Vertiv-Aktie bricht im Juli um 28 Prozent ein
Negative KI-Stimmung und ein nicht ganz perfekter Quartalsbericht brachten den KI-Infrastrukturanbieter Vertiv unter Druck.

Die Aktie von Vertiv Holdings (VRT) hat im Juli 2026 einen heftigen Kursrückgang von 27,9 Prozent erlitten. Das zeigen Daten von S&P Global Market Intelligence. Dabei gilt Vertiv als einer der wichtigsten Infrastrukturanbieter für KI-Rechenzentren – das Unternehmen liefert Stromversorgungs- und Wasserkühlungssysteme, die angesichts des steigenden Energieverbrauchs modernster KI-Chips zunehmend gefragt sind.
Der Einbruch traf Vertiv trotz eines grundsätzlich soliden Quartalsberichts. Das Unternehmen ist damit kein Einzelfall: Im Juli drehte die Marktstimmung gegenüber KI-bezogenen Aktien insgesamt deutlich ins Negative – und Vertiv geriet als „KI-naher" Industriewert in den Sog dieser Entwicklung.
Mehrere Faktoren belasteten die KI-Branche
Gleich mehrere Ereignisse sorgten im Juli für Gegenwind bei KI-Aktien. Der bekannte Leerverkäufer Michael Burry bewarb öffentlich seine Short-Wetten gegen KI-Aktien. Hinzu kamen die Veröffentlichung des chinesischen Open-Weight-Modells Kimi 3 sowie der Zusammenbruch des auf KI spezialisierten Hedgefonds Situational Awareness. Diese Kombination schickte praktisch alle KI-Aktien auf Talfahrt – Vertiv als Schlüsselakteur beim Ausbau von KI-Rechenzentren blieb davon nicht verschont.
Den negativen Abschluss eines ohnehin schwierigen Monats lieferte die Reaktion auf den Quartalsbericht Ende Juli. Im zweiten Quartal steigerte Vertiv seinen Umsatz um 24 Prozent auf 3,72 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie (Non-GAAP) kletterte sogar um 60 Prozent auf 1,52 US-Dollar – und übertraf damit die Erwartungen der Wall Street.
Dennoch reichte das den Anlegern nicht. Das Umsatzwachstum von 24 Prozent blieb leicht hinter den Prognosen zurück. Im Vorquartal hatte Vertiv noch ein Wachstum von 30 Prozent erzielt. Diese Verlangsamung scheint den Ausverkauf nach den Zahlen ausgelöst zu haben – in einer Marktphase, in der Investoren besonders unnachgiebig reagierten.
Ausblick bleibt positiv – Umsatzprognose angehoben
Trotz des schwachen Monatsverlaufs gibt es für Anleger durchaus Grund zur Zuversicht. Vertiv selbst erklärt den vergleichsweise schwachen Quartalsumsatz mit zeitlichen Verschiebungen, nicht mit mangelnder Nachfrage. Das Unternehmen hob seine Umsatzprognose für das dritte Quartal um 400 Millionen US-Dollar sowie für das Gesamtjahr um 250 Millionen US-Dollar (jeweils in der Mitte der Spanne) an. Dies deutet darauf hin, dass sich Umsätze lediglich vom zweiten ins dritte Quartal verschoben haben, während sich die Gesamtaussichten für das Jahr sogar verbessert haben.
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Zur AktienanalyseFür das Jahr 2026 erwartet Vertiv nun einen bereinigten Gewinn je Aktie von 6,70 US-Dollar in der Mitte der neuen Prognosespanne. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses entspricht das einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 40 – für eine Industrieaktie ein hoher Wert.
Angesichts des anhaltenden KI-Ausbaus und der Milliarden an neuem Kapital, die große Cloud-Konzerne für ihre Rechenzentren aufwenden, scheint eine baldige Wachstumsverlangsamung bei Vertiv jedoch wenig wahrscheinlich. Der Juli-Einbruch könnte sich im Rückblick als übertriebene Reaktion erweisen – sofern die Nachfrage nach KI-Infrastruktur wie erwartet robust bleibt.


