das Unternehmen zu hoch gewesen. Die gestiegenen Baukosten sowie der Wertverlust des Euro gegenüber dem Dollar hätten das Vorhaben erheblich verteuert. Vetter sprach von einer finanziellen Last, die noch kommende Generationen getragen hätten.
Stattdessen investiert Vetter Pharma 450 Millionen Euro in den Bau eines neuen Werks in Saarlouis. Der Standort liegt auf dem Gelände des US-Autobauers Ford, dessen Produktion dort ausläuft. Die Wahl fiel unter anderem auf das Saarland, da sich dort zahlreiche potenzielle Arbeitskräfte aus der Automobilindustrie befinden. Vetter sieht die Möglichkeit, Fachkräfte aus der Automobilbranche in die Pharmaindustrie zu integrieren, da viele ihrer Fertigkeiten übertragbar seien. Die Ministerpräsidentin des Saarlands, Anke Rehlinger, bezeichnete das Engagement des Unternehmens als „Glücksfall“ für die Region.
Das Unternehmen plant, die Bauarbeiten im kommenden Jahr zu beginnen. Der Erwerb des Geländes durch die landeseigene Gesellschaft für Wirtschaftsförderung wurde bereits abgeschlossen. Zudem beantragte Vetter Fördermittel in zweistelliger Millionenhöhe, die sich aktuell im Genehmigungsprozess befinden. Der Produktionsstart ist für das Jahr 2031 vorgesehen, langfristig sollen bis zu 2000 Arbeitsplätze entstehen.
In den USA wird Vetter Pharma weiterhin tätig sein, jedoch konzentriert sich das Unternehmen dort auf die Herstellung von Produkten für klinische Studien. Diese Sparte erfordert geringere Produktionsmengen als die kommerzielle Herstellung von Arzneimitteln. Für die kommenden Jahre sind Investitionen in Höhe von 280 Millionen Euro geplant, um die bestehenden Kapazitäten zu erweitern.
Der Umsatzanteil von Vetter Pharma in Deutschland liegt derzeit bei lediglich sechs Prozent, während die Mehrheit der Kunden aus den Vereinigten Staaten stammt. Das Unternehmen sieht sich als Teil eines wachsenden Biotechnologiemarktes, insbesondere im Bereich der biotechnologisch hergestellten Wirkstoffe. Die Geschäftsführung setzt dabei auf eine hohe Automatisierung und die Entwicklung neuer Darreichungsformen wie Injektionspens.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie langfristige Unternehmensstrategie von Vetter Pharma basiert auf einer klaren Trennung zwischen operativer und strategischer Führung. Die Geschäftsführung wurde um familienfremde Manager erweitert, während der Beirat sich auf strategische Entscheidungen konzentriert. Zudem wird die nächste Generation der Familie auf eine künftige Rolle in der Unternehmensführung vorbereitet.


